Münchner Webwoche 04.11.2016, 14:00 Uhr

"Die meisten Unternehmen haben Angst vor der Digitalen Revolution"

Die Münchner Webwoche öffnete am 3. November ihre Pforten und lud zum Auftakt in das Alte Rathaus am Marienplatz. Eine Erkenntnis: Wer ein "Digital Leader" sein möchte, braucht mehr als nur technisches Know-how.
Digitale Vernetzung: In der Theorie einfach, in der Praxis oft weniger
(Quelle: shutterstock.com/hywards)
Wer in der Digitalbranche arbeitet beziehungsweise zu den "Digital Natives" gehört, hat gut Lachen. Für ihn sind Begriffe wie "Digitale Revolution" oder "Digitalisierung" längst selbstverständlich. Dass es aber im Alltag vieler Unternehmen nicht so einfach ist, die neuen Kanäle und Geräte in die täglichen Abläufe zu integrieren, will die Münchner Webwoche zeigen, die noch bis zum 11. November in ganz München stattfindet. Sie richtet sich an alle "digitalen Gestalter", egal welchen Niveaus. Daneben ist es das Ziel des Initiators Prof. Wolf Groß, München als Technik- und Internetstandort weiter zu etablieren und die Digitalkompetenz der Stadt zu stärken.
Zum Auftakt der Münchner Webwoche luden die Veranstalter in das "Wohnzimmer der Stadt München", in das Alte Rathaus. Die Keynote zum Thema "Digital Leadership" hielt Christiane Brandes-Visbeck, Autorin, Innovationsberaterin und Quartiersleiterin der Hamburger Digital Media Women. Sie beobachtet in ihrem Alltag immer noch, dass Unternehmen regelrecht Angst vor der Digitalen Revolution haben. Ein Grund dafür: Niemand wisse, wer denn eigentlich dafür zuständig sei. Der Gedanke, das Thema sei Chefsache, ist oftmals falsch. Denn wenn sich dieser verschließt, bleibt dem gesamten Unternehmen der Weg in die Zukunft verwehrt.

Digital Leader gefordert

Was also tun? Brandes-Visbeck appelliert hier an einen "Digital Leader". Ihre Definition davon: "Digital Leader gestalten gemeinsam im Team eine sinnhafte Unternehmenskultur, um an der digitalen Gesellschaft teilzuhaben und am automatisierten Markt zu bestehen."
Die Anforderungen an einen Digital Leader:
  • Führung ist eine Rolle, keine Position: Jeder ist mal an der Reihe. Das Konstrukt soll als Netzwerk gesehen werden, generationsübergreifendes Arbeiten ist ebenso gefordert wie kanalübergreifendes Denken.
  • Innovatives und disruptives Agieren: Gegen den Strom, wider der Hierarchie und Bürokratie. Feedback ist wichtig und negatives Konkurrenzverhalten darf es nicht geben.
  • Mut: Vorangehen, Expertise nutzen, Team absichern.
  • Sozialkompetenz: Auf Augenhöhe und offen für Vielfalt, Konsens aushandeln, Regeln verabreden und einhalten.
  • Sinnhafte Unternehmenskultur: Ein überzeugendes Ziel, Vernetzung, Perspektivenwechsel und Ressourcen-orientiertes Planen.
Dieses "Fail early, fail often, recover fast"-Prinzip wird sicher nicht in jedem Unternehmensalltag Anwendung finden können. Ein Ziel sollte es aber in jedem Fall sein, so das Fazit der Keynote-Speakerin. Wer glaubt, heute noch mit klassischen Denkweisen alleine bestehen zu können, den belehrt die Münchner Webwoche definitiv eines Besseren.




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