Transparentere Preisstruktur 17.12.2015, 14:00 Uhr

Adblock Plus: Erste Einblicke in das Finanzierungsmodell

Einer der Vorwürfe, dem sich Adblock Plus stellen muss, ist das intransparente Finanzierungsmodell. Jetzt gibt der Anbieter kleine Einblicke - und erklärt offen, dass Firmen durchaus zur Kasse gebeten werden.
Gibt kleine Einblicke in das Finanzierungsmodell: Till Faida, Mitgründer von Adblock Plus
(Quelle: Eyeo)
Adblock Plus (ABP), bekanntester Werbeunterdrücker, muss sich inzwischen zahlreichen Vorwürfen stellen. Eine der schwerwiegendsten davon: Der Anbieter fahre ein intransparentes und zweifelhaftes Finanzierungsmodell. Besonders im Fokus: Das umstrittene Whitelisting, wonach Unternehmen zur Kasse gebeten werden, damit ihre Anzeigen ausgespielt werden. Nun äußert sich ABP offiziell zum Finanzierungsmodell und gibt kleine Einblicke.

Große Firmen zahlen Lizenzgebühr

Die Kernaussage: "Wir erhalten Spenden von unseren Nutzern aber der Hauptteil der Einnahmen resultiert aus der Acceptable Ads Initiative", so Eyeo, die Firma hinter Adblock Plus. Bestätigt wird damit nun tatsächlich offen, dass "die größten Konzerne auf der Whitelist eine Lizenzgebühr für den administrativen Aufwand seitens Adblock Plus zahlen". Für kleine Unternehmen und Webseiten von Privatpersonen - das sind laut Eyeo etwa 90 Prozent - seien die Whitelisting-Leistungen von Adblock Plus vollkommen gratis.
Eine Organisation gilt für Eyeo dann als groß, wenn sie, aufgrund der Teilnahme an der Acceptable Ads Initiative, mehr als zehn Millionen zusätzliche Werbeimpressionen pro Monat verzeichnet. Für diese Organisationen liegen die Lizenzgebühren dann in der Regel bei 30 Prozent der Einnahmen, die in Folge der Freigabe akzeptabler Werbeanzeigen zusätzlich generiert werden.

"Mit erheblichem Aufwand verbunden"

Auf die Frage, wofür das Geld gebraucht wird, antwortet Eyeo, dass sie - anders als "normale" Werbeblocker - das Ziel hätten, einen Kompromiss zwischen Internetnutzern und den auf Werbung angewiesenen Webseitenbetreibern zu schaffen. "Letztlich soll die Vielfalt im Internet erhalten bleiben. Das kann aber nicht völlig ohne Einkünfte finanziert werden."
Die mit dem Whitelisting verbundenen Services sind laut ABP mit erheblichem Aufwand verbunden. "Hierzu gehören eine fortlaufende Überprüfung und Kontrolle der einzelnen freigeschalteten Anzeigen sowie der kontinuierlichen Support aller Teilnehmer inklusive deren technischer Unterstützung. Diese Tätigkeiten können nicht vollständig durch Freiwillige erbracht oder durch Spenden gedeckt werden, wie es bei den gebräuchlichen Filterlisten der Fall sein mag."

Acceptable-Ads-Kriterien

Wie Eyeo betont, sei es aber essentiell, dass die Acceptable-Ads-Kriterien immer eingehalten werden, unabhängig davon, ob in Einzelfällen zusätzliche Lizenzgebühren zu zahlen sind. "Werden die Kriterien nicht erfüllt, ist das Whitelisting nicht möglich", so ABP. 
Diese Kriterien wurden von Eyeo definiert und geben vor, was nutzerfreundliche Online-Werbeformate sind. Aktuell sollen die Kriterien weiterentwickelt werden. Zudem gibt Adblock Plus im kommenden Jahr die Schirmherrschaft über die Acceptable Ads Initiative an ein unabhängiges Gremium ab. Dieses Gremium wird ab Sommer 2016 die Kontrolle über Pflege und Einhaltung der Kriterien übernehmen.
Grundsätzlich bewegt das Thema Adblocker seit einiger Zeit die Branche. Die Goldgräberstimmung im Online-Marketing hat elementare Fehler verursacht - eine Reaktion darauf sind Werbeunterdrücker, meint beispielsweise auch Martin Michel, Geschäftsführer Sky Media. In der Rubrik Expert Insight erklärt er, was ein Weg aus der aktuellen Situation sein könnte.

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