Kassenfreier Elektronikmarkt 19.05.2018, 15:02 Uhr

Saturn Express: Schlange stehen war gestern

Saturn eröffnet mit "Saturn Express" in Innsbruck den ersten kassenfreien Elektronikmarkt in Europa. Das Pilotprojekt, das zeitsparende und spontane Käufe ermöglichen soll, verlässt bereits im Mai die Testphase.
Etwa 900 Artikel bietet der kassenfreie Store in Innsbruck an.
(Quelle: Saturn )
Auf den ersten Blick wirkt der Saturn Express im Einkaufszentrum Sillpark im Zentrum von Innsbruck wie eine ganz normale, relativ kleine Filiale des Elektronikmarkts. Beim näheren Hinsehen fällt jedoch auf, dass etwas fehlt: die Kassen. Im März startete hier die Media Markt Saturn Retail Group das Pilotprojekt eines kassenlosen Elektromarkts, das bereits im Mai die Testphase verlässt. Dieser Store ist damit der erste seiner Art in Europa. Das deutsche Unternehmen kommt hierdurch seinem Mitbewerber Amazon zumindest in Europa zuvor: Der Online-Riese testete in den USA bereits Ende 2016 einen Laden ohne Kassen für Mitarbeiter, im Januar dieses Jahres ging dann offiziell der erste Amazon Go in Seattle an den Start.
"Durch integrative Lösungen wie ­Saturn Express zeigen wir die Vorteile der Verbindung von Online- und Offline-Modellen", erklärt Florian Gietl, Chief Operating Officer von Media Markt ­Saturn Österreich. Die Vielfalt und Schnelligkeit des Online-Einkaufs soll im Pop-up Store mit persönlicher Fachberatung und dem haptischen Einkaufserlebnis am Point of Sale verbunden werden. Das Pilotprojekt setzt Saturn in Zusammenarbeit mit dem britischen Start-up Mishipay um. Das Gründerteam entwickelte beispielsweise die App für bargeldloses Zahlen für den Express-Store.

Wie funktioniert es?

Beim ersten Einkauf müssen Kunden ­etwas Zeit einkalkulieren: Über den freien WLAN-Zugang des Stores muss zunächst die Saturn-Express-App auf dem Smartphone installiert werden, die im Google Play Store oder im Apple Store heruntergeladen werden kann. Hier muss sich der Kunde dann mit seinen persönlichen ­Daten (E-Mail-Adresse, Vorname, Nachname und Passwort) registrieren. Saturn Express akzeptiert Zahlungen per Kreditkarte und Paypal. Auch über einen aktiven Facebook-Account ist die Regis­trierung möglich. Danach kann der Kunde wie ­gewohnt auf Shopping-Tour gehen.
Das Angebot des mit 120 Quadratmetern räumlich begrenzten Pop-up Stores ist naturgemäß eingeschränkt: Verkauft werden hier aktuell begehrte Trend- und Impulsartikel, wie etwa Kopfhörer, Bluetooth-Speaker und Zubehör aus den Bereichen Unterhaltungselektronik, Computer und Haushalt. "Produkte, die man spontan oder schnell kaufen möchte, eignen sich besonders gut für ein Pilotprojekt, bei dem es darum geht, ein zeitsparendes, komfortables Einkaufserlebnis zu bieten", erklärt Saturn die Auswahl der im Express-Store rund 900 angebotenen Artikel.
Hat der Kunde den gewünschten Artikel gefunden, holt er ihn aus dem Regal, öffnet auf dem Smartphone die Saturn-­Express-App und scannt das RFID-Etikett des Artikels. Die RFID-Technik (engl.: ­Radio Frequency Identification) ermöglicht es, jeden Gegenstand, der mit einem RFID-Transponder ausgestattet ist, kontaktlos zu identifizieren. Diese Technologie dient zusätzlich als Diebstahlsicherung, die nach dem Bezahlvorgang deaktiviert wird. Obendrein wird die Filiale ­jedoch auch durch Sicherheitskräfte ­bewacht. Im Anschluss ist der Kauf perfekt und die Filiale kann ohne lästige Wartezeiten an den Kassen verlassen werden, die in "normalen" Stores der Regelfall sind. ­Sollte ein gewünschter Artikel mal nicht vorrätig sein, kann ergänzend dazu über ein ­Bestellterminal, im Fachjargon auch "verlängertes Regal" genannt, auf die Website Saturn.at zugegriffen werden, auf der das gesamte Online-Sortiment verfügbar ist.
Geschulte Fachberater helfen bei allen Fragen rund um neue Technik.
(Quelle: Saturn)
Durch das kassenlose System will der Elektronikanbieter jedoch nicht Personal einsparen. Im Gegenteil: "Self-Check-out in Kombination mit persönlicher Beratung vor Ort bietet klaren Mehrwert", heißt es vonseiten Saturns. Durch die Einsparung der Kassen sollen sich die Berater stärker als bisher üblich auf die Beratung der Kunden konzentrieren können. Den Kunden stehen im Sillpark zwei bis drei geschulte Fachberater zur Verfügung, die alle Fragen rund um die Produkte und zur neuen Technik des Stores beantworten. Auch die Rückgabe von Artikeln und die Abwicklung einer Reklamation erfolgen durch das anwesende Personal.

Resonanz bisher positiv

"Die Kunden schätzen die innovative und zugleich bequeme Einkaufsoption sowie die Möglichkeit, sich vor Ort beraten zu lassen", äußert sich Saturn über die bisherige Resonanz auf den Pop-up Store. Auf die Frage, ob es eventuell Schwierigkeiten mit Kunden gibt, die kein Smartphone besitzen, geht man bei Saturn eher ausweichend ein: "Wenn jemand bei Saturn Express den Kauf per App nicht nutzen möchte, so können wir über unsere ­Bestellterminals vor Ort ebenfalls die Möglichkeit bieten, alle Produkte aus ­unserem Online-Angebot zu wählen und später bei Saturn Innsbruck abzuholen und zu bezahlen."
Hinsichtlich des Datenschutzes hat das Unternehmen keine Bedenken. "Die Möglichkeit der Bezahlung per App und ­Kreditkarte oder Paypal folgt den strengen europäischen und österreichischen Richtlinien und Vorgaben zum bargeldlosen Bezahlen." Bei der Bezahlung mittels Kreditkarte­ oder Paypal bestünden die üblichen­ Sicherheitsstandards, Kundendaten würden darüber hinaus nicht zusätzlich erfasst.



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