Moderne Datenbrillen erobern die Industrie

AR-Brillen von Chipsip, Epson, Google und Microsoft

Für viele Unternehmen sind in erster Linie AR-Brillen inte­ressant. Diese blenden je nach Ausführung nur Zahlen und einfache Symbole oder aufwendiger gestaltete Informationen in das Blickfeld des Anwenders ein, erweitern also die reale Welt um kontextbezogene, computergenerierte Daten.
Microsoft HoloLens in der Praxis: Die Datenbrille unterstützt aktuell zum Beispiel die Fahrzeugproduktion bei Volvo.
Quelle: Microsoft
Manche dieser Datenbrillen sind monokular aufgebaut, andere binokular. Das heißt, sie blenden ihre Informationen entweder nur für ein oder für beide Augen ein. Komplexere Visualisierungen und dreidimensionale holografische Abbildungen erfordern binokulare Ausführungen. Viele Datenbrillen sind unempfindlich gegen Staub und vor Spritzwasser geschützt, sodass sie sich auch für den Einsatz in rauen Indus­trieumgebungen eignen.
Chipsip SiME: Die SiME des taiwanesischen Herstellers Chipsip ist bereits seit mehreren Jahren auf dem Markt. Im Vergleich zu anderen AR-Brillen ist sie preisgünstig. Allerdings ist der niedrige Preis nach Ansicht von Testern einer der wenigen Vorteile dieser Datenbrille. Sie sei relativ klobig und sitze nicht besonders bequem. Das Display lässt sich zudem nicht anpassen. Das kann bedeuten, dass sich ein Teil der Display-Anzeige außerhalb des wahrnehmbaren Bereichs befindet.
Epson Moverio BT-300, BT-350 und BT-2200: Der Druckerhersteller Epson ist ebenfalls schon länger in der Entwicklung von AR-Brillen aktiv. Aktuell sind die Modelle Moverio BT-300, BT-350 und BT-2200. Bei der BT-300 hat sich das Unternehmen laut Kazuya Kamakura, Senior Staff, HMD Business Management Department, Visual Products Operations Division, das Ziel gesetzt, "den Tragekomfort zu verbessern und sie kompakter und leichter zu gestalten". Mit der Datenbrille BT-300 ist es zum Beispiel möglich, direkt auf Online-Videos oder mit Hilfe einer speziellen App auf die Luftaufnahmen einer fliegenden Drohne zuzugreifen.
Möglich ist das auch mit der BT-350. Dieses Modell hat Epson für gewerbliche Anwendungen optimiert, etwa für Museen, die Besuchergruppen mit Datenbrillen gleichen Inhalts ausstatten möchten. Optional ist dafür das Quint Controller Dock erhältlich, das bis zu fünf BT-350-Brillen gleichzeitig konfigurieren und aufladen kann. Vier dieser Docks lassen sich miteinander verbinden, sodass Unternehmen bis zu 20 BT-350-Brillen gleichzeitig verwalten können.
Marktanteile im Vergleich: HTC ist bei Datenbrillen derzeit mit deutlichem Abstand weltweit Marktführer.
Quelle: IDC, 1. Quartal 2018
Sowohl die BT-300 als auch die BT-350 lassen sich dank flexibler Bügel an unterschiedliche Kopfformen anpassen. Auch das Tragen über einer normalen Brille ist Epson zufolge möglich. Ein neues Nasen-Pad sorge dabei für den sicheren Sitz der Datenbrille. Für den Einsatz in hellen Außenbereichen lässt sie sich zudem mit einem Sonnenbrillen-Aufsatz ver­sehen.
Die große Variante dieser AR-Brillen ist die Moverio BT-2200. Sie ist für den Einsatz in industriellen Bereichen ausgelegt, kann an einem Schutzhelm angebracht werden und ist nach der Schutzklasse IP54 zertifiziert und somit vor Staub und Sprühwasser geschützt. Die BT-2200 lässt sich über Sprachanweisungen sowie Kopfbewegungen und Gesten steuern. Die integrierte Kamera kann um bis zu 35 Grad geschwenkt werden. Damit aufgenommene Videos lassen sich live streamen und mit weiter entfernten Kollegen teilen. Daneben ist die BT-2200 mit einem GPS- sowie einem Inertial-Sensor ausgestattet. Die von diesem erfassten Daten sollen in Kombination mit WLAN-Informationen und in den Anlagen platzierten Beacons auch in Innenräumen präzise Posi­tionsdaten liefern.
Google Glass Enterprise Edition: Die Google Glass Enterprise Edition hat wie eingangs erwähnt nicht mehr viel mit dem Vorgänger gemein. Sie wird inzwischen bei mehreren Herstellern im produktiven Einsatz verwendet. Als Beispiele nennt Google unter anderem General Electric, Volkswagen und Boeing. Die Batterielaufzeit der Datenbrille beträgt laut Google nun mehr als acht Stunden. Im harten Unternehmens­einsatz dürften die Akkus allerdings nur selten so lange durchhalten.
Gesteuert werden kann die Google-Brille mit diversen Sprachbefehlen. Das Drücken von Knöpfen ist dabei nicht notwendig. Neben dem Display überträgt die AR-Brille auch Informationen über die fest integrierten In-Ear-Kopfhörer.
Microsoft HoloLens: Für besonders viel Furore hat die HoloLens von Microsoft gesorgt. Die futuristisch gestaltete Mixed-Reality-Brille (MR) ist eine Kombination aus AR- und VR-Brille, da sie holografische Modelle in die Umgebung des Nutzers einblenden kann.
Neben Microsoft selbst bietet in Deutschland mittlerweile auch Bechtle die Microsoft-Datenbrille an. Dazu hat das IT-Systemhaus den Dienst Mixed Reality as a Service (MRaaS) entwickelt. Interessierte Unternehmen können die HoloLens damit auch mieten oder leasen, statt sie gleich zu kaufen. Bei Preisen von mehr als 5.000 Euro pro Stück ist das eine durchaus attraktive Option.

Die HoloLens von Microsoft gibt es seit 2016 auch in Deutschland. Wir waren mit dabei, als die AR-Brille beim HoloLens Experience Day in München getestet wurde.

Die HoloLens ist mit einem vollwertigen Computer aus­gestattet. Zum Betrieb muss die Windows-10-Datenbrille deshalb auch nicht mit einem Rechner verbunden werden. Steuern lässt Microsofts HoloLens sich unter anderem über diverse Gesten.
Die HoloLens ist in zwei Varianten erhältlich: zum Preis von 3.300 Euro gibt es eine Entwicklerversion ohne Enterprise-Funktionen. Die Commercial-Version kann zusätzlich in ein MDM-System (Mobile Device Management) und in Azure Active Directory integriert werden. Über einen sogenannten Kiosk-Modus kann der Administrator die eingesetzten HoloLens-Brillen so einstellen, dass auf ihnen nur festgelegte Anwendungen ausgeführt werden dürfen.



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