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Jede Sekunde zählt

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30.04.2012

WEB PERFORMANCE

Jede Sekunde zählt

Wer Nutzer zu lange auf seine Website warten lässt, verärgert sie und schadet seinem Image – zudem gehen Kunden und Umsatz verloren. Dabei sind erste Schritte zur Verbesserung nicht aufwendig

 

Schneckentempo vermeiden: Für den Turbo reichen oft einfache Mittel

Jeder kennt das Problem: Eine Website, die sehr langsam oder am Ende vielleicht gar nicht lädt, sorgt für Unmut beim Nutzer. Potenzielle Kunden werden vergrault und dem Wettbewerber in die Arme getrieben, das eigene Image leidet, Umsatz geht verloren. Umgekehrt verhilft eine gute Performance einer Website zu mehr Kunden, einer besser Konversionsrate und folglich zu mehr Umsatz. „Seit einiger Zeit gehen Ladezeiten auch in die Ranking-Algorithmen von Suchmaschinen wie Google ein, sodass Performance-Verbesserungen auch zu besseren Platzierungen in Suchmaschinen führen können“, führt Jan Eickmann, Leiter der Beratung bei der Kölner Agentur Kernpunkt, einen weiteren Vorteil ins Feld.

Doch was macht eine gute Performance aus? An erster Stelle steht zunächst ganz banal die Erreichbarkeit der Seite, und zwar aus Sicht des Nutzers. Das bedeutet, dass es weniger darum geht, innerhalb des eigenen Systems zu überprüfen, ob die Seite verfügbar ist, sondern vielmehr von außerhalb der Firewall zu checken, ob der Auftritt tatsächlich jederzeit für die Websurfer erreichbar ist. „Nichts ist peinlicher als die E-Mail eines Kunden, der mitteilt, dass die Webseite offline ist. Ich muss immer zuerst wissen, wenn es klemmt“, betont Dirk Paessler, Vorstand der Paessler AG, einem Network-Monitoring-Anbieter. An zweiter Stelle folgt die Ladezeit. Generell gilt: Eine Seite mit guter Performance sollte binnen zwei, drei Sekunden geladen sein, ansonsten wird der Nutzer ungeduldig, bricht den Ladevorgang ab, sucht sich eine andere Site und kommt vermutlich auch nicht wieder.

Bevor sich ein Website-Betreiber oder Online-Händler nun an die Verbesserung der Performance macht, sollte er den Ist- Zustand des Angebots erfassen. „Ohne zu verstehen, welche Seiten langsam sind und wo die Probleme liegen, ist es nicht möglich, diese zu optimieren“, so Kai Ahrendt, der beim Performance-Spezialisten Keynote Systems als Manager für die DACH-Region, die Benelux-Staaten sowie Osteuropa verantwortlich ist.

Laut Eickmann gehört dazu auch, sinnvolle, nutzerorientierte Kenngrößen auszuwählen, damit eine ganzheitliche Analyse erfolgen kann. Messbar sind etwa die Dauer der Auslieferung der Seite zum Browser, die Dauer, bis die Seite vollständig dargestellt wird, oder auch die Dauer, bis der Site-Besucher die Hauptinhalte nutzen kann, auch wenn weitere Elemente und Funktionen noch geladen werden. Für Eickmann ist entscheidend, eine Kenngröße zu wählen, deren Verbesserung für den Nutzer einen spürbaren Mehrwert bietet.

Die Messung sollte stets nicht nur intern, sondern auch extern erfolgen, rät Ralf Nahnsen, Verkaufsleiter DACH bei dem Performance-Spezialisten Uptrends. Denn oft seien es Elemente von Drittanbietern, die eine Site verlangsamen würden, und ohne eine Messung von außen werde dies nicht erfasst. Außerdem reicht es nicht aus, nur die Durchschnittswerte zu betrachten, auch die Ausreißer nach oben müssen berücksichtigt werden: „Eine durchschnittliche Ladezeit von ein bis zwei Sekunden mag ja akzeptabel sein, wenn darunter aber auch zehn Prozent Besucher mit einer Ladezeit jenseits der 10-Sekunden-Marke liegen, dürften diese trotzdem verloren sein“, argumentiert Eickmann.

Ursachen analysieren

In einem weiteren Schritt gilt es zu analysieren, welche Ursachen die langen Ladezeiten haben. Die Gründe können beispielsweise in einer mangelnden Serverkapazität oder einer schlechten Anbindung liegen, in der Art der Seitengenerierung oder des Seitenaufbaus oder auch in Schnittstellen oder dem Rendering. Site-und Shop-Betreibern sowie Entwicklern steht mittlerweile eine größere Anzahl an Tools zur Verfügung, mit denen sich die Geschwindigkeit, mit der einzelne Teile eines Web-Auftritts laden, genau messen lässt. Die bekanntesten sind wohl Page Speed von Google und YSlow von Yahoo. Dazu kommen weitere kostenlose Helfer wie der Full-Page-Test von Pingdom und Tools wie Webpagetest.org, GTmetrix oder Dynatrace. Daneben gibt es kostenpflichtige Lösungen, etwa von Keynote Systems, Gomez, Uptrends oder Neustar. Diese Tools messen in der Regel von etlichen verschiedenen Punkten rund um den Erdball, wie schnell eine Seite lädt, welche Elemente wie lange brauchen, wie viele Einzelabfragen, sogenannte HTTP-Requests, für eine Seite nötig sind, ob Script- und Stylesheet-Dateien komprimiert wurden, wie die Ladereihenfolge festgelegt ist und ob die Bildgröße akzeptabel ist. Auf diese Weise vermitteln sie ein recht genaues Bild, warum eine Seite langsam ist. Zudem schlagen sie Maßnahmen zur Verbesserung der Werte vor. Die kostenpflichtigen Lösungen überwachen darüber hinaus die Erreichbarkeit des Auftritts und benachrichtigen den Site-Betreiber bei Problemen schnell per E-Mail, SMS oder RSS.

Zu den Faktoren, die einen Web-Auftritt ausbremsen, gehören die Art, wie die Seite aufgebaut wird, und auch die Anzahl der einzelnen Elemente, die für den Aufbau der kompletten Webseite geladen werden müssen. Kai Ahrendt von Keynote Systems empfiehlt, diese Anzahl bei unter 50 zu halten und auch die Anzahl externer Java-Script- und CSS-Dateien zu beschränken. Das sorgt gleichzeitig dafür, dass die Seite nicht zu komplex wird.

Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Bilder: Hier kommt es vor allem auf die Größe und die Art der Skalierung an. Laut Ahrendt sollten Bilder gegebenenfalls – wie andere Dateien auch – komprimiert werden. Das sieht auch Thomas Fock so, Managing Director Central Europe bei Hybris, einem Anbieter von E-Commerce-Software. Auch er nennt die Datenkomprimierung und den effizienten Umgang mit Java Scripts, CSS-Stylesheets und Bildern als wichtige Bausteine bei der Optimierung. Hybris stellt seinen Kunden die Web-Monitoring-Lösung Dynatrace zur Überwachung und Verbesserung der Performance zur Verfügung. Daneben spielen auch die Server Performance und die verfügbare Bandbreite eine Rolle.

Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Elemente und Services, die Drittanbieter liefern. Dazu gehören beispielsweise Analytics-Skripte, Zählpixel und Werbebanner. „Es ist immer kritisch, wenn Elemente, die von außen auf die Website kommen, nicht funktionieren – ganz egal, ob es Banner, Videos oder Tracking Tags sind. So etwas bremst eine Seite aus“, erklärt Timo Heinrich, Projektmanager mit dem Schwerpunkt Web-Performance-Optimierung bei der Agentur Service & Media Online-Werbung in Bad Schwartau. Deswegen hält er es auch für sinnvoll zu erfassen, wie lange die jeweiligen Ad Server zur Auslieferung der Werbemittel brauchen, und wenn nötig, Druck auf den Anbieter auszuüben oder auch zu wechseln. Zudem sei es hilfreich, die Reihenfolge im Gesamtaufbau der Seite so festzulegen, dass langsame Elemente eben erst nachgeladen werden, wenn die Hauptinhalte bereits dargestellt und nutzbar sind.

Um die Performance der Website nun zu steigern, rät Heinrich zunächst die Verbesserungshinweise, die Tools wie etwa Google Page Speed geben, konsequent der Reihe nach abzuarbeiten. „Diese Hinweise von Google zur Optimierung sind sehr detailliert und hilfreich. Allerdings müssen die meisten von einem Administrator oder Programmierer ausgeführt werden, weil viele Änderungen direkt im Quelltext der Site oder am Server vorzunehmen sind“, so Heinrich. Währenddessen sollte die Seite von Zeit zu Zeit mithilfe der Tools überprüft werden, um Veränderungen bei der Geschwindigkeit nachweisen zu können. Ansatzpunkt für die Optimierung sollte immer der Bereich sein, der den Löwenanteil bei den Verzögerungen verursacht.

Ahrendt nennt ein Beispiel: Wenn eine Site zehn Prozent ihrer Ladezeit für das Backend benötigt, 80 Prozent für den Abruf der einzelnen Seitenelemente und zehn Prozent für die Browser-Verarbeitung, dann ist klar, dass der Seitenaufbau zunächst im Fokus stehen sollte. Auch er empfiehlt, zunächst auf bewährte Vorgehensweisen zurückzugreifen: „Im ersten Schritt sollte dort optimiert werden, wo keine neue Hardware, Anbieter oder Tools erforderlich sind“, betont er.

Kleiner Aufwand, große Wirkung

Auch Dirk Paessler ist sich sicher, dass der Aufwand für die ersten Schritte überschaubar ist: „Beim Aufbau der Seite kann man mit minimalen Kosten und geschicktem Umbauen an der Site ganz besonders starke Wirkung bei der Ladezeit erreichen.“ Und er mahnt: „Erst wenn man den Seitenaufbau nach den YSlow- und Page- Speed-Regeln weitgehend im Griff hat, macht es Sinn, über andere Maßnahmen nachzudenken.“ Selbst wenn man hier auf gebührenpflichtige Tools setzt, sind die Kosten kalkulierbar: Bei Uptrends beispielsweise beginnt das Monitoring bei 16,95 Euro im Monat, eine Ganzseitenüberwachung ist in der Enterprise-Edition ab 33 Euro zu haben. Auch wenn sich die Ausgaben letztlich auf mehrere Hundert Euro belaufen, bleibt für jeden Site- und Shop-Betreiber die Frage, was ihn eine Nichterreichbarkeit oder schleppende Ladezeit des Auftritts oder des Shops kostet.

Zu solchen etwas aufwendigeren Schritten gehört eine Auslagerung von Daten an sogenannte Content Delivery Networks. Dabei werden die nötigen Daten in der Cloud an verschiedenen Orten abgelegt, sodass bei einem Abruf schneller auf sie zugegriffen werden kann. Das ist insbesondere bei Websites mit umfangreichen Datenmengen wie etwa größeren Shop-Systemen und bei Sites mit vielen internationalen Zugriffen sinnvoll. Da die Inhalte auch auf Servern in anderen Kontinenten abgelegt werden, lassen sich die Ladezeiten aus den dortigen Ländern auf diese Weise erheblich verringern.

Die Implementierung ist jedoch mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und verursacht auch höhere Kosten. Dennoch: Nach Einschätzung Paesslers lohnen sich solche Maßnahmen allemal: „Wir geben pro Monat nur etwa 1.800 Euro aus, um einer gut sechsstelligen Zahl an Visitors auf der ganzen Welt eine schnelle Website zu bieten und unseren Shop zuverlässig am Netz halten zu können. Die Kosten für die Verbesserung der Website Performance sind eigentlich Nebensache.“

Jan Eickmann rät zudem, zuerst in kleinerem Rahmen zu testen, ob bestimmte Maßnahmen wirklich den erhofften Performance-Gewinn bringen, bevor sie vollständig ausgerollt werden. Denn – und darin sind sich allein einig – die Verbesserung der Performance ist ein fortlaufender, sich wiederholender Prozess. Meist sind mehrere Iterationen nötig, bis die gewünschte Performance erreicht ist. „Es ist ein permanenter Prozess: Nur wer ständig seine Seiten aus Sicht seiner Kunden beobachtet, ist in der Lage, Veränderungen und Probleme zeitnah zu erkennen, diese zu analysieren und rechtzeitig darauf zu reagieren“, resümiert Ralf Nahnsen von Uptrends. Dirk Paessler betont: „Der Hauptaufwand liegt beim ‚Doing‘. Es ist eine Fleißarbeit, die niemals endet. Dranbleiben heißt die Devise!“ cf


Weitere Bilder


Performance-Kriterien

1. Verfügbarkeit/Erreichbarkeit des Auftritts

2. Ladezeit der Webseite

3. Download-Zeit der gesamten Seite

4. Analyse von Fehlermeldungen

5. Datenbank-Performance

6. Weltweite Webseiten-Performance

7. Freier Festplattenplatz der Webserver

8. CPU-Auslastung der Webserver

9. Anzahl der Webseitenzugriffe

10. Test der möglichen Maximallast


Auswahl einiger kostenloser Tools und ihrer Anbieter

❚ PageSpeed (Google)

❚ YSlow (Yahoo)

❚ Full Page Test (Pingdom)

❚ GTmetrix (Gossamer Threads)

❚ Webpagetest.org (WebPagetest LLC)

❚ Blaze FEO (Blaze)

❚ Loads.in (Watchmouse)

❚ Browser Mob (Neustar)

❚ Dyna Trace (Dyna Trace)



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