Gastkommentar 20.07.2015, 14:54 Uhr

Shopsoftware: Shopware 5 im Test

Shopware 5 unterstützt Shop-Betreiber bei der Gestaltung ihrer Plattform. Doch wie gut ist die modulare Webshop-Software wirklich? Johannes Altmann, Geschäftsführer von Shoplupe, macht den Praxistest.
Schöne Bilder, schöne Darstellung: Durch Storytelling soll Glaubwürdigkeit im Shop erzeugt werden
(Quelle: Shopware 5 )
Von Johannes Altmann, Geschäftsführer von Shoplupe
Storytelling ist das große Thema, das sich die Shopware AG für das Release 5 der Shopsoftware vorgenommen hat. Die Vorschusslorbeeren durch Experten und die E-Commerce Presse waren allein durch die Filmgala als Software-Prämiere extrem positiv. Im Marketing hat Shopware damit mal wieder volle Punktzahl erreicht. Uns von Shoplupe hat interessiert, was Shopware 5 nun wirklich kann und wie einfach es ist, einen Shop aufzusetzen, der eine Geschichte erzählt.
Die Story für den eigenen Shop
Durch Storytelling soll Glaubwürdigkeit im Shop erzeugt werden. Aus einem nüchternen Anbieten von Produkten soll authentisches Verkaufen entstehen. Shopware hat dafür die richtige Software zur Verfügung gestellt. Diese produziert zwar keine Geschichten, nimmt keine Aufgaben ab und ist im Standard nicht die Storyengine, aber sie bietet die Chance, aus einem einfachen Shop mehr zu machen.
Dabei kommt es nicht auf eine tolle Geschichte, sondern auf das sinnvolle Zusammenstellen einer Inszenierung an. Spricht man von Storytelling, geht es eigentlich um Positionierung und Zielgruppenansprache. Die Zielgruppe muss klar sein, die eigene Positionierung sowieso und daraus kann ein Konzept - eine echte User Experience Story entwickelt werden. Plötzlich müsste klar sein, wie der Shop aussieht, ob wir "du" oder "sie" zum Kunden sagen, wann wir einen tiefen Blick in den Shop ermöglichen und wann der User oberflächlich stöbern soll. Plötzlich sind dann auch die Geschichten klar, die wir über echten Content erzählen wollen.
Mehr als Conversion Optimierung
Die Shoplupe Benchmark Zahlen aus zahlreichen Shop Optimierungen ergeben: Der durchschnittliche User bleibt 2 Minuten und 40 Sekunden und ruft dabei vier Seiten auf. Die Mission von Shopware ist es, diese Zahl zu erhöhen. Endlich konzentriert sich damit ein Anbieter auf Kennzahlen, die weitaus mehr Aussagekraft für Attraktivität haben als die einfache Conversion Rate. Ziel von Shopware 5 ist nicht die Optimierung der Conversion Rate, sondern die Optimierung der Shopattraktivität und Einzigartigkeit. In Anbetracht dessen, dass die Mehrzahl der Shopbetreiber eh langfristig für tot erklärt wurde, ist dies nun eine echte Chance, wieder Wertschöpfung zu betreiben. Denn ein Händler, der Produkte nur listet, betreibt keine Wertschöpfung und kann weder Kunden noch Lieferanten dauerhaft überzeugen.
Shopware Backend
Das Shopware Backend hat sich mit der Version 5 nicht wesentlich verändert. Es wirkt immer noch aufgeräumt und ermöglicht durch das parallele Öffnen mehrerer Fenster ein effizientes und strukturiertes Arbeiten sowie die gewohnt gute Shopware-Usability. Unser Blick im Test geht sofort auf Marketing und Einkaufswelten, denn hier wird versteckt, was Shopware "Storytelling" nennt.

Einkaufswelten und Storytelling

Die Einkaufswelten wurden einfach um Storytelling ergänzt. Das fühlt sich im Backend nicht immer logisch und sofort verständlich an, ist letztendlich aber dann doch konsequent umgesetzt. Wer es einmal verstanden hat, der wird auch damit arbeiten können.
Shopware 5 bedeutet nicht gleich Storytelling, denn das ist lediglich eine Funktion innerhalb des Shops und nein, die Funktion Storytelling ist nicht eine aufgemöbelte Shopware Einkaufswelt. Die Einkaufswelten waren bisher das Killerfeature von Shopware, denn über drag&drop konnte man schnell und einfach innerhalb eines selbst gesteckten Rasters eine sehr individuelle Seite erstellen. Das ging bei vielen Shopsystemen bisher nur in Kombination mit einem Content Management System oder zusätzlichen Modulen. Shopware hat die Einkaufswelten nicht angefasst, sondern parallel das Feature Storytelling entwickelt.
Damit stehen dem User beim Erstellen einer Einkaufswelt nun zwei Funktionen zur Verfügung: Die klassische Einkaufswelt für grafische Seiten und die neue Storytelling Funktion für grafische Seiten in fullscreen mit den Funktionen Sideview und Quickview.
Responsive ist nicht gleich responsive
Shopware wirbt in der "5er" mit dem Leitsatz "Emotional Shopping on any Device". Dahinter verbirgt sich ein leistungsfähiges responsive Design, in dem für jedes Gerät speziell optimierte Bilder und auch Seitenquelltext ausgeliefert werden. Es ist sichergestellt, dass nur relevante und optimierte Informationen für das jeweilige Device geladen werden, womit sich zum Beispiel auch auf einem Smartphone eine gute Performance erzielen lässt - ohne längere Ladezeiten aufgrund von Optimierungen.
Wie breit ist die Seite bei Storytelling? Diese Frage würde jeder Shopbetreiber stellen, um die Grafiken in der richtigen Größe zu erstellen. Schließlich war die Standardeinstellung bei der klassischen Einkaufswelt mit dem Emotion Template bei 808 Pixel, bei einem vierer Raster konnte sich jeder schnell die Bildgröße ausrechnen. Storytelling hat keine Definition für Breite und fließt immer über den gesamten Monitor. Erst dadurch ergibt sich der Effekt, den Shopware will: Große Bilder für Emotionen.
Storytelling funktioniert wie das Layouten einer Zeitschrift. Einzelne Elemente werden auf ein Raster geschoben und ansprechend platziert. Beim Skalieren der Bilder auf unterschiedlichen Devices würden in diesem Fall Probleme bei der Passgenauigkeit der einzelnen Elemente entstehen. Deshalb arbeitet Shopware nach der Cover Methode. Bilder werden dabei beschnitten und der definierte Rahmen bleibt gleich. Weiteres Problem hier ist allerdings, dass möglicherweise wichtige Elemente weggeschnitten werden. Auch dieses Problem hat Shopware erkannt und gelöst. Für jedes Bild kann ein Bild Mapping angelegt werden. Innerhalb der Funktion definiert der Shopbetreiber einen Fokus auf das Bild. Dieser Fokus steht bei der Skalierung immer im Mittelpunkt, wichtige Elemente gehen also nicht verloren. Eine geniale Vorgehensweise an der man merkt, dass die Köpfe bei Shopware offensichtlich geraucht haben.
Wenn eine Storytelling Seite nach dem Beispiel des Shopware Demoshops aufgebaut wird, ergibt sich ein Usability Problem, das wir auf jedem Fall in jedem Shop negativ ankreiden würden. Alle Texte werden als Bilddateien integriert. Bei der Skalierung werden die Schriften dadurch nicht nur unscharf, sondern auch extrem klein. Die Option, dass man für jedes Device eine eigene Story anlegen muss, ist daher eher Pflicht. Dadurch ist das Design keine einfache Nummer mehr, sondern sehr aufwändig. Wünschenswert wäre, wenn der User Texte über Bilder legen kann und sich so nicht mehr um die Lesbarkeit kümmern muss. Auf Anfrage von unserer Seite hat Shopware jedoch bestätigt, dass sich eine entsprechende Erweiterung für das Storytelling in der Umsetzung befindet. 

Das neue Shopware-Vokabular

Wer sich mit Shopware 5 beschäftigt, der muss sich auch gleich mit dem neuen Shopware-Vokabular beschäftigen. Sideview, Quickview und Off-Canvas-Menüs sind die neuen Schlagworte in der Shopware-Welt. Dahinter stecken so ziemlich alle Techniken, die sich ein UX Designer wünschen kann. Zum einen hat sich Shopware hier viel von Googles Styleguide Material Design abgekuckt und zum anderen einfach konsequent alles in Frage gestellt, was bisher Standard in typischen Shopsystemen war.
Mit Sideview und Quickview will Shopware 5 den Stöbermodus antreiben. Der User soll von den Kategorieseiten nicht sofort auf die Produktdetailseite wechseln, sondern eine Vorschau von Produkten und Details erhalten. Ziemlich effektvoll werden bei der Sideview Produkte hereingefahren und in einer Quickview gezeigt. Erst beim aktiven Klick "zum Produkt" wechselt der User zu einer klassischen Produktdetailseite. 
Die letzte Shopware Hürden sind gefallen
Bei manchen Funktionen von Shopware haben wir uns immer gefragt, warum es sie bisher nicht gab. Hat man sie vergessen oder gab es strategische Überlegungen zur Unterstützung der Agenturszene? So konnte man beispielsweise bisher selbst kein Logo hochladen. Auch konnte man bei der Suche im Shop zwar filtern, der Zugriff auf alle Filter war jedoch nur mit Plugin möglich. All das ist Geschichte, Shopware 5 ist ehrlich und vollständig und schränkt niemanden ein. Auch die Suche wurde stillschweigend verbessert, sie ist bei kleinerem Sortiment sicherlich völlig ausreichend.
Fazit
Shopware 5 ist mehr als nur ein Feature. Das Unternehmen hat eine Vision von Verkaufen und hat diese Vision kompromisslos in kluge Technik gepackt. Mit Shopware 5 kann der Shopbetreiber nochmals deutlich mehr selbst machen und bekommt bereits im Standard einen ansehnlichen und professionellen Shop. Grundsätzlich könnte jeder Shopbetreiber ohne Agentur einen Shop aufsetzen, die Anforderungen für Storykonzeption und Shopaufbau sind jedoch nicht zu unterschätzen und der zeitliche Aufwand für viele Storytelling Seiten ist enorm. Es ist also wieder viel machbar, nur machen muss man es selbst.



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