Julia Jäkel von G+J 25.09.2014, 17:40 Uhr

"Die Chancen sind digital"

Wie meistert Gruner + Jahr die Veränderungen der Medienwelt? Vorstandsvorsitzende Julia Jäkel präsentierte statt des großen Wurfs eine Strategie der vielen kleinen Schritte.
Jäkel bei Serviceplan in München
(Quelle: Serviceplan)
"Das traditionelle Geschäftsmodell ist finanziell nicht überlebensfähig", sagt Julia Jäkel, Vorstandsvorsitzende von Gruner und Jahr. Die meisten Verlage empfänden das als Bedrohung. Doch es gäbe auch andere Meinungen wie die von Clayton Christensen von der Harvard Busines School: "Auch Tageszeitungen und Magazine sind in einer Wachstumsindustrie. Nur ihre Art, über diese Industrie zu denken, befindet sich im Niedergang."
Auf dem Innovationstag der Agentur Serviceplan in München nannte Jäkel drei Grundsätze, die Gruner + Jahr für sich formuliert hat:
  1. Es gibt einen Markt für gute Inhalte.
  2. Print kann wachsen.
  3. Die Chancen sind digital.
Der Verlag will sich auf die Gemeinschaft und die Interessen seiner Leser konzentrieren: "Wir haben uns gefragt, wozu die Menschen unsere Produkte nutzen: zum Kochen, als Themen zum Diskutieren, für Fluchten aus dem Alltag, für Tipps für die Karriere, das Wohnen, die Familie." Daraus hat das Unternehmen acht Themengruppen identifiziert:
  • Living
  • Women
  • Family
  • Food
  • People & Fashion
  • News
  • Wissen
  • Wirtschaft & Special Interest
Die Aussichten beurteilt Jäkel positiv: "Wir haben Zugang zu Millionen, starke Marken und Expertise." Mit der Verbesserung der Produkte und deren Digitalisierung will der Verlag sein Kerngeschäft stabilisieren. Wachstum kommt unter anderem aus der Gründung und der Beteiligung an Start-ups. Darunter sind Tambini, ein Online-Shop für Kindergeburtstage und Mottopartys, die Inneneinrichtungs-Community Roomido und Delinero, ein Marktplatz für Delikatessen. "Auf Delinero geben die User, die von unseren Seiten kommen, doppelt so viel aus wie andere", so Jäkel. Im Vermarktungsbereich hat Gruner + Jahr  Advideum aus Frankreich gekauft, sich in Deutschland an trnd beteiligt und die Empfehlungstechnologiefirma Veeseo übernommen.
Doch das allein reicht nicht, um den Konzern auf Spur zu bekommen: "Wir müssen auch an unseren Kosten, unseren Strukturen arbeiten. Einige sehen das als Bruch mit unserer Kultur. Wir sehen das als normalen Prozess, den Sie in jedem Unternehmen erleben." In Zeiten des Wandels sei Führung besonders wichtig, so Jäkel. "Wir brauchen Kollegen, die nicht romantisch nach hinten gucken, sondern solche, die in dem Neuen eine unternehmerische und persönliche Chance sehen."
Um neue mobile Web- und App-Projekte zu realisieren und die Mobile Reichweite auszubauen, hat der Digitalbereich von Gruner +Jahr im vergangenen Jahr eine eigenständige Mobile Unit gegründet.



Das könnte Sie auch interessieren