Neues Shopsystem 20.12.2017, 10:11 Uhr

Warum About You seine Backend-Lösung verkauft

Mit About You mischt neuerdings ein Händler im Markt der Shopsysteme mit. Im Angebot hat die Otto-Tochter eine Lösung neuer Bauart, die das Backend vom Frontend trennt - und andere Händler begeistern soll.
(Quelle: shutterstock.com/Graphic farm)
Ob Einsteiger-Software oder Enterprise-Lösung, B2B oder B2C: Der Markt der Shopsysteme ist schon reichlich unübersichtlich. Nun ist ein neuer Player dazugekommen, ein ungewöhnlicher obendrein. Einer der Vorzeige-Shops der Otto-Gruppe, der Modehändler About You, bietet neuerdings eine Cloud-basierte E-Commerce-Lösung an. Was steckt hinter dem Angebot aus Hamburg?

Millioneninvestition refinanzieren

About You hatte schon vor einiger Zeit angekündigt, Erlösströme jenseits des Handels erschließen zu wollen. Das Unternehmen hat die IT-Infrastruktur für seinen Shop selbst entwickelt. Offenbar erfüllte keine der am Markt erhältlichen Lösungen die eigenen Anforderungen. "Es gab kein System auf dem Markt, das unserem Wachstumsanspruch nach Skalierbarkeit und Internationalisierbarkeit sowie der Möglichkeit der Sortimentserweiterung und der Anbindung Dritter genügt hat", so About-You-Geschäftsführer Sebastian Betz.
In diese Eigenentwicklung sind in den vergangenen vier Jahren vermutlich etliche Millionen Euro geflossen - die ­genaue Summe verrät das Unternehmen nicht. Aus Sicht der Otto-Tochter ist es ­naheliegend, das Shopsystem nun für gutes Geld anderen Händlern zur Verfügung zu stellen, um sich eine weitere Erlösquelle zu eröffnen. "Wir haben ein enorm leistungsfähiges System, das wir kontinuierlich weiterentwickeln. Die Erweiterung zum E-Commerce-Technologieanbieter liegt für uns auf der Hand", meint Betz.

Vorbild Amazon

Die Idee ist nicht neu. Amazon ist ein Meister dieser Strategie: Dort, wo der Markt die Anforderungen nicht erfüllt - sei es in der Logistik oder im Hosting -, baut Amazon eine eigene Struktur auf. Läuft sie gut, bietet Amazon diese Infrastruktur Dritten als Service an. Ein Beispiel ist das Cloud Hosting über Amazon Web Services, kurz AWS, das neben dem Online-Handel mittlerweile die wichtigste Einnahmequelle von Amazon ist.
Ähnlich geht About You nun vor: Der Modehändler hat seine "About You Cloud" mit einem ersten Produkt namens "Backbone" gestartet. Hinter der etwas drögen Produktbezeichnung steckt die E-Commerce-Infrastruktur von About You, ­genauer gesagt, das Backend des Shops. Als Backend bezeichnen IT-Entwickler die Teile einer IT-Landschaft, die nahe an den technischen Systemen und Funktionen sind, also etwa Datenbanken oder Suchalgorithmen. Das Frontend hingegen ist der Teil der IT, der näher am Benutzer ist, also etwa die Benutzeroberfläche eines Shops, sprich der im Browser sichtbare Teil des Shops.
Die Funktionen der About-You-Cloud beinhalten das Produkt- und Katalog-Management mit Multi-Shop-Funktion, das Preismanagement und die Produktsuche sowie die Bestell- und die Lagerverwaltung ("Orders & Stock Management" und "Ware­housing & Logistics Management").

Für den Betrieb braucht "Backbone" ein Frontend

Die Lösung ist API-basiert, das heißt, alle Komponenten und Drittlösungen können über offene Schnittstellen miteinander verbunden werden. Eine solche Dritt­lösung ist beispielsweise das zwingend erforderliche Frontend. Denn ohne Front­end fehlt dem System bildlich gesprochen schlicht die Ladentheke.  
Hierfür hat About You aktuell drei Partner mit an Bord: Spryker, Ongr und Frontastic. Spryker ist ein ebenfalls modular aufgebautes E-Commerce-System und grenzt sich damit von klassischen Shop-Lösungen ab, die als ein Block alle Grundfunktionen abdecken. Spryker ist seit rund drei Jahren auf dem Markt. Ongr (früher Foxx) ist eine Open-Source-basierte, reine Frontend-Lösung des litauischen Herstellers NFQ. Dahinter steht unter anderem der ehemalige Oxid-Cheftechniker Lars Jankowfsky. Die Lösung wurde 2014 erstmals vorgestellt.

Frontastic hat das Frontend im Fokus

Dritter im Bunde ist Frontastic, ein im ­November 2017 gegründetes Start-up mit Sitz in Münster. Einer der Gründer ist ­Thomas Gottheil, bis vor Kurzem Geschäftsführer der E-Commerce-Agentur Shopmacher. Die gleichnamige Lösung "Frontastic" ist das Gegenstück zu "Backbone": Sie hat ausschließlich das Frontend im Blick, also die Bereiche, bei denen der Kunde mit dem Shop in Berührung kommt.
Der Basisbaukasten von Frontastic deckt alle Elemente von der Startseite über die Produktpräsentation und die Suche bis hin zum Kundenkonto und Checkout ab - aber eben nur auf der sichtbaren Shop-Ebene. Das System ist erweiterbar und, ebenso wie die E-Commerce-Infrastruktur von About You, in der AWS-Cloud gehostet.
Neben den Lösungen dieser drei Partner sind laut Betz aber auch alle gängigen Shop-Systeme als Frontend für "Backbone" einsetzbar. "Wir sind eine Ergänzung, keine Konkurrenz zu bestehenden Shop-Systemen", so Betz.



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