Google-Juristin Julia Holtz zu den Kartellamtsbeschwerden
Google-Juristin Julia Holtz zu den Kartellamtsbeschwerden
"Wir greifen nicht ein"
24.08.2010 10:14 Tanja Gabler
Zeigt sich zuversichtlich: Julia Holtz
Bevorzugt Google eigene Dienste in den Suchtreffern? Derzeit beschäftigt sich das Kartellamt mit dem Fall. internetworld.de sprach mit Julia Holtz, Googles Leiterin für Wettbewerbsrecht in Europa, über die Präsentation von Suchergebnissen, die Preise bei AdWords und den Neid auf den Internetkonzern.
Google wird vorgeworfen, in der algorithmischen Suche zu Lasten anderer Webunternehmen eigene Services wie den Kartendienst Maps ganz oben in den Suchergebnissen zu positionieren. Was sagen Sie dazu?
Julia Holtz: Wir haben bei Google gar kein Interesse daran, dem Nutzer etwas aufzuzwingen - das können wir auch gar nicht. Wir wollen Ergebnisse liefern, die relevant sind. Karten zeigen wir an, wenn das die richtige Art und Weise ist, ein Ergebnis zu präsentieren. Sucht jemand nach "blumen hamburg", möchte er vermutlich zu einem Blumenladen in Hamburg. Wenn wir als Suchergebnis eine Karte mit Blumenläden anzeigen, ist das das beste Ergebnis. Dass wir unser eigenes Kartenmaterial benutzen, hat sowohl technische als auch urheberrechtliche Gründe. Das ist keine Bevorzugung unserer eigenen Dienste, sondern ein Suchergebnis in grafischer Darstellung.
Ein weiterer Vorwurf lautet, Google habe bei AdWords die Werbepreise um das bis zu 26-Fache erhöht, ohne dass dies nachvollziehbar gewesen sei.
Holtz: Bei AdWords können sich die Werbetreibenden aussuchen, mit welchen Begriffen sie werben möchten und wie viel sie für den Klick auf ihre Textanzeige zu zahlen bereit sind. Der Klickpreis wird dann bei jeder einzelnen Suchanfrage durch ein Auktionsverfahren bestimmt, an dem alle Werbetreibenden teilnehmen, die auf diesen Begriff bieten. Der Preis für den einzelnen Werbenden errechnet sich dabei aus Qualitätsfaktor und Maximalgebot. Geht die Klickrate nach unten, zum Beispiel weil andere Anzeigen die User mehr ansprechen, verschlechtert sich der Qualitätsfaktor. In diesem Fall muss der Kunde mehr für einen Begriff bieten, um seine Werbung an gleicher Position zu halten. Preisänderungen liegen also an den Mitbietern und dem Nutzerverhalten. Das liegt außerhalb unserer Kontrolle, wir greifen da nicht ein. Nur in ganz seltene Ausnahmen weichen wir von dieser Regel ab, zum Beispiel bei Missbrauchsfällen.
Sind die Vorwürfe also nur im Neid auf Googles Erfolg begründet?
Holtz: Wir stellen viele Dienste kostenlos zur Verfügung, die andere gegen Gebühr anbieten. Uns ist klar, dass wir damit Einiges auf den Kopf stellen - am Ende profitieren aber vor allem die Nutzer davon. Und das ist stets unser Hauptaugenmerk.
Sind Sie zuversichtlich, dass die Beschwerden bald vom Tisch sind?
Holtz: Wir arbeiten bereits seit Monaten mit dem Kartellamt zusammen. Es wird noch eine Weile dauern, bis wir die oft sehr komplexen Vorgänge erklärt haben. Aber ich bin sehr optimistisch. Das Wettbewerbsrecht kann nicht generell verhindern, dass für den Endnutzer Gratisangebote verfügbar sind.
Wie sieht ihre Zusammenarbeit mit dem Bundeskartellamt aus?
Holtz: Noch ist das Verfahren inoffiziell, das heißt, wir nehmen zu den Beschwerden Stellung, und das Kartellamt entscheidet anschließend, ob es mehr Ressourcen für diesen Fall einsetzt.
SEMworld am 25.08.2010
Sorry Frau Holtz dem ist nicht so...
Kann mich an Megaseo unten 100% anschließen!
Meine AdWords Kunden toben genauso!
Aber haben alle Angst gegen den Giganten anzugehen. Daher großen Respekt an die Kläger. Gott sei Dank gibt es bei uns noch Wettbewerbsgesetze, ich hoffe nur das dass Kartellamt nicht zu intim mit dem Machthaber kooperiert!
MegaSEO am 25.08.2010
Comedy Aussage von Google
Liebe Frau Holtz,
ich habe verwalte einige AdWords Kunden und bin in der letzten Zeit mehr als erschrocken was bei Ihnen abgeht!
Die Antwort zu dem System welches Sie verteidigen ist doch ganz einfach!;
Bitte melden Sie sich doch mal selbst als Kunde bei AdWords an und versuchen Sie (am besten mit einer Reiseseite) AdWords Werbung zu betreiben. Denn dann werden Sie merken, was bei Ihnen so alles nicht mehr sstimmt! Don´t be Evil! und teste selber bevor Sie etwas verteidigen!
Schöne Grüße an Ihre US-Großaktionäre
Das Monopol hat die Fähigkeit nicht zuhören zu müssen, weil man das Sagen hat.
@Horst am 24.08.2010
Unister
Ja, das Phänomen Unister und womit die eigentlich WIRKLICH ihr Geld verdienen, würde mich auch mal interessieren.
Horst am 24.08.2010
Google
Dann kann man ja fragen warum Google Anzeigen für Reisen anzeigt, wenn die Kunden nach Autos suchen.
Wie kann es Sein, dass teilweise die Anzeigen hundertausende mal angezeigt werden aber gar keiner klickt obwohl man auf der ersten Position ist. Warum nennt Google diese Suchanfragen nicht damit die Kunden ausschliessen können das die bei solchen Suchen nicht erscheinen.
Oder warum Klicks doppelt und dreichfach berechnet werden. Warum kostet ein Suchwort bis zu 60 € obwohl gar keiner für dieses Keyword eine Anzeige hat.
Also die Dame hat glaube ich gar keine Ahnung was Google vorgeworfen wird. Wenn Sie das wüsste würde Sie nicht diese Anworten geben. Warum erlaubt Google seinen Suchpartnern dass die gegen die Adsenserichtlinien verstossen.
Was hat Google bis jetzt an die Firma Unister bezahlt dafür dass die denen so viele Klicks besorgt haben?
Horst am 24.08.2010
Google
Nichts ist leichter nachweisbar, dass Google manuel einmischt. Alles macht Google angeblich wegen Nutzer.
Aber beschwerden über die Suchpartner von Google die gegen alle Richtlinien Anzeigen haben werden Ignoriert.
Google soll bit mal erklären wie eine Firma wie Unister der Mio. spammails an die Kunden tag täglich schickt ein Suchpartner werden konnte und wie unister es geschafft hat die Nummer 1 in der Reisebrance zu werden. Binnen Paar jahren. Warum die Anzeigen einschalten ohne Content voller Adsensewerbung. Warum die für 1 Cent Flüge anbieten dann aber nur Google Werbung auf den Seiten haben.
Brodi am 24.08.2010
Interessante Einblicke in die Denkwelt von Google
Was sagte Frau Holtz: "Wir haben bei Google gar kein Interesse daran, dem Nutzer etwas aufzuzwingen - das können wir auch gar nicht."
Macht Google aber, wie gleich selbst eingeräumt wird.
"Sucht jemand nach "blumen hamburg", möchte er vermutlich zu einem Blumenladen in Hamburg. Wenn wir als Suchergebnis eine Karte mit Blumenläden anzeigen, ist das das beste Ergebnis. ... Das ist keine Bevorzugung unserer eigenen Dienste, sondern ein Suchergebnis in grafischer Darstellung."
Da fragt sich doch, warum die europäischen Kartellbehörden es Microsoft bei Androhung höchster Geldstrafen verbieten, in dem eigenen Betriebssystem Windows alleine den hauseigenen Internet Explorer vorzuinstallieren. Microsoft glaubt doch sicher auch, dass der Explorer "das beste Ergebnis" unter den Browsern ist. Gleichwohl muss MS acht verschiedene Browser anbieten und darf den eigenen nicht präferieren.
Google ist bisher von den Kartellbehörden nicht als ein Player im Markt wahrgenommen worden. Also wurde deren Marktmacht auch noch nie kontrolliert. Jetzt regt sich erster, zaghafter Widerstand, und auch die Kartellbehörden müssen erst einmal lernen, mit einem Don't-be-evil-Unternehmen umzugehen. Bei MS ist das Feindbild ja klar, bei Google nicht einmal diffus, das waren ja immer die Guten. Es könnte sich jetzt was ändern, und StreetView war da nur der Auslöser einer Debatte, nicht der Grund für die langsam keimende Aufmerksamkeit von Politik und Verwaltung gegenüber Google.
Stefan am 24.08.2010
Google greift nicht ein?
Ich glaube jeder der mit SEO und Affiliate arbeitet hat bemerkt, wie google systematisch Webseiten die Affiliate Werbung schalten weiter nach hinten gerankt werden oder gar aus dem Index fliegen, weil sie nicht nicht google Adsense auf der Seite haben, sondern andere Affiliate Programme.
Natürlich ist das wettbewerbswiedrig.
Sammy am 24.08.2010
Googles Hauptaugenmerk liegt auf Reichweite und nicht mehr beim User
Ich glaube mittlerweile nicht mehr an die Mär, dass Google alles für den User tut. Die meisten kostenlosen Services dienen m.E. zur Kundenbindung auf den eigenen Seiten. Am Ende wird der User in einen nicht enden wollenden Loop von tollen Google-Angeboten geschickt, aus dem er sich dann nur noch per Klick auf Adsense erlösen kann. Google nutzt hier einfach seine schiere Marktmacht und Reichweite aus, um nach und nach möglichst allen Usern seine Produkte aufs Auge zu drücken - zu lasten ganzer Dienstleistungsunternehmen. Es wird allerhöhste Zeit, dass das Kartellamt und die EU Kommission Googles Krakenarme für fairen Wettbewerb beschneiden.
Wenn man so was lesen muss wie: "Wir arbeiten bereits seit Monaten mit dem Kartellamt zusammen." kann einem dabei allerdings nur schlecht werden..