Marketing Suites 20.09.2016, 10:30 Uhr

IDC-Consultant Matthias Zacher: "Häufig kein Gesamtkonzept"

Viele Unternehmen positionieren sich als Anbieter von Marketing Suites. Eine Lösung soll es ermöglichen, unterschiedliche Marketing-Kanäle zu bedienen. IDC-Consultant Matthias Zacher ordnet die Angebote ein.
IDC-Consultant Matthias Zacher
(Quelle: IDC)
Marketing Suites versprechen viel: das Aufbrechen von Datensilos und ­einen ganzheitlichen Blick auf die Kunden. Kein Wunder, dass viele Marketing-Verantwortliche darüber nachdenken, ob sich solch eine Lösung für ihr Unternehmen lohnt. Wir haben mit IDC-Consultant Matthias Zacher über den Auswahlprozess gesprochen.
Marketing Cloud, Marketing Suite und Marketing-Plattform: Viele unterschiedliche Bezeichnungen schwirren durch den Raum. Ist damit eigentlich immer das Gleiche ­gemeint oder muss man differenzieren? 
Matthias Zacher: Man muss differenzieren. Die Bezeichnung "Marketing Cloud" weist einfach nur darauf hin, dass das Angebot online als Software-as-a-Service verfügbar ist. Von einer Marketing Suite ist die Rede, wenn die Funktionalität der einzelnen Bausteine aufeinander abgestimmt ist und es eine einheitliche technologische Basis gibt. Das ist bei einer Marketing-Plattform nicht unbedingt der Fall. Eine Marketing Suite verzahnt Funktionalitäten enger als eine Marketing-Plattform.
Hat IDC solche Marketing Suites genauer untersucht?
Zacher: Ja, für unseren im Februar 2016 erschienenen Report "Marketscape: Worldwide Marketing Cloud Platforms 2016 Vendor Assessment" haben wir die Angebote von Adobe, Hubspot, IBM, Marketo, Microsoft, Oracle, Salesforce, SAP und Teradata angeschaut.
Bitte ordnen Sie sie ein. Wie unterscheiden sie sich?
Zacher: Ein erstes Differenzierungsmerkmal ist die Frage: Handelt es sich beim Anbieter um einen Marketing-Spezialisten oder um ein IT-Unternehmen? Die IT-Generalisten wie SAP, Microsoft oder Oracle erachten Marketing-Tools inzwischen als so wichtig, dass sie sich in diesen Feldern - meist durch Zukäufe - positioniert haben.
Eignen sich die Lösungen generell für alle Unternehmen oder gibt es Lösungen, die eher für kleinere oder größere geeignet sind?
Zacher: Salesforce, Oracle und Adobe sind recht breit aufgestellt und bedienen Unternehmen aller Größenordnungen. Die Lösungen von Hubspot, Teradata und Marketo wurden ursprünglich für den Mittelstand entwickelt. Die Unternehmen versuchen jedoch, ihren Kundenkreis zu erweitern. Ein Beispiel dafür ist das "Projekt Orion" von Marketo. Dieser Code-Name steht für die Überarbeitung der Architektur, damit sie künftig auch stärker für den Enterprise-Markt geeignet ist. Die Lösung von Microsoft würde ich eher als für mittelständische Unternehmen passend einordnen, während SAP und IBM auf große Unternehmen abzielen.
Was soll sich durch den Einsatz von Marketing Suites verbessern?
Zacher: Viele Anwender wollen moderne Technologien im Marketing einsetzen, um Produktverkäufe anzukurbeln. In der Vergangenheit wurden Einzellösungen angeschafft, die nebeneinander existieren und einzeln genutzt werden. Es gibt sehr häufig kein Gesamtkonzept. Heute ist das Ziel im Marketing, einen durchgängigen Kommunikationsprozess mit Kunden zu schaffen und Kunden beziehungsweise Webseitenbesucher immer besser kennenzulernen. Diese Herausforderung sollen Marketing Suites lösen.
Stichwort Marketing Automation: Wie hängt das mit Marketing Suites zusammen?
Zacher: Wie der Name schon sagt, sollen dabei Prozessschritte automatisiert ablaufen. Dafür bedient sich die Marketing ­Automation bei Funktionen von Marketing Suites. Kundendaten werden analysiert, um daraufhin individuell gestaltete Aktionen auszulösen. Voraussetzung ist, dass die Daten der Website-Nutzung und die Daten aus dem Customer-Relationship-Management-System angebunden sind.



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