McKinsey-Studie 13.12.2018, 10:43 Uhr

Kaum Tech-Titanen in Deutschland: Die Folgen und Risiken

Der Mangel an deutschen Tech-Titanen birgt erhebliche Risiken für den Wirtschaftsstandort Deutschland, sagt eine aktuelle McKinsey-Studie. Hierzulande hat nur SAP einen Börsenwert von mehr als 100 Milliarden US-Dollar.
Ohne deutsche Tech-Titanen riskiert Deutschland seine globale wirtschaftliche Relevanz, sagt McKinsey.
(Quelle: shutterstock.com/Syda Productions )
Tech-Titanen sind Technologie-Unternehmen mit einem Börsenwert von mehr als 100 Milliarden US-Dollar. Die prominentesten Beispiele sind Google, Apple, Facebook und Amazon. In Deutschland schafft es nur SAP in die Liga dieser Giganten - ein Problem, das zu erheblichen Risiken für den Wirtschaftsstandort Deutschland führt, zeigt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung McKinsey & Company.
Tech-Titanen seien zu einem zentralen Motor der globalen Wirtschaft und Gesellschaft geworden. Sie würden mittlerweile 38 Prozent des Marktwerts der Top-50-Unternehmen weltweit stellen. Vor 20 Jahren lag ihr Anteil noch bei acht Prozent. "Tech-Titanen schaffen die Arbeitsplätze von morgen, bilden hochkarätige Talente aus und treiben Zukunftstechnologien wie künstliche Intelligenz oder das Internet der Dinge voran", so die Studienautoren.
Neben SAP als einzigem Titanen gibt es hierzulande drei technologische Decacorns (mehr als zehn Milliarden US-Dollar Börsenwert) und zehn Unicorns (mehr als eine Milliarde US-Dollar). Zum Vergleich: Die USA haben elf Titanen, 52 Decacorns und 184 Unicorns - China zwei Titanen, 23 Decacorns und 173 Unicorns.

Drei Schlüsselfaktoren

Für den Erfolg benötigen aufstrebende Technologie-Unternehmen einen geeigneten Nährboden, um sich entfalten zu können. Laut McKinsey gehört dazu ein sich selbst verstärkendes Ökosystem aus drei Schlüsselfaktoren: Talent (hochkarätige Tech-Gründer und Mitarbeiter), Kapital (um Wachstum zu finanzieren) und günstige Marktbedingungen (um ein optimales Umfeld zu schaffen).
Derzeit werden in Deutschland rund drei Milliarden US-Dollar Wagniskapital jährlich investiert, in den USA dagegen ungefähr 85 Milliarden US-Dollar. Damit steht Tech-Start-ups hierzulande - pro Kopf gerechnet - nur ein Achtel des Wagniskapitals im Vergleich zu US-Gründungen zur Verfügung.
Um das Kapital zu erhöhen, wird mehr Wagniskapital aus dem In- und Ausland benötigt. "Rund 20 Milliarden US-Dollar zusätzliche Investitionen sind erforderlich, um auf ein mit den USA vergleichbares Pro-Kopf-Niveau zu kommen", erklärt Adam Bird, Seniorpartner im Münchner Büro von McKinsey und Autor der Studie. Durch verbesserte Beziehungen und finanzielle Anreize könnten hiesige und ausländische Venture-Capital-Fonds motiviert werden, vermehrt in deutsche Tech-Start-ups zu investieren.
Beschleunigen ließe sich der Kapitalzufluss durch die Gründung eines staatlich geförderten deutschen Fonds. Er könnte jungen Technologie-Firmen direkt oder indirekt Kapital bereitstellen und damit die Bildung eines starken Tech-Ökosystems vorantreiben.
Hinzu kommt ein notwendiger Abbau regulatorischer Hürden, die Deutschland für Risikokapitalgeber unattraktiver machen. Deutschland ist beispielsweise eines der wenigen Länder, das eine Umsatzsteuer auf Fondsverwaltungsgebühren erhebt.

Gründergeist

Ein Problem ist auch, dass in Deutschland der Gründergeist weniger ausgeprägt sei als im internationalen Vergleich. Laut Global Entrepreneurship Monitor Report von 2017 haben nur fünf Prozent aller deutschen Erwachsenen mindestens ein Unternehmen gegründet, in den USA sind es 14 Prozent und in China zehn Prozent. Bei Uni-Absolventen liegt die Gründungsquote mit zwei Prozent noch niedriger.
Ein weiterer Unterschied: Während im Jahr 2017 weltweit 70 Prozent aller Gründer von Tech-Titanen Ingenieurswissenschaften oder Informatik studiert haben, hatten 70 Prozent der Gründer aller deutschen Unicorns und Decacorns keinen technischen Bildungshintergrund.



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