Online-Lebensmittelhandel 16.02.2017, 11:02 Uhr

Amazon Prime Now: Hinter den Kulissen

Amazons Service "Prime Now" stellt auch Lebensmittel zu. Bei unserem Besuch im Lager haben wie vor allem diese Waren genauer unter die Lupe genommen. Welche Herausforderungen bietet der Lebensmittel-Online-Handel und welchen USP hat Amazon?
Kai Rühl, Head of Prime Now bei Amazon.de
(Quelle: Amazon)
Bei Amazons Service "Prime Now" kann man nicht nur elektronische Geräte oder Filme ordern, sondern auch Lebensmittel. Ein derzeit noch gewagtes Experiment - schaut man sich die Marktanteile des Online-Handels am Lebensmittelhandel in Deutschland an. Denn diese liegen laut einer Studie von AT Kearney gerade einmal bei einem Prozent (1,9 Milliarden Euro). Wer das Angebot von Amazon nutzt und welche Herausforderungen die Zustellung von Lebensmitteln bietet, erzählt uns Kai Rühl, Head of Prime Now bei Amazon.de, bei einem Besuch im Lager in München.
Prime Now ist in München ein halbes Jahr verfügbar. Wie fällt die bisherige Bilanz aus?
Kai Rühl: Wir sind mit der bisherigen Entwicklung mehr als zufrieden. Vor allem haben wir festgestellt, dass nicht nur immer mehr Kunden Prime Now testen, sondern den Service immer wieder nutzen. Wir haben einen Nutzer aus München, der bisher 97 Mal Produkte über Prime Now bestellt hat. Die Zunahme der Bestandkunden zeigt uns, dass unser Service funktioniert und die User zufriedengestellt.
Wer ist die Zielgruppe von Amazon Prime Now?
Rühl: Da wir über Prime Now nicht nur Lebensmittel verkaufen, ist es sehr schwierig eine genaue Zielgruppe festzumachen, weil es zu viele unterschiedliche Use Cases gibt. Es gibt Kunden, die brauchen noch Lebensmittel fürs Abendessen, andere benötigen Samstagsabends noch mehr Bier bei einer Party, wieder andere stellen fest, dass der Beamer für eine Präsentation den Geist aufgegeben hat und müssen schnell Ersatz beschaffen.
Ein Faktor, den viele Mitbewerber im Lebensmittelhandel noch nicht erfüllen können, ist Spontanität. Amazon schafft es mit Prime Now auch diese User zu bedienen. Wie wichtig ist für Amazon dieser USP?
Rühl: Dass wir dieses Kundenbedürfnis bedienen können, ist für uns enorm wichtig und ist ein Kernbestanteil des Service. Aber nicht nur die einstündige Lieferung wird von den Usern gut angenommen. Auch die Wahl der Zustellung innerhalb eines Zwei-Stunden-Fensters am selben Tag kommt den Bedürfnissen der User entgegen. Sie können ihre Sachen planen und von ihrer To-Do-Liste streichen. Beispielsweise bestellen sie morgens in der Bahn die Lebensmittel mit Prime Now und lassen sich diese abends, wenn sie nach der Arbeit wieder zu Hause sind pünktlich zum Kochen zustellen. Das Gute ist, egal wie der Alltag des Users ist, wir können uns mit unserem Service an den Kunden anpassen und ihm die Sachen exakt dann liefern, wenn er sie benötigt.
Die Kühltaschen für die Lieferung von gefrorenen sowie kühlen Lebensmitteln.
(Quelle: Laura Melchior)
Wie gewährleistet Amazon bei der Lieferung von frischen oder tiefgekühlten Lebensmitteln eine ununterbrochene Kühlkette?
Rühl: Wir transportieren kühle und gefrorene Lebensmittel in Kühltaschen mit Kühl-Akkus. Bei unserer kurzen Lieferdauer ist das vollkommen ausreichend, um eine durchgehende Kühlkette zu gewährleisten. 
Die Lieferung von Lebensmitteln stellt viele Anbieter vor große logistische Herausforderungen. Wie gestaltet sich bei Amazon Prime Now eine Lieferung von dem Eingang der Bestellung bis zur Zustellung an die Haustür?
Rühl: Die Bestellung geht bei uns im System ein, ein Picker stellt die Waren anhand der Liste zusammen. Diese werden bei Amazon in umweltfreundliche Papiertüten verpackt. Auch bei Lebensmitteln wie Eiern verwenden wir kein zusätzliches Verpackungsmaterial. Gekühlte und gefrorene Produkte werden in Tüten kommissioniert und sofort in Kühltaschen untergebracht.
Die gepackten Tüten und Taschen werden dann mit dem Adressaufkleber versehen und im Regal unter dem zugeteilten Liefergebiet abgestellt. Hier nimmt sie dann der Fahrer entgegen und verstaut die Tasche bei Bedarf in der Kühltasche. Ist die Bestellung aus dem Innenstadtbereich eingegangen, erfolgt die Lieferung so oft wie möglich mit einem unserer Cargo-Bikes.
Die Cargo-Bikes von Amazon für die Zustellung der georderten Produkte.
(Quelle: Laura Melchior)
Wir haben festgestellt, dass wir mit diesen vor allem in einem Radius von fünf Kilometern immer schneller sind, als mit dem Auto. Zudem gibt es keine Probleme mit der Parkplatzsuche und der Fahrer kann das Fahrrad direkt vor der Haustür abstellen und so die Lieferung noch schneller zum Kunden bringen. Die Transportbehälter der Cargo Bikes umfassen 200 Liter. Damit können die Fahrer in etwa vier bis fünf Tüten auf einmal transportieren.
In welchem Umfang haben Sie Lebensmittel auf Lager? Ich habe festgestellt, dass sich meine Einkaufsliste, die ich morgens erstellt habe, bis zur eigentlichen Absendung der Bestellung geändert hat und manche Produkte nicht mehr verfügbar waren.
Rühl: Was das betrifft, experimentieren wir derzeit noch. Denn wir wollen in jedem Fall dem User Frische garantieren können und zeitgleich keine Lebensmittel unnötig entsorgen müssen. Deshalb kann es aktuell noch vorkommen, dass sie morgens Tomaten in ihren Warenkorb legen und wenn sie mittags die Bestellung abschicken wollen, Tomaten ausverkauft sind.
Ist die Einführung von Amazon Prime Now in Berlin und München eine Testphase für die Einführung von Amazon Fresh in Deutschland?
Rühl: Da es sich dabei um ein anderes Konzept handelt, würde ich sagen nein. Außerdem gibt es in den Städten, in denen Amazon Fresh verfügbar ist, parallel auch Amazon Prime Now. Der Service von Amazon Fresh fokussiert sich eher auf den Wocheneinkauf. Amazon Prime Now will einen schnellen Bedarf bedienen und legt dabei auch keinen Schwerpunkt auf den Lebensmittelhandel.




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