Praxistipp
07.12.2015, 08:30 Uhr

Was man beim Planen und Umsetzen einer Mobile Publishing App beachten sollte

Rund 33 Prozent der Mediennutzer lesen auf ihrem Smartphone Nachrichten und Fachartikel. Publisher haben aber oft Schwierigkeiten mit den technischen Innovationen in Sachen Apps Schritt zu halten.
(Quelle: Fotolia.de/aey)
Von Stefan Gerstmeier, COO Neofonie Mobile
Die große Beliebtheit von Inhalten, die über mobile Endgeräte konsumiert werden sowie die laut Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) mittlerweile 530 Apps deutscher Verlage zeigen deutlich: Mobile Publishing ist für Verleger essenziell geworden, um auf dem hart umkämpften Zeitungsmarkt zu bestehen. Aus den seit Jahren stetig sinkenden Auflagezahlen resultieren neue Herausforderungen für alle, die ihre User weg von Print hin zur App bringen wollen.
In fast allen Gesellschaftsschichten ist die Nutzung von Smartphones und Tablets mittlerweile Standard. Die Nutzer sind heute bereits gewöhnt daran, auf ihren smarten Geräten für Apps und digitale Inhalte zu zahlen. Doch viele Verlage können mit den technischen Innovationen in Sachen Apps nicht Schritt halten, haben noch kein tragfähiges Bezahlsystem gefunden oder immer noch Probleme, die aktuellen Anforderungen in Sachen Usability zu meistern: Schlechte Nutzerführung, eine unzeitgemäße Aufbereitung der Inhalte sowie die Tatsache, dass viele Apps immer noch nicht für alle Geräte ausgespielt werden, zeigt wie schlecht es um die Mobile Publishing Branche hierzulande bestellt ist.
Das führt natürlich zu Frust bei vielen Mobile-Kunden, deren Kaufkraft mittlerweile aber genauso groß ist, wie die der Print-Leser. Das sind die wichtigsten Punkte beim Planen und Umsetzen von digitalen Zeitungsinhalten im App-Format.

Mobilen Content monetarisieren

Laut dem "Reuters Institute Digital News Report 2015" nutzen hierzulande bereits 33 Prozent ihr Smartphone, um sich in Sachen Nachrichten auf den neuesten Stand zu bringen. 88 Prozent der Deutschen sind aber immer noch nicht dazu bereit, für digitale Inhalte zu bezahlen - egal wie qualitativ hochwertig diese sind.
Auf Grund der immer weiter fallenden Printauflagen, hat in den letzten Jahren bei den Verlagen ein Paradigmenwechsel stattgefunden, welcher zum Ziel hat, die weggebrochenen Erlöse bei Digital-Lesern wieder rein zu holen. Derzeit dominiert in Deutschland bei den Abrechnungssystemen das so genannte Paid-Content Modell, bei dem nur angemeldete und zahlende User Zugriff auf Inhalte bekommen. Je nach Kostenstruktur und Auswahl wird der User zum App Store geleitet, über den dann die genaue Abrechnung erfolgt.
Ebenso beliebt und deshalb an zweiter Stelle liegt das sogenannte Metered-Modell. Hier entscheidet die Redaktion des jeweiligen Verlages selbst, welche Inhalte kostenlos zur Verfügung stehen und für welche bezahlt werden muss. Nachdem eine bestimmte Anzahl an kostenlosen Artikeln gelesen wurde, wird der User dann zur Paywall weitergeleitet. Das Freemium-Modell, bei dem - zumindest vorläufig - alle Inhalte kostenlos sind, ist im Bereich Mobile Publishing heute eher die Ausnahme.
An der derzeit im Trend liegenden Paywall führt derzeit kaum ein Weg vorbei. Gerade für regionale Verlage ist das Paid-Content-Modell besonders geeignet, da deren Abonnenten nur schwer zu einem anderen Anbieter wechseln können, der das selbe Gebiet mit seinen Inhalten bespielt.
Dass Paid Content auch in Deutschland funktioniert, zeigt das Angebot Bild Plus, welches heute auf allen Plattformen geräteübergreifend erhältlich ist. Das Bezahlmodell von Axel Springer startete bereits im Juni 2013 und verfügt heute laut Verlag über 260.000 zahlende Leser. Diese können unter drei Abonnements für 5,10 beziehungsweise 15 Euro auswählen und so über ihr Tablet oder Smartphone auf exklusive Inhalte zugreifen. Mit Spezial-Angeboten und günstigen Testabonnements, führt Axel Springer Neukunden und bestehende Printleser in ihr digitales Angebot ein. Nach Ablauf der Rabatt-Frist sind dann viele dazu bereit, den normalen Preis zu bezahlen, da das digitale Angebot oft die Erwartungen der ehemaligen Print Leser übertrifft.
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