EU Evangelist für Amazon Alexa 26.01.2019, 11:00 Uhr

Max Amordeluso: "Die Voice-Revolution ist ein globales Phänomen"

Max Amordeluso, EU Evangelist für Amazon Alexa, erklärt, wie es Amazons Sprachcomputer innerhalb weniger Jahre in über 100 Millionen Geräte geschafft hat und warum er Alexa als Kollegin betrachtet.
Max Amordeluso, EU Evangelist für Amazon Alexa
(Quelle: Amazon)
Max Amordeluso ist ein vielgereister Mann. Er sprach auf dem renommierten "Future of AI"-Kongress in ­Israel, auf dem irischen Convers Con, auf der letzten Cebit und auf der ersten "All About Voice"-Konferenz. Denn über Sprachsteuerung im Allgemeinen und über Alexa im Besonderen zu sprechen, das ist sein Job: Seit zweieinhalb Jahren ist der italienische Spezialist für Sprachsteuerung "EU Evangelist" für Amazon Alexa.
"Meine Aufgabe ist es, den Menschen klarzumachen, dass Sprachsteuerung existiert, dass sie funktioniert und dass jeder sie nutzen kann, um sprachgesteuerte ­Interfaces zu bauen", beschreibt er sein Tagwerk.
Im März wird er dieser Aufgabe auf der Trend-Arena der E-Commerce-Messe INTERNET WORLD EXPO nachgehen.
Max, 100 Millionen Geräte mit Alexa an Bord wurden mittlerweile weltweit verkauft: Hat Sie dieser Erfolg selbst überrascht oder entwickelt sich Alexa genau entsprechend Amazons Strategie?
Max Amordeluso:
Seit wir Alexa in den USA im November 2014 gelauncht haben, sind wir sicherlich weit gekommen. Wir sind von dieser Idee ausgegangen, einen Computer vollständig per Stimme zu kontrollieren - jeder, der als Kind "Raumschiff Enterprise" gesehen hat, weiß, was ich ­meine. Wir setzen genau diese Vision um, weil wir völlig davon überzeugt sind, dass die menschliche Stimme das natürlichste Interface der Welt ist. So gesehen, ist der Erfolg also nicht besonders überraschend für uns. Aber selbstverständlich war dieses Wachstum nur möglich, weil wir Alexa für externe Drittentwickler ­geöffnet haben; nur durch ihre Arbeit konnte Alexa so stark skalieren und in so viele verschie­dene Gerätearten einziehen. Aktuell gibt es über 150 unterschiedliche Geräte, in die Alexa integriert ist, und die meisten davon werden nicht von Amazon selbst hergestellt. Zusätzlich haben wir es Entwicklern durch die Bereitstellung eines SDKs (Anm. Software Development Kit) ermöglicht, Alexa für die Entwicklung eigener Skills zu nutzen - in sehr kreativer Art und Weise. Deshalb gibt es heute weltweit über 70.000 Skills, mehrere Tausend wurden allein für den deutschen Markt entwickelt. 
Angesichts dieser großen Zahl von Geräten und Skills: Wie stellen Sie sicher, dass Alexa- Nutzer immer eine gute User Experience mit der Sprachassistentin erleben?
Amordeluso:
Qualitätskontrolle ist sehr wichtig für uns. Wenn ein Entwickler ­einen neuen Skill entwickelt, wird dieser von einem lokalen Zertifizierungsteam geprüft. Dort wird getestet, ob der Skill funktioniert und Alexa-Usern eine gute Nutzererfahrung bietet. Wir überwachen nicht die Inhalte selbst - abgesehen von solchen, die gegen unsere Regeln ver­stoßen -, wir wollen auch nicht die Kreativität unserer Entwickler einschränken, aber wir testen eben, ob der Skill funk­tioniert. 
Was die Funktionalität von Alexa-Skills angeht, würden manche mir bekannte Alexa-Besitzer widersprechen; eine Kollegin von mir beschimpft Alexa jedenfalls regelmäßig, weil etwas nicht so funktioniert, wie es soll. Wann haben Sie Ihre Alexa zuletzt als "dumm" beschimpft?
Amordeluso:
Ich würde sie nie dumm nennen, das wäre abwertendes Verhalten gegenüber einer Kollegin! (lacht) Tatsächlich versteht mich Alexa eigentlich meistens recht gut, und die Unterhaltung mit ihr wird jeden Tag natürlicher. Deshalb fällt es uns leicht zu vergessen, dass Alexa kein Mensch ist. Wir stehen gerade erst am Anfang unserer Reise zu einer vollständig sprachgesteuerten Welt, und es könnte noch Jahre brauchen, bis wir eine echte Unterhaltung mit einem Computer führen können. Und trotzdem wird Alexa schon heute sehr vermenschlicht. Ich mache das selbst, wie Ihnen vielleicht aufgefallen ist - ich benutze ein weibliches Personalpronomen, wenn ich über "sie" spreche. Weil die Unterhaltung mit ihr heute schon recht natürlich klingt, ist die Erwartungshaltung an ihr Sprachverständnis und ihre Reak­tionen extrem hoch. Aber es gibt noch sehr viel Raum für Verbesserung. Deshalb arbeiten über 10.000 Leute bei Amazon exklusiv daran, sie besser zu machen. ­Sogar für Amazon-Verhältnisse ist das ­eine ganze Menge Manpower. 
Die Echo-Lautsprecher waren offensichtlich nur der Anfang für Alexa. Letzte Woche wurden die ersten Echo-Auto-Geräte für die Nutzung von Alexa im Auto verschickt. Welche anderen Gerätetypen könnten noch interessante Alexa-Träger sein?
Amordeluso:
Na ja, ich kann nicht allzu viel darüber verraten, wo Alexas Reise in Zukunft hingehen wird und woran wir ­gerade arbeiten. Aber wenn Sie sich ­unsere jüngsten Veröffentlichungen genau anschauen, verrät Ihnen das einiges darüber, worauf wir uns ausrichten. Vor einigen Monaten haben wir 14 neue Geräte mit Alexa-Integration vorgestellt. Darunter war auch die Alexa-Mikrowelle, ein Gerät, das viel Verwunderung ausgelöst hat. Die Mikrowelle hatte allein den Zweck zu illustrieren, dass das Alexa-Interface in wirklich jedes elektronische Gerät integriert werden kann - und dass es sogar ein ausgereiftes und erprobtes User Interface wie das der Mikrowelle revolutionieren kann. Sie zeigt, dass sich in einer sprachgesteuerten Welt sogar die Bedienung von einem so simplen Gerät wie einer Mikrowelle ­radikal verändern kann. 
Also ist die Alexa-Mikrowelle - die in der ­Öffentlichkeit einiges an Häme eingesammelt hat - nichts anderes als ein Referenzprodukt, das Entwicklern zeigen soll: Schaut, das könnt Ihr alles mit Alexa machen?
Amordeluso:
Absolut. Wir können unsere Vision, Alexa in jedes Gerät zu integrieren, nicht allein umsetzen. Wir brauchen dazu externe Entwickler. Schritt für Schritt verstehen diese externen Entwickler und ­Ingenieure jetzt, dass Sprachsteuerung nicht nur eine Spielerei ist, sondern dass diese Technologie dauerhaft in unser Leben einziehen wird und dass sie damit arbeiten sollten. Eine Alexa-Mikrowelle ist da doch nur die ­Spitze eines Eisbergs an Möglichkeiten. 
Expo
Quelle: Internet World Expo



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