Entwicklerkonferenz Build 04.04.2016, 11:30 Uhr

Rebellen haben bei Microsoft die Macht übernommen

Microsofts Entwicklerkonferenz Build markiert eine Zäsur. Der Ausbruch aus der Windows-Falle ist gelungen. Die neue Hoffnung heißt Cortana und damit will Microsoft wieder werden, was es schon mal war: Alleinherrscher.
Microsoft-CEO Satya Nadella
(Quelle: Gregor Fischer/dpa )
Es war eine Szene mit Symbolkraft. Vier bekannte Microsoft-Spezialisten, darunter die Journalisten Paul Thurrott und Mary Joe Foley, saßen bei Microsofts Entwicklerkonferenz Build feixend in der vorderen Reihe und trugen Mützen mit einem grinsenden Pinguin.
Das ist das unverkennbare Markenzeichen des freien Betriebssystems Linux. Microsofts damaliger Vorstandschef Steve Ballmer hatte Open Source-Software wie Linux 2001 noch als "Krebsgeschwür" bezeichnet. Bill Gates hasste sie. Jetzt stand Ballmers Nachfolger Satya Nadella vor Pinguin-Mützen auf der Bühne und stellte "Bash" für Windows vor, eine Software-Umgebung, auf der echte Linux-Programmbefehle auf Windows-PCs laufen werden.

"Die Hölle ist zugefroren"

Ein Kommentator auf Twitter fasste seine Verwunderung so zusammen: "Bash auf Windows muss für Microsoft so sein wie für Star Trek, als zum ersten Mal Klingonen mitfliegen durften." Ein anderer nur kurz: "Die Hölle ist gerade zugefroren." Satya Nadella ist der Zeremonienmeister der neuen Offenheit. Mit Charme, Geduld und Hartnäckigkeit erklärt der 48-jährige mit indischen Wurzeln, der seit 2014 an der Spitze steht, wie sich die Welt auf dem Campus in Redmond im Bundesstaat Washington gewandelt hat.
Die frühere Allmacht des Windows-Teams, dem sich alles unterzuordnen hatte, ist gebrochen.
Schätzungsweise 70 Prozent aller Webseiten, die die Menschen heute aufrufen, laufen auf Servern mit Open-Source-Software und Nadellas Botschaft ist klar: Ich will sie alle haben - ihre Entwickler, ihre Daten, ihr Geschäft. Windows hin oder her. Bislang haben sich Linux-Entwickler lieber einen Mac von Apple gekauft. Das soll jetzt der Vergangenheit angehören.
An der gläserne Fassade des Moscone Centers prangte an diesen Tagen nur ein großes Wort: "Build" - das Motto der Messe. Logos von Microsoft suchte man draußen vergebens. Einige der tausenden Teilnehmer konnten kaum fassen, was sie gesehen haben, und die Stimmung war endlich wieder gut auf den abendlichen Parties. Vergessen sind die Jahre mit den Zweifeln, was aus Microsoft wird.

Auf einmal wieder cool und innovativ

Durch ein Spalier klatschender Mitarbeiter sind die Software-Profis in die "Hololens Academy" gegangen, um kleine Apps für den Arbeitsalltag mit der neuen Datenbrille Hololens zu erstellen und sich zum Schluss eine Massenschlacht mit digitalen Bällen zu liefern. Der alte Gigant gilt auf einmal wieder als cool und innovativ.
Da ist zum einen Bash, mit dem jetzt Open-Source-Entwicklung auf PCs so einfach wie nie werden soll. Dazu kommt das nun kostenlose Xamarin. Damit lassen sich im Handumdrehen Apps für Windows-Smartphones und Android-Telefone sowie bald auch Apples iPhones erstellen und testen. Das Auditorium dankte mit Ovationen.
Hinter allem steht nicht mehr zwingend Windows, sondern die Microsoft-Variante der Internet-Wolke. Das neue Rückgrat ist "Azure", eine gigantische Computer-Infrastruktur im Internet mit unbegrenzter Rechenleistung. Dieser Weltcomputer Azure, vollgestopft mit künstlicher Intelligenz und Daten, bildet die Basis, um Chatprogramme wie Skype oder Konkurrenten wie WeChat oder WhatsApp von Facebook intelligent zu machen oder BMW-Fahrer weltweit mit ihren Autos und ihrem Leben zu vernetzen.



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