"Keine Handelsplattform im deutschen Markt wächst so schnell wie wir"

Angriff auf Shopware und Magento

Solche Argumente führen andere Shopsoftware-Hersteller aber auch ins Feld …
Finkelstein: Wir wachsen deswegen schneller als unsere Wettbewerber, weil es bei ­ihnen nicht stimmt. Jeder behauptet, ein perfekt geeignetes E-Commerce-System zu sein. Wir verstehen uns aber nicht als Anbieter einer E-Commerce-Lösung, sondern als Anbieter einer kompletten Handels­lösung. Schauen Sie eine Marke wie Gym­shark an, die schnellstwachsende Marke in Großbritannien im letzten Jahr. Das Unternehmen ist mit Shopify an Mamas Küchentisch gestartet und setzt heute über hundert Millionen US-Dollar um. Gymshark hat Pop-up-Geschäfte, einen Online Shop, verkauft über Instagram ebenso wie über eBay. All das läuft über Shopify. Natürlich gibt es ­andere Shop-Lösungen, die Einzelbereiche davon gut abbilden. Aber dass wir so stark wachsen, liegt daran, dass wir ein besseres Stück Software anbieten. Unser Produkt ist von Unternehmern für Unternehmer ­gemacht. Das zeigt sich auch daran, dass ­etliche Agenturen und Entwickler ihre Partnerschaft mit anderen Systemanbietern aufkündigen und sich Shopify anschließen. Und auch wenn Shopify in Deutschland noch auf E-Commerce fokussiert ist, werden wir uns sehr schnell auch dem Offline-Handel und Marktplätzen zuwenden. Ein zweiter Punkt ist, dass es bei vielen anderen Systemen Monate dauert, bis sie eingerichtet sind. Zudem sind sie teuer und ihre Preissysteme sind nicht auf verschiedene Skalierungen von Unternehmen ausgerichtet.
Welche Wettbewerber greift Shopify in Deutschland an?
Finkelstein: Einer ist sicherlich Shopware. Wir sehen ziemlich viele Migrationen von Shopware zu Shopify. Shopware hatte ­einige Zeit eine Führungsposition inne. Was ihnen aber fehlt und was uns einen Vorteil verschafft, ist, dass sich alle Marken in Zukunft zu globalen Marken entwickeln werden. Wir machen es ihnen leicht zu internationalisieren, weil Shopify auf den weltweiten Handel ausgerichtet ist. Und auch wenn wir bei einigen Dingen jetzt gerade erst in der Umsetzung sind, ­etwa bei Multiwährungen, so registriert die Händlerschaft in Deutschland durchaus, dass wir es tun. Und sie setzen auf uns, weil sie sehen, dass es in anderen Ländern schon funktioniert. Bei Shopware hingegen herrschte lange Zeit Stillstand, lautet eine Einschätzung von Händlern, die ich immer wieder höre.
 
An wem messen Sie sich noch?
Finkelstein: Ein anderer Anbieter ist ­Magento. Magento war lange Zeit sehr ­erfolgreich hier. Viele unserer heutigen Händler sind ehemalige Magento-Kunden. Wer jetzt vor einem Wechsel von ­Magento 1 zu Magento 2 steht, denkt auch über einen kompletten Systemwechsel nach. Viele der anderen Software-Anbieter konzentrieren sich auf das Marketing und den Vertrieb. Wir konzentrieren uns darauf, die beste Software der Welt zu bauen - zudem investieren wir in Deutschland gerade in den Markenaufbau.

Wie sieht Ihre Hauptzielgruppe aus?
Finkelstein
: Der Fokus liegt sicherlich auf kleinen und mittelgroßen Unternehmen. Mit Angeboten wie "Shopify POS" und "Shopify Shipping" werden wir aber zunehmend auch für größere Marken inte­ressant, weil sie sich um diese Dinge dann nicht kümmern müssen. In Großbritan­nien konnten wir beobachten, dass sich anfangs vor allem moderne, neue Marken für Shopify entschieden haben, und dann aber auch Unternehmen wie Procter & Gamble und Unilever zu uns gekommen sind. Das könnte in Deutschland ähnlich laufen. Dafür müssen wir aber erst unsere Hausaufgaben machen. Vor zwei Jahren - ohne vernünftiges Payment-Gateway, ­ohne ein deutschsprachiges Admin - war das nicht möglich. Auch wir machen noch Fehler, aber wir lernen aus diesen Fehlern. Wir haben vieles für den deutschen Markt angekündigt, jetzt haben wir es umgesetzt.

Die Versand- und auch die Fulfillment-Dienstleistungen von Shopify, die Sie angesprochen haben, sind in Deutschland aber noch nicht verfügbar, oder?
Finkelstein: Das Shopify Fulfillment Network haben wir im Juni ja erst angekündigt und beginnen jetzt mit der Umsetzung. Wir haben unlängst 6 River Systems für 450 Millionen US-Dollar gekauft, einen führenden Anbieter von kollabora­tiven Warehouse-Fulfillment-Lösungen. Start ist in den USA, weil dort die meisten unserer Händler sind. Aber viele dieser neuen Versand- und Fulfillment-Lösungen werden Sie schon sehr bald auch in Deutschland sehen.

Was heißt sehr bald?

Finkelstein: Im Laufe der nächsten Jahre. Der deutsche Markt hat für uns hohe Priorität.

Und die Versand-Services?
Finkelstein: Die werden wir noch schneller hier anbieten können. Einige Versanddienstleister und Partner haben schon ­bestehende Integrationen, mit anderen verhandeln wir noch. Das hängt auch ­immer davon ab, wie modern und technologisch orientiert ein Anbieter ist, sodass eine Anbindung einfach möglich ist.



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