SAP-Rivale 11.06.2019, 10:10 Uhr

Salesforce will Analyse-Spezialisten Tableau kaufen

Für 15,3 Milliarden US-Dollar will Salesforce den Datenanalyse-Spezialisten Tableau übernehmen. Der Deal soll im Laufe des dritten Quartals abgeschlossen werden. Für Salesforce ist es der bisher größte Zukauf überhaupt.
(Quelle: shutterstock.com/Dooder)
Der SAP-Konkurrent Salesforce will sich mit einem milliardenschweren Zukauf bei der Datenanalyse verstärken. Das Unternehmen aus San Francisco plant die Übernahme des Anbieters Tableau Software, der vor allem auf die grafische Darstellung großer Datenmengen spezialisiert ist.
Salesforce will in eigenen Aktien bezahlen, Tableaus Eigenkapital und Schulden werden insgesamt mit 15,3 Milliarden US-Dollar (13,5 Milliarden Euro) bewertet, wie beide Unternehmen bekanntgaben. Das ist ein Aufpreis von mehr als 40 Prozent auf den durchschnittlichen Börsenwert in den Tagen vor dem Übernahmeangebot. Und für Salesforce ist es der bisher größte Zukauf überhaupt.
Investoren waren nicht durchweg überzeugt von dem Deal: Der Kurs der Salesforce-Aktie fiel am Montag um gut fünf Prozent, am Dienstag machte das Papier in New York vorbörslich ein Prozent wieder gut. Analyst Steve Koenig von der Investmentbank Wedbush Securities bezeichnete die geplante Übernahme als großen Veränderungsschritt für Salesforce. Mit dem Schritt schweife der US-Software-Konzern etwas von seinem Kerngeschäft ab, schrieb auch Analyst Raimo Lenschow von Barclays.
Die Aktie von SAP lag in Frankfurt mittags zwar leicht im Plus, aber deutlich weniger als der Leitindex Dax. Dass sich US-Konkurrent Salesforce im Analyse-Bereich mit der Übernahme von Tableau Software verstärken will, könnte SAP unter Zugzwang bringen, sagte ein Händler.

Domäne von Salesforce

SAP hatte in den vergangenen Jahren vor allem milliardenschwer im sogenannten Cloud-Geschäft zugekauft, zuletzt den Anbieter Qualtrics für rund acht Milliarden US-Dollar. Mit diesem Deal und der vorangegangenen Übernahme von Callidus preschen die Walldorfer verstärkt in die Domäne von Salesforce vor - nämlich Software für die Unterstützung von Vertrieb und Kundenmanagement.
SAP-Vorstandschef Bill McDermott hatte den Anlegern nach dem jüngsten tiefen Griff in die Kasse versprochen, nun vorwiegend auf Wachstum aus eigener Kraft zu setzen und vorerst nur noch kleinere Zukäufe anzustreben. Die Preise in der Software-Branche gelten als hoch.
Salesforce-Chef und -Gründer Marc Benioff sowie sein Co-Chef Keith Block wollen die Abhängigkeit des Konzerns von der Software zur Vertriebssteuerung reduzieren und neue Umsatzfelder erschließen. Mit Tableau setzt Salesforce nun stärker auf Analyse und die sogenannte künstliche Intelligenz. "Tableau hilft Menschen, Daten zu sehen und zu verstehen, und Salesforce hilft Leuten, Kunden zu verstehen und sie anzusprechen", sagte Benioff zum geplanten Zusammenschluss.

Auch andere Tech-Riesen im Visier

Benioff will den Umsatz des Konzerns bis zum Geschäftsjahr 2023 auf bis zu 28 Milliarden US-Dollar steigern, im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018/19 (Ende Januar) waren es 13,3 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: SAP hat im vergangenen Jahr 24,7 Milliarden Euro erlöst, 2023 sollen es bei konstanten Wechselkursen mehr als 35 Milliarden Euro sein.
McDermott hatte immer wieder betont, mit dem vielfältigeren Angebot an SAP-Produkten auch der Konkurrenz aus dem Silicon Valley wie eben Salesforce einiges vorauszuhaben. Aus Sicht des Managers kann SAP den Kunden damit umfassendere Angebote machen.
Salesforce nimmt mit dem Zukauf aber auch andere US-Tech-Riesen ins Visier. Vergangene Woche hatte Google angekündigt, sich für 2,6 Milliarden Dollar den Datenspezialisten Looker zu gönnen. Nach Ansicht von Experten wird es bei den großen Cloudanbietern Microsoft, Google und Amazon künftig auch verstärkt darum gehen, die im Internet gespeicherten Daten für die Kunden besser zu analysieren und nutzbar zu machen.



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