Produkt-Präsentation 16.10.2019, 08:15 Uhr

Google stellt neue Pixel-Smartphones mit Doppelkamera vor

Google hat seine neueste Smartphone-Generation präsentiert. Das Pixel 4 und die größere XL-Version setzen erstmals auf eine Doppelkamera. Daneben gibt es eine neue Rekorder-App und: Googles Cloud-Gaming-Dienst Stadia nimmt am 19. November den Betrieb auf.
(Quelle: Jeff Chiu/AP/dpa)
Google hat die vierte Generation seiner Pixel-Smartphones vorgestellt. Der Internet-Konzern setzt bei seinem Flaggschiff-Smartphone erstmals auf eine Doppelkamera, nachdem die Vorgängermodelle stets nur mit einer Hauptkamera ausgekommen waren. Außerdem kommt ein Radarsensor zur Gestensteuerung zum Einsatz.
Mit den Preisen überraschte Google die Beobachter: Das Pixel 4 wird in der kleineren Variante mit 5,7-Zoll-Bildschirm und 64 GByte Hauptspeicher bereits für 749 Euro angeboten. Verkaufsstart dieser Geräte ist der 24. Oktober.
Das 128-GByte-Modell kostet 849 Euro. Das größere XL-Modell (6,3 Zoll und 64 GByte) wird ab 899 Euro verkauft, 128 GByte kosten 999 Euro. Damit bleibt Google unter der 1.000-Euro-Schwelle, die andere Hersteller wie Apple, Samsung und Huawei mit ihren Top-Modellen überschreiten.
Google verkauft seine Pixel-Telefone in relativ geringen Stückzahlen, positioniert sie aber als eine Art Referenz-Gerät für das Mobil-Betriebssystem Android.
Quelle: Craig Ruttle/FR61802 AP/dpa

Verbesserungen an der Kamera-Software

Das Pixel 3 beeindruckte vor einem Jahr unter anderem mit seiner Nachtmodus-Software für Aufnahmen bei wenig Licht. Inzwischen legten auch andere Smartphone-Anbieter wie Samsung, Huawei und Apple bei ihrer Kamera-Technologie nach. Beim Pixel 4 hat Google hier noch weitere Verbesserungen an der Kamera-Software vorgenommen.

Bei der digitalen Optimierung der Bilder setzt Google mit seinem neuen Modell nicht mehr vor allem auf die Cloud, sondern hat dafür das Smartphone mit einem eigenen Chip ausgestattet, dem Pixel Neural Core.
Der Mikroprozessor soll auch Sprachaufzeichnungen in Echtzeit in geschriebenen Text umwandeln können. Diese Funktion ist allerdings bislang nur für die englische Sprache verfügbar. Er erledigt zudem viele Bildbearbeitungsschritte direkt auf dem Telefon - eine Abkehr vom reinen Vertrauen in Cloud Computing. Mit dem Neural Core sollen etwa bessere Fotos bei Nacht, vom Sternenhimmel oder auch mit gleichmäßig ausgeleuchteten Vorder- und Hintergründen bei schwierigem Licht möglich sein. Der von den Vorgängern bekannte Softwarezoom ergänzt nun den optischen Zoom der zweiten Kamera.

Noch mehr Arbeit wird auf das Telefon verlagert

Der Neural Core erledigt auch weitere Aufgaben auf dem Telefon, statt sie in die Cloud auszulagern. Der überarbeitete Google Assistant etwa reagiert nun deutlich schneller und ist zu aufeinanderfolgenden Handlungen in der Lage.
In einer Vorführung rief der Assistent etwa auf Kommando direkt das Twitterprofil von Motorsportler Nico Rosberg auf und wechselte durch einen einfache Folgebefehl zu dessen YouTube-Seite. Bislang sind dafür jeweils einzeln formulierte Befehle mit "Okay, Google" nötig. Der schlauere Google Assistant wird vorerst den neuen Pixel-Geräten vorbehalten bleiben, heißt es von Google.

Referenz-Gerät für Android

Google verkauft seine Pixel-Telefone in relativ geringen Stückzahlen, positioniert sie aber als eine Art Referenz-Gerät für das Mobil-Betriebssystem Android, das bei dem Internet-Konzern entwickelt wird.
Während die Gestenbedienung anderer Smartphone-Hersteller auf Kameras setzt, kommt beim Pixel 4 ein Radarsensor zum Einsatz. Er sitzt in der obereren Linken Ecke des Geräts und erkennt Annäherung, Abwesenheit und bestimmte Bewegungen.
Eine sich nähernde Hand etwa aktiviert die Sensoren für die Gesichtserkennung des Pixel, Winkgesten mit der Hand schalten ein Lied weiter oder den Anrufton stumm. In einigen Google-Apps und Drittanbietern wie Spotify funktioniert das bereits, andere Apps sollen folgen.
Ähnlich wie Apple bei seinen aktuellen Geräten verzichtet auch Google beim Pixel 4 auf einen Fingerabdrucksensor. Stattdessen wird mit Gesichtserkennung auf Basis von Infrarotkameras gearbeitet. Der dreidimensionale Scan des Gesichts wird nach Google-Angaben auf einem Titan M genannten Chip auf dem Smartphone gespeichert - und soll auch nur dort bleiben.

Stadia nimmt am 19. November Betrieb auf

Eine weitere Neuigkeit: Googles Cloud-Gaming-Dienst Stadia nimmt am 19. November den Betrieb auf. Das hat Google jetzt bekanntgegeben. Mit Stadia laufen Videospiele nicht mehr auf heimischen Computern oder Konsolen, sondern auf virtuellen Rechnern in großen Rechenzentren.
Spieler streamen mit Stadia nur das Videobild ihres Spiels. Durch die theoretisch grenzenlose Rechenleistung der Rechenzentren sollen laut Google völlig neue Spielmodelle möglich sein. Google spricht etwa von einem übergangslosen Sprung aus einem Youtubevideo direkt in das passende Spiel oder von riesigen Spielewelten mit Echtzeit-Ereignissen.
Für frühe Nutzer hat Google seit dem Sommer einen Zugang über eine sogenannte Founders Edition verkauft. Eine Grundversion von Stadia mit eingeschränkten technischen Möglichkeiten soll es kostenlos geben. Für hochauflösende Grafik und Extraspiele wird ein monatlicher Betrag fällig. Außerdem müssen die einzelnen Spiele jeweils gekauft werden. Wann der Dienst für alle Kunden öffnet, wurde noch nicht mitgeteilt.

Neue Rekorder-App und neuartige drahtlose Ohrhörer

Praktisch für Konferenzen und Interviews: Die neue Rekorder-App kann nicht nur Sprache aufzeichnen. Der eingebaute Chip wandelt sie in Echtzeit in Text um, der sich nach Schlüsselwörtern durchsuchen lässt. Eine Internetverbindung ist nicht nötig. Die App kann auch zwischen Sprache und anderen Geräuschen unterscheiden und erkennt Pausen. Bislang funktioniert das nur für die englische Sprache, weitere Sprachmodelle sollen folgen.
Auf der Veranstaltung in New York präsentierte Google auch neuartige drahtlose Ohrhörer (Pixel Buds), die im kommenden Jahr gegen die Airpods von Apple und ähnliche Produkte von Samsung, Microsoft und Huawei antreten sollen. Weiterhin stellte der Konzern eine Neuauflage seiner WLAN-Hardware sowie ein Dienstleistungspaket für eine smarte Alarmanlage mit Cloudspeicher vor.



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