Fachkräftemangel: Software-Entwickler dringend gesucht

FH statt Hochschule

Gemäß der Studie "ICT-Fachkräftesituation Bedarfsprognose 2026" des Berufsverbands ICT-Berufsbildung Schweiz hat praktisch jeder zweite Beschäftigte in der ITK-Branche einen Hochschulabschluss. Schließlich erwarten insbesondere in der Applikationsentwicklung viele Unternehmen höhere Abschlüsse - weshalb einige Firmen ihre Auszubildenden nach der Lehre an Fachhochschulen oder in die höhere Berufsbildung schicken, wo sich die Berufsanfänger ergänzendes Rüstzeug aneignen.
Das wirft die Frage auf, inwieweit es sich dann grundsätzlich lohnt, eine Lehre zu absolvieren, anstatt direkt an die Hochschule zu gehen. Serge Frech, Geschäftsführer beim Verband ICT-Berufsbildung Schweiz, bestätigt, dass die Mehrheit der Hochschulabsolventen den ursprünglichen Weg der Berufsausbildung mit anschließender Prüfung zur Hochschulreife respektive via höhere Berufsbildung an die Hochschule gewählt hat. Gerade deshalb lohne sich die Lehre zum Applikationsentwickler. "Der wohl größte Trumpf der Auszubildenden ist, dass sie sehr früh in die Praxis, also in die echte Arbeitswelt integriert werden und nach Abschluss ihrer Lehre voll arbeitsfähig und höchst gesuchte Fachkräfte sind." In Kombination mit einem Abschluss in der höheren Berufsbildung stehe dieser Entwicklungsweg dem der Hochschule in keinster Weise nach. Es sei sogar das Gegenteil der Fall: "Die Arbeitsmarktbefähigung ist höher und wird bedeutend schneller erreicht. Das Lohnniveau ist ebenfalls sehr attraktiv", unterstreicht der Verbandsgeschäfts­führer.

Das beste beider Welten

Die Fachhochschulen bilden eine wichtige Säule zwischen der praktisch orientierten Berufsbildung und den akademisch ausgerichteten (technischen) Hochschulen. Gut drei Viertel der Studierenden verfügten über eine Berufslehre mit Fachhochschulreife, sagt René Hüsler, Direktor des Departements Informatik der Hochschule Luzern.
Studierende mit einer gymnasialen Hochschulreife müssen vor dem Studium ein einjähriges Praktikum in der Informatik absolvieren, bei ausländischen Studierenden wird deren Vorbildung individuell beurteilt.
"Die Fachhochschulen bilden den direkten Anschluss an die Lehre und bieten so die Möglichkeit, die darin erworbenen Kompetenzen weiter auszubauen und zu vertiefen", konstatiert René Hüsler. Die Fachhochschulen spielen damit neben den spezialisierten Ausbildungen im Bereich Software-Entwicklung eine wichtige Rolle.
Ein Großteil der Fachhochschulabsolventen ist nach dem Studium in der Software-Entwicklung tätig. Grundsätzlich seien alle Informatikerinnen und Informatiker aller Ausbildungsstufen sehr gefragt. Aufgrund der vorangegangenen Berufsausbildung beziehungsweise des obli­gatorischen Praxisjahrs für Abiturienten verfügten die FH-Abgänger allerdings bereits über Berufs- oder Praxiserfahrung, die sie im Rahmen des Studiums neben der theoretischen Vertiefung weiter ausgebaut haben, führt Hüsler aus.



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