Fallstudie 24.04.2019, 11:24 Uhr

Glas-Spezialist Riedel: Globaler Erfolg mit B2B und B2C

Der Weinglas-Spezialist Riedel aus Österreich hat für seinen weltweiten Online-Vertrieb einen B2C- und B2B-Shop gebaut, der viel Flexibilität in den einzelnen Ländern erlaubt.
(Quelle: Riedel )
Seit mehr als 250 Jahren stellt die Riedel Glas GmbH in Kufstein stilvolle Weingläser und Dekanter her - teils noch immer in Handarbeit. Mit sieben Tochterfirmen von den USA über Deutschland, Großbritannien bis nach Japan, Australien und China vertreibt das österreichische Traditionsunternehmen seine Produkte in 125 Länder der Welt. 2017 stand ein Relaunch des digitalen Vertriebs an. Ziel war, "mit ­einem multifunktionalen Webauftritt den Webshop global zu vereinheitlichen", wie Rosita Gschwentner erklärt. Sie ist in der Zentrale in Kufstein zuständig für das ­E-Commerce-Management von Riedel.
So sollten die Corporate Website und der Shop, ein B2C- und ein geschlossener B2B-Bereich, im Backend besser miteinander verknüpft und im Front­end in einem einheitlichen Design präsentiert werden. Gleichzeitig sollten die Länder-Shops flexibel anpassbar sein, etwa für regionale Kampagnen, aber auch für landestypische Besonderheiten in der Navigation.

Ein dynamisches Baukastensystem war gewünscht

"Nach einer Bestandsaufnahme mit Fragen wie 'Was haben wir und was nicht?' und 'Was wünschen wir uns?' haben wir ­herausgearbeitet, was ein entsprechendes Shopsystem leisten können muss", ­erzählt Gschwentner.
Schnell war klar, dass das Unternehmen kein monolithisches System mehr wollte, sondern ein dynamisches Baukastensystem. Neben der Flexibilität spielte auch die Lage am Markt eine ­Rolle: Beim Shopsystem-Hersteller ­Magento lief der Wechsel von Magento 1 auf ­Magento 2, beim Content-Management-System-Anbieter Typo 3 erfolgten die Upgrades auf die Versionen sieben und acht. "Für uns war nicht klar erkennbar, wie sich die Systeme weiterentwickeln würden. Daher haben wir uns für einen Baukasten entschieden", beschreibt die E-Commerce-Verantwortliche die Situation.
In der engeren Auswahl standen die Systeme von Spryker und Commercetools. Den Zuschlag erhielt Commercetools, weil der Entwicklungspartner, die Agentur Pixelart aus Salzburg, näher an Commercetools dran war. ­Außerdem war es laut Gschwentner eine Preisfrage: Final hat das ansprechendere Gesamtkonzept gewonnen.

Zentral und regional zugleich

Als Frontend des Shops dient das Content-Management-System (CMS) Magnolia, ein Partner von Commercetools. "Das System bietet verschiedene Aspekte, die für uns ­relevant sind, etwa Personalisierungsfunktionen out of the Box", erklärt Geschwentner. Außerdem umfasst der Vertrag die Systempflege wie Sicherheitsupdates. Herzstück der IT-Architektur ist die Warenwirtschaft von Riedel, an die beide Systeme über Schnittstellen angebunden sind. Die Programmierung lag komplett bei der Agentur, die hausinterne IT kümmert sich ausschließlich um die Warenwirtschaft.
Damit vereint Riedel ein zentrales ­Management mit eigenständigem Arbeiten der Ländertöchter: Das Datenmanagement erfolgt zentral in Kufstein, ebenso Designvorgaben und das Wording. Die Hoheit für landestypische Werbeaktionen hingegen liegt bei den Verantwortlichen der Länder-Shops. Diese können Wünsche hinsichtlich neuer Features der ­Zentrale nennen, wo sie auf Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit geprüft und erforderlichenfalls bei der Agentur in Auftrag gegeben werden. Ein kontinuierlich aktualisiertes Handbuch ­sowie Schulungen sollen sicherstellen, dass alle mit dem System umgehen können.

Schwierige Zeiten für eine Technologie-Entscheidung

Der Relaunch erfolgte nach nur vier Monaten, nahezu in einem Rutsch. Alle europäischen Shops inklusive B2B-Bereich gingen zeitgleich online, die anderen folgten im Monatsrhythmus. "Wir haben damit unsere Zeitvorgaben eingehalten", erinnert sich Gschwentner. Allerdings würde sie eine Projektdauer von sechs bis acht Monaten präferieren, weil dann mehr Zeit zum Testen bleibt: "Sonst zieht man manche Fehler einfach von Land zu Land mit und muss sie später ausbügeln."
Stünde sie heute noch einmal vor einem Relaunch, würde sie sich wohl wieder für ein Baukastensystem entscheiden. Allerdings, so schränkt sie ein, habe sich in den vergangenen zwei Jahren technologisch so viel verändert, dass man momentan fast nur in eine veraltete Technologie investieren könne. Sie würde mit einem Relaunch daher ein bis zwei Jahre warten, wenn er nicht zwingend erforderlich ist.



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