Top-Level-Domains 24.03.2015, 07:45 Uhr

Geschäft mit neuen TLD: Deutschland eher untätig

Im Geschäft mit den neuen Top-Level-Domains (TLD) sind vor allem große US-Firmen aktiv. Die Zahl der deutschen Bewerber ist überschaubar. Ein Überblick.
Top-Level-Domains weltweit
(Quelle: shutterstock.com/Strejman )
Von Stefan Mey
Wir schreiben das Jahr 2008. Auf ­einem Kongress der Internet-Verwaltung ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) tritt ein Berliner Unternehmer ans Mikrofon. Er beschwert sich, dass das Top-Level-­Domain-Programm (TLD) immer wieder verschoben wird. Seine Ansprache beendet er mit einem eindringlichen Appell: "Bitte helfen Sie uns, die neuen Top-Level-Domains endlich zur Welt zu bringen." Auf diese Weise trieb ein Deutscher, Dirk Krischenowski von Dotberlin, das digitale Mammutprojekt an.
Sieben Jahre später ist wenig davon zu erkennen, dass deutsche Akteure bei den neuen generischen Top-Level-Domains zu den Vorreitern gehören. Von den knapp 2.000 Anträgen auf eine neue Top-Level-Domain, die im Jahr 2012 bei der ICANN eintrafen, stammten ­gerade einmal 3,5 Prozent aus Deutschland. Die meisten kamen von Unternehmen aus den USA, etliche weitere wurden zudem noch über deren Töchter in Steuerparadiesen wie Luxemburg oder den ­Cayman Islands gestellt. Global ist das ­US-Start-up Donuts Spitzenreiter mit rund 300 Bewerbungen. Google hatte 101 Anträge für Top-Level-Domains eingereicht.
Auch bei wichtigen deutschsprachigen Endungen mischen die US-Firmen mit. Sie haben den Handel mit den neuen ­Endungen als Geschäftsfeld entdeckt und besetzt. So gehören zum Imperium von Donuts beispielsweise auch die Top-Level-Domains .reisen und .schule, das amerikanische Unternehmen Rightside Group wiederum betreibt die Endungen .kaufen, .haus und .immobilien. Genau 70 Einreichungen bei der ICANN stammten aus Deutschland. Rechnet man Markenendungen wie .bmw heraus, bleiben etwa 30 Bewerbungen für allgemeine Top-Level-Domains übrig. Beispiele: Der Berliner Taxi-Unternehmer Hermann Waldner, Geschäftsführer des App-Anbieters Taxi.eu, interessiert sich für .taxi.
Der gemeinnützige Berliner Verein Dothiv ­betreibt die gleich lautende Top-Level-Domain .hiv. Hinter der regionalen Endung .ruhr steht der regionale Sutter Verzeichnisverlag in Essen und hinter .koeln und .cologne der Telekommunikationsanbieter ­Netcologne. Der Hamburger Versicherungsmakler Axel Schwiersch hatte sich ursprünglich um die Top-Level-Domains .reise, .versicherung und .immo beworben. Von seinem Portfolio ist heute jedoch nur noch .versicherung übrig geblieben.

Gut vernetzte Top-Level-Domain-Szene

Von besonderer Bedeutung für die deutsche Szene ist ein gut vernetztes Berliner Trio: Dirk Krischenowski, Johannes Lenz-Hawliczek und Katrin Ohlmer betreiben die schon gestarteten Top-Level-Domains .berlin und .hamburg. Über Joint Ventures bewerben sich auch um die Endungen .hotel. Darüber hinaus haben sie über ihre ­gemeinsame Beratungsfirma Dotzon an knapp 25 weiteren Top-Level-Domain-Projekten mitgewirkt.
Um das Firmenkürzel .gmbh konkurrierten ein Joint Venture von Krischenowski, Lenz-Hawliczek, Ohlmer und Internetx ­sowie die Münchner Internetwire Communications und drei US-Interessenten, darunter auch Google und Donuts. ­Gemeinsam mit der United-Internet-Tochter Internetx wollte das Trio die ­Top-Level-Domain .gmbh betreiben. Bei mehreren Interessenten für eine ­Endung gibt es standardmäßig eine offi­zielle ICANN-Auktion - oder alternativ eine Privatauktion, bei der der Betrag ­unter den unterlegenen Bietern aufgeteilt wird.
Google hatte sich beispielsweise ­Ende Februar 2015 die Endung .app in ­einer offiziellen Auktion für den Betrag von 25 Millionen US-Dollar gesichert. Das ist bisher der höchste Betrag, der bei einer Versteigerung für eine Top-Level-Domain gezahlt wurde. Die Domain .gmbh wurde ebenfalls ­gerade an ein noch ungenanntes US-­Unternehmen versteigert. Internetx hatte die Vermarktung der Firmenendung .gmbh als Teil eines kleinen Universums bestehend aus sieben Firmenkürzeln geplant. Der Start erfolgte mit der brasilianischen Top-Level-Domain .ltda - für .llc, .llp und .srl stehen noch Auktionen an.
Die Entscheidung für Unternehmens­endungen war naheliegend, meint Hakan Ali, Internetx-Gründer und Leiter der ­Abteilungen Marketing und Vertrieb. Eine Analyse der 3,8 Millionen von Internetx verwalteten Top-Level-Domains zeige, dass viele Firmen ihre Unternehmensform bereits in der Internet-Adresse mitführen. Ali ist ­zuversichtlich, dass die Firmenkürzel­endungen von den Nutzern angenommen werden. Generell ist er optimistisch: "Der Markt für die neuen Top-Level-Domains ist da.“



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