Strong Customer Authentication 07.06.2019, 09:10 Uhr

So bereiten sich Online-Händler optimal auf die SCA vor

Am 14. September tritt die "Starke Kundenauthentifizierung" oder SCA (Strong Customer Authentication) in Kraft. Es ist eine tickende Zeitbombe, die die europäische Online-Wirtschaft jedes Jahr viele Milliarden Euro kosten könnte, wenn sie schlecht vorbereitet ist.
(Quelle: shutterstock.com/nopporn)
Von Olivier Godement, Product Manager Payment Flows bei Stripe
 
Ab dem 14. September müssen sich Hunderte Millionen europäischer Verbraucher bei Online-Käufen umstellen. Das Inkrafttreten der "Starken Kundenauthentifizierung" oder SCA (Strong Customer Authentication) wird auf den Geschäftserfolg europäischer Unternehmen vermutlich weit größere Auswirkungen haben wird als die Einführung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) im vergangenen Jahr. Es ist eine tickende Zeitbombe, die die europäische Online-Wirtschaft jedes Jahr viele Milliarden Euro kosten könnte, wenn sie schlecht vorbereitet ist.
 
Ab dem 14. September 2019 müssen Verbraucher ihre Identität bei den meisten Online-Käufen mit mindestens zwei der folgenden Optionen bestätigen: mit etwas, das sie wissen (Passwort, geheime Frage), einem Objekt, das sie besitzen (Smartphone, Bestätigungsschlüssel) oder einem Merkmal ihrer Identität (biometrische Eigenschaften wie ein Fingerabdruck oder das Gesicht). Das Ziel ist klar: Online-Zahlungen für Verbraucher und Unternehmen sollen sicherer werden.
 
Bis zum Inkrafttreten der Richtlinie müssen Unternehmen die neuen Standards einhalten können, ohne das Bezahlen für ihre Kunden allzu stark zu erschweren. Denn diese bevorzugen reibungslose Einkäufe: mit einem Klick kaufen, automatische Abbuchungen usw. Fünf Monate vor dem Inkrafttreten kennen jedoch drei von vier Online-Einzelhändler in Europa weder die SCA noch ihre Konsequenzen.

Es steht viel auf dem Spiel

Wenn Unternehmen am 14. September noch nicht bereit für SCA sind, können Kunden ihre Einkäufe möglicherweise nicht online bezahlen. Als Indien 2014 ein ähnliches Gesetz einführte, sank bei einigen E-Commerce-Händlern die Conversion-Rate über Nacht um 25 Prozent.
 
Und wenn der Zahlungsvorgang für Kunden zu komplex wird, kann auch die SCA für Unternehmen sehr teuer werden. Heutzutage investieren Online-Händler viel, um kleinste Conversion-Verbesserungen zu erreichen. Ein zu starres Zahlungserlebnis (das beispielsweise eine Starke Kundenauthentifizierung für alle Transaktionen vorsieht) könnte den Geschäftsumsatz nach Schätzungen von Branchenexperten an einem Tag um etwa 10 bis 15 Prozent senken. Das ist aus Sicht vieler Händler und auch mit Blick auf die Kundenfreundlichkeit beängstigend.

Was macht die SCA so komplex?

Die SCA ist die wichtigste Reform des Zahlungsverkehrssektors seit 2001, als grenzüberschreitende Zahlungssysteme in Europa eingeführt wurden (woraus sich später SEPA entwickelte). Die Anwendung der Verordnung erfolgt dezentral auf mehreren Auslegungsebenen:
  • Auf regulatorischer Ebene: Die SCA ist Teil der PSD2-Richtlinie, die den gesetzlichen Rahmen darstellt. Da es sich um eine Richtlinie handelt, gibt es keine direkte Anwendung. Die SCA muss von den 31 nationalen Regulierungsbehörden des Europäischen Wirtschaftsraums individuell ausgelegt werden.
  • Auf Bankebene: Die PSD2 sieht Ausnahmen für die Anwendung der SCA vor, insbesondere für Transaktionen mit geringem Risiko. Die Anwendung dieser Ausnahmen hängt von der Bank des Kunden und nicht von der Bank des Händlers ab. Ohne eine direkte Beziehung zu den über 6.000 europäischen Banken hat ein Händler nicht die Möglichkeit, im Voraus zu wissen, ob eine risikoarme Zahlung von einer Befreiung profitieren kann. Und die Zahlung kann sogar dann noch abgelehnt werden - egal, ob eine Ausnahme gesetzlich vorgesehen ist.
  • Auf technischer Ebene: Die SCA wird die meisten Zahlungserfahrungen verändern, einschließlich Kartenzahlungen, die in ganz Europa sehr beliebt sind - und mittlerweile auch in Deutschland zunehmen. Die verschiedenen Kartennetzwerke haben jedoch unterschiedliche Auslegungen der SCA-Vorschriften, und ihre technischen Anforderungen variieren erheblich. Es ist Aufgabe des Händlers, die verschiedenen Teile des Puzzles anzupassen und wieder zusammenzufügen, um seinen Kunden ein reibungsloses Zahlungserlebnis zu bieten.
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