Die nächsten Trends im E-Commerce
Das Eigenheim aus dem Drucker
14.09.2011 10:01 Daniela Zimmer live vom Shop.org Annual Summit
Ray Kurzweil erzählt von der Stradivari aus dem Drucker
Welche technologischen Entwicklungen werden das Konsumentenverhalten in den kommende Jahren besonders stark verändern? Dieser Frage ging Ray Kurzweil, einer der bekanntesten US-Visionäre in Sachen Künstliche Intelligenz, auf der US-Kongressmesse "Shop.or Annual Summit" nach.
Vor zehn Jahren nutzte noch kaum jemand Suchmaschinen. Heute ist ein Leben ohne Google kaum noch vorstellbar. Vor fünf Jahren waren Social Networks und Wikis niemandem ein Begriff. Heute kauft kaum jemand mehr einen Fernseher, ohne vorher noch die Ratschläge anderer über digitale Kanäle einzuholen? Was ist der nächste Big Bang im E-Business?
Der Zukunftsforscher Ray Kurzweil, der auch die amerikanische Regierung oder die NASA berät, hat darauf eine Antwort: Seiner Meinung nach wird die digitale Auslieferung von Produkten in Zukunft stark zunehmen und noch weitere Produktkategorien betreffen. "In Zukunft wird es möglich sein, online eine Geige zu bestellen und sie als E-Mail-Attachement geliefert zu bekommen", sagt der Zukunftsforscher. Erste Tests dazu fanden bereit statt - mit Erfolg: "Die Stradivari klang wunderbar", so Kurzweil.
Technische Grundlage dafür sind 3D-Printer. "Die Kosten dafür sinken kontinuierlich", weiß Kurzweil. "In 20 Jahren werden sie Standard sein, dann können Sie Ihr neues Haus downloaden. Und schon heute lassen sich 70 Prozent der Bauteile, die sie für einen 3D-Drucker brauchen, mit einem 3D-Drucker ausdrucken."
In seiner langjährigen Karriere machte Kurzweil die Erfahrung, dass sich der technologische Fortschritt präziser voraussagen lässt, als man gemeinhin denkt: "Technologische Entwicklungen folgen einem exponentiellen Wachstum. Sie starten sehr langsam, aber ab einem gewissen Stadium gewinnen sie rasant an Geschwindigkeit. Doch viele begehen den Fehler, linear zu denken", sagt er. Als Beispiel dafür nennt der Zukunftsforscher das World Wide Web. "Als ich 1990 voraussagte, dass digitale Netze Millionen von Menschen aus aller Welt miteinander verknüpfen werden, lachten mich die Kritiker aus und verwiesen auf das amerikanische Militär, das schon mit der Verknüpfung von einigen Tausend Nutzern zu kämpfen hatte. Sie dachten linear, nicht exponentiell. Aber Technologie ist wie Tontaubenschießen. Sie müssen immer ein bisschen höher zielen, sonst treffen Sie nicht."
Doch sei es für das Erstellen eines Businessplans erfolgsentscheidend, die exponentielle Entwicklung der zugrunde liegenden Technologie zu berücksichtigen. "Wer einen Drei-Jahres-Plan macht, muss wissen, dass unsere Welt in drei Jahren ganz anders aussehen kann. Auch einen Großteil der Jobs, in denen wir heute arbeiten, hat es vor 20 Jahren noch nicht gegeben, denken Sie an Webdesigner", so Kurzweil. Wichtiges Kriterium für den Erfolg einer neuen Technologie sei der richtige Zeitpunkt: "Was Larry Page und Sergey Brin von anderen Teams unterscheidet, die versuchten, eine Suchmaschine zu entwickeln, ist, dass sie die richtige Idee zur richtigen Zeit hatten", ist der Visionär überzeugt.
Als weitere zukunftsweisende Technologie der Zukunft sieht Kurzweil Augmented Reality. Die Verknüpfung von realer und virtueller Welt berge für den Online-Handel viel Potenzial. Die Entwicklung, so wissen Annual-Summit-Besucher jetzt, wird exponentiell verlaufen.