Rita Liu 02.05.2016, 08:05 Uhr

Alipay expandiert: "Im Fokus sind ausschließlich chinesische Touristen"

Chinesische Touristen kaufen auf Reisen gerne ein. Nach den Plänen von Alipay sollen sie dabei künftig ihr gewohntes Zahlungsmittel nutzen können - nämlich Alipay.
Rita Liu, Head of Alipay for Europe, Middle East and Africa
Was hierzulande Paypal ist, ist im Land der Mitte Alipay. Das Payment-Verfahren zählt nach eigenen Angaben 450 Millionen aktive Nutzer. Für Online-Zahlungen in China liegt der Marktanteil bei 50 Prozent, für mobile Zahlungen bei 80 Prozent. Die Ant Financial Services Group, Anbieterin des Bezahlverfahrens, gehört zum chinesischen Handelsriesen Alibaba Group, der unter anderem die Marktplätze Alibaba und Tmall betreibt.
Nun will der Payment-Anbieter Alipay in ­Europa wachsen. Die Strategie: Händler sollen chinesischen Touristen die Zahlungsabwicklung über Alipay ermöglichen. Damit die Touristen die Geschäfte finden, bei denen sie mit Alipay bezahlen können, wird die mobile App ab Mai 2016 mit einer "Local Services"-Plattform ausgestattet. Nutzer können sich den Weg zum Händler oder Restaurant mittels einer zweisprachigen Karte zeigen lassen und erhalten ­Angebote oder Gutscheine. INTERNET WORLD Business hat mit Rita Liu, Head of Alipay for Europe, Middle East and Africa, über die Europa-Pläne gesprochen.

Alipay kommt nach Deutschland: Chinesische Touristen können in stationären Läden mit Alipay bezahlen. Warum sind Sie diesen Schritt gegangen?

Rita Liu: Alipay hat in China eine große Verbreitung und Nutzung. Chinesen sind daran gewöhnt, über die Alipay-App nach Restaurants und Läden in ihrer Nähe zu suchen, die ihnen Sonderangebote und Rabatte bieten. Und sie bezahlen über die Alipay-Wallet. Gleichzeitig reisen immer mehr Chinesen nach Europa. Deswegen wollen wir ihnen diese Services auch in anderen Ländern, etwa in Deutschland, zur Verfügung stellen.
Nur rund zwei Millionen chinesische Touristen besuchen Deutschland pro Jahr. Lohnt sich das Engagement im deutschen Markt?
Liu: Das ist richtig, aber ihre Zahl nimmt sehr schnell zu. Die Deutsche Zentrale für Tourismus rechnet mit einem überdurchschnittlichen Wachstum in den nächsten Jahren. 2030 könnten es schon fünf Millionen Übernachtungen pro Jahr sein. Zudem geben die chinesischen Touristen viel Geld aus: 2014 trugen sie mit einem Anteil von 35 Prozent am stärksten zum Tax-Free-Umsatz des deutschen Einzelhandels bei. Bei jedem Einkauf in einem stationären Laden ­gaben sie im Schnitt 580 Euro aus - mehr als russische oder arabische Touristen.
Woran liegt das?
Liu:
Chinesen kaufen im Ausland vor allem Luxusgüter wie Uhren und Schmuck und qualitativ hochwertige Waren. Neben ­Modeartikeln sind Babyprodukte und Kosmetika sowie Elektronik sehr gefragt. Daher ist der Umsatz überdurchschnittlich hoch.



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