Social Media ist ein Kulturwandel
16.12.2009 10:49 Tanja Gabler
Um als Unternehmen im Internet erfolgreich zu agieren, braucht es mehr als gutes Onlinemarketing, denn durch Social Media hat die Beziehung zwischen Marken und ihren Kunden grundlegend verändert. internetworld.de sprach mit Martin Meyer-Gossner, dem Gründer von TheStrategyWeb.
Sie bezeichnen sich als Social Median. Was machen Sie da so?
Martin Meyer-Gossner: Ein Social Median partizipiert, lebt und atmet die Social-Media-Welt, liest Blogs, verfolgt die Trends und kennt die Tools. Er ist jedoch noch kein Experte, denn die wird es erst in ein paar Jahren geben können.
In Ihrem Blog TheStrategyWeb beschäftigen Sie sich mit Webstrategie. Was verstehen Sie darunter?
Meyer-Gossner: Webstrategie umfaßt die Vernetzung der Aktivitäten aus IT, Marketing, Sales, Kundendienst, PR und Produktentwicklung und kann sowohl als Teamarbeit als auch als Verantwortung sowie Projekt eines Einzelnen konzipiert werden. Webstrategie ist kein Internetmarketing, sondern eine Businessstrategie - und wer das eine nicht verstanden hat, wird das andere nicht richtig machen.
Wie viele Firmen haben eine Webstrategie?
Meyer-Gossner: Die wenigsten Unternehmen nehmen sich bisher des Themas an. Höchstens in ein paar von den sehr großen Unternehmen gibt es eine nachhaltige Webstrategie. Strategie ist schließlich kein Projekt, das in einem halben Jahr abgehandelt wird, sondern ein dynamischer Prozeß. Firmen wie Adidas, Ikea, Dell oder Starbucks, die technisch und personell in diese Bereiche investiert haben, sind heute sehr erfolgreich.
Welche Webstrategie verfolgen Sie für sich selbst?
Meyer-Gossner: Mein Ziel war es, eine Marke aus dem Social Web heraus entstehen zu lassen. Ich wollte sehen, ob ein Einzelner aus einem Blog heraus, eine Social Web Brand kreieren kann. Ohne große Kosten, nur mit modernen Web-Tools, Techniken und intelligenter Nutzung von Plattformen.
Wie hat sich das Verhalten von Unternehmen im Netz verändert?
Meyer-Gossner: Früher haben Firmen die User mit einem Banner einmalig auf ihre Seite gelockt und dann versucht, sie dort per Mail-Abonnement zu halten. Heute haben einige Unternehmen Fanseiten bei Facebook, Twitter-Timelines und Blogs, die die User immer wieder besuchen, weil sie dort Gleichgesinnte und ihre Themen finden. Die Engagement Economy läßt sich auf langfristige Kundenkommunikation ein. Der Kunde wird zum Brand-Vangelist, er bekennt sich zu Marken.
Für die meisten Unternehmen ist das ein großer Schritt.
Meyer-Gossner: Wir erleben einen Kulturwandel: weg von einer Unternehmens-Website hin zu mehreren sozialen Zugangspunkten. Die User einzubinden, die viel über die Produkte wissen und sich für eine Marke begeistern können, ist eine große Herausforderung. Dafür müssen die Unternehmen erst einmal offen für das Thema sein und dann herausfinden, welche Social-Media-Maßnahmen sinnvoll sind. Dazu muß ich wissen, wo, wie und weshalb meine Zielgruppe im Netz unterwegs ist.
Und wer soll Ihrer Meinung nach diesen Kulturwandel im Unternehmen übernehmen?
Meyer-Gossner: Am besten ist es, wenn man in der eigenen Company die Leute findet, die sich für Social Media begeistern und andere an das Thema heranführen. Ansonsten sollte man externe Leuten interimsmäßig in die Unternehmen holen, ihnen Vertrauen schenken und sie den Prozeß des Kulturwandels begleiten lassen.