Expert Insights
19.01.2016, 09:00 Uhr

The Mobile States of America

Es gibt Stimmen, die behaupten, dass die USA Deutschland technologisch einige Jahre voraus sind. Aber warum eigentlich? Schließlich erscheinen technische Neuerungen zeitgleich auf beiden Märkten.
Ingo Kamps, Head of Performance and Mobile Marketing bei Drillisch Telecom
(Quelle: Johannes Schander)
Im November 2015 habe ich mich auf eine Autoreise von Atlanta über Georgia und Boston nach Massachusetts begeben und dabei Zwischenstopps in vierzehn Bundesstaaten eingelegt. Während der Reise wollte ich in Erfahrung bringen, wie weit die mobile Disruption in den Vereinigten Staaten schon fortgeschritten ist und welchen Nachholbedarf wir in Deutschland haben.

Free-Wifi und Express-Shopping

Die Ostküste der USA verfügt über eine sehr hohe Dichte an frei nutzbaren WLANs, die es hierzulande nicht annähernd gibt. Fast jedes Restaurant und jede Bar bietet seinen Gästen kostenlosen Zugang zum Internet an und selbst Stadtparks und die Highway-Toiletten von South Carolina sind mit drahtlosem Internet ausgestattet. Bei so vielen Hotspots sind US-Bürger tatsächlich "always on". Limitierte 4G-Datenpakete in Mobilfunknetzen fallen somit deutlich weniger ins Gewicht.
Während des Besuchs einer Großveranstaltung von World Wrestling Entertainment, Inc. (Survivor Series 2015) in der Philips Arena in Atlanta konnte ich sehen, wie man 17.000 Zuschauern gleichzeitig einen schnellen und zuverlässigen WLAN-Zugang zur Verfügung stellt. Die Besucher dankten es mit verstärktem Social-Media Engagement inklusive Werbeeffekt für den Veranstalter.
In den Pausen wurde ich dann zum ersten Mal mit einem Trend konfrontiert, von dem ich bis dahin nur gelesen hatte: so genannte Light- oder Express-Shops. Dabei handelt es sich nicht um die vielfach gebräuchliche mobile Version eines bestehenden Online-Shops, sondern tatsächlich um eine speziell für den Einsatz auf Smartphones optimierte Einkaufsmöglichkeit.
Produktseitig ist das Angebot auf wenige Topseller beschränkt, die eine hohe Conversion-Wahrscheinlichkeit haben und teilweise während der Veranstaltung vorgestellt werden. Die Navigation erfolgt durch einfache Wischbewegungen von links nach rechts (aka "Tinder-Style"). Das gleiche Prinzip sah ich dann eine Woche später im legendären New Yorker Madison Square Garden im Rahmen des NBA-Spiels New York Knicks gegen Miami Heat.
Express- oder Light-Shops werden aber nicht nur für Sportveranstaltungen verwendet. In den U-Bahnen von Boston warb beispielsweise ein Wäscheversender aufmerksamkeitsstark für seinen Mobile Shop, der dann ganze drei Produkte im Angebot hatte.

Mobile Payment

Um einen Kaffee von Starbucks zu trinken, stellen sich immer weniger US-Bürger in die Schlange der Kaffeehauskette, sondern ordern und bezahlen ihr Heißgetränk schon auf dem Weg in die Filiale. Bereits jede fünfte Bestellung bei Starbucks wird inzwischen mobil bezahlt. Das entspricht monatlich knapp fünf Millionen Bestellungen - 32 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. 
Um die mobile Nachfrage weiter zu befeuern, verlässt sich Starbucks nicht nur auf die bequeme Bezahlmöglichkeit und wegfallende Wartezeiten. Das Unternehmen hat zusätzlich ein sehr einfach zu nutzendes und attraktives Mobile Loyalty-Programm etabliert, an dem bereits mehr als 20 Millionen Amerikaner teilnehmen. So funktioniert Kundenbindung.
Mobiles Bezahlen in den USA beschränkt sich natürlich nicht nur auf Kaffee: Parkgebühren, Taxifahrten, Broadway Tickets, Medikamente oder Subway-Sandwiches können problemlos per App bezahlt werden. Und wenn das eigene Fahrzeug mal abgeschleppt wird, erfolgt die Begleichung der Auslösegebühr ebenfalls mobil. Dazu kommen Apple Pay und Android Pay mit sehr vielen Akzeptanzstellen.
Mobile Payment ist in Deutschland auf dem Vormarsch: Es gibt immer mehr Apps, mit denen Bezahlen auf dem Smartphone alltäglich wird. INTERNET WORLD Business stellt zehn Anwendungen vor.
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