E-Commerce-Ambitionen
23.03.2015, 08:00 Uhr

"Google Zertifizierte Händler" unter der Lupe

Noch ist das E-Commerce-Angebot von Google uneinheitlich und lückenhaft. Angebote wie "Google Zertifizierte Händler" und Google Shopping sollen vorrangig das eigene Anzeigengeschäft pushen.
Google Logo als Steingravur
(Quelle: shutterstock.com/ljh images)
Von Matthias Hell
Die Elektronikversender Pearl und Redcoon, der Online-Schuhhändler Spartoo.de oder der Kindermode-Shop Tausendkind - sie alle sind von "Google Zertifizierte Händler". Wie sie haben mittlerweile Dutzende von deutschen Online-Shops das Google-Programm durchlaufen. Oftmals fällt in diesem Kontext auch das Stichwort: "Google Trust" als Indikator für Vertrauen. Doch was will der Internet-Gigant mit der Initiative erreichen? Will er etwa Anbieter von Shop-Gütesiegeln angreifen?
Andreas Bauer, Chief Product Officer beim Aschaffenburger E-Com­merce-Dienstleister 004, behält den neuesten E-Commerce-Vorstoß von Google seit einiger Zeit genauestens im Auge. Für ihn sagt das Google-Zertifikat, verglichen mit Zertifikaten von Anbietern wie etwa Trusted Shops, deutlich weniger aus. "Wir stellen immer wieder fest, dass die Google Services international sehr generisch gehalten sind", erklärt Bauer. "Google Zertifizierte Händler" sei nicht umfassend für den deutschen Markt umgesetzt worden.

Schnittstelle zu Google

Tatsächlich fällt der Leistungsumfang des Google-Programms deutlich geringer als bei Mitbewerbern, wie Trusted Shops, aus: Um Aufnahme in das kostenlose Programm, können sich Online-Händler, unabhängig von Größe und Bekanntheitsgrad, bewerben. Teilnehmende Händler müssen eine Schnittstelle zu Google in ihren Shop einbinden und dürfen ein anklickbares Gütesiegel in der rechten unteren Bildschirm­ecke anzeigen. Dieses signalisiert den Kunden, dass sie sich in einem Shop befinden, den Google in Hinblick auf Versand und Kundenservice als vorbildlich einstuft.
Sollte es dennoch zu Unregel­mäßigkeiten kommen, garantiert Google einen Käuferschutz von bis zu 1.000 ­Euro - allerdings nur als letzte Instanz: "Zuerst sollen mögliche Probleme zwischen dem Händler und seinem Kunden geklärt werden", erklärt Malte Will, Product Partnerships Manager, Shopping, Commerce, Ads EMEA bei Google.
Einen umfassenderen Käuferschutz oder die rechtliche Absicherung von Online-Shops bietet "Google Zertifizierte Händler" im Gegensatz zur deutschen Konkurrenz nicht. Das liegt an der Motivation, die hinter der Entwicklung des Produkts steht: "Unser Ziel ist es in erster Linie, mit dem Programm die Trust-Werte von ausgesuchten Online-Shops für die Kunden zu erhöhen", erklärt Malte Will.

Indirekter Nutzen für Google

Für Google habe das Programm vor allem einen "indirekten Nutzen": Je mehr Konsumenten ihre Einkäufe ins Netz verlagern, umso mehr profitiere auch der Internet-Konzern davon - zum Beispiel durch steigende Ausgaben der Shop-Betreiber für kostenpflichtige Angebote wie Google Adwords und Google Adsense. Auswirkungen auf das Listing teilnehmender ­Unternehmen in der Google-Suche gebe es nicht, so Will.
Auch wenn der Anwendungsbereich von "Google Zertifizierte Händler" eher beschränkt ist und das Produkt von Google aus einer klaren Nutzenerwägung heraus entwickelt wurde - beim teilnehmenden Online-Händler Redcoon erhält das Programm durchweg gute Noten. "Gerade für Neukunden ist dieser Service eine Bestätigung unserer Professionalität", lässt der zu Media-Saturn gehörende Elektronikversender durch einen Sprecher mitteilen. "Durch das Gütesiegel ist dem Kunden bewusst, dass unsere Prozesse durch eine externe Instanz bewertet werden und die Einhaltung bestimmter Bedingungen permanent geprüft wird."
Dass die Shop-Präsenz von Redcoon auch bereits durch Trusted Shops und EHI Retail Institute abgesichert ist, betrachtet das Unternehmen nicht als Argument ­gegen "Google Zertifizierte Händler": "Die Google Händlerzertifizierung ist ­eine sinnvolle Erweiterung unserer Kundenansprache, denn jedes Siegel adressiert eine eigene Zielgruppe."
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