Versandverpackungen 17.12.2018, 08:04 Uhr

So kommt kühle Ware auch kühl beim Kunden an

Der Versand frischer Lebensmittel ist eine logistische Herausforderung. Wird die Kühlkette unterbrochen, muss die Ware auf den Müll. Egal ob Obst oder Kaviar - auf die richtige Verpackung kommt es an.
(Quelle: DHL )
In einer aktuellen Studie hat das EHI Retail Institute die 15 umsatzstärksten Online-Lebensmittelhändler in Deutschland ermittelt. Angeführt wird die Liste von Amazon, es folgen Hello Fresh, Rewe, Hawesko und Lidl. Nur sieben von ihnen bieten auch frische Ware wie zum Beispiel Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und Milchprodukte an.
Von insgesamt 822 Online-Lebensmittelhändlern im deutschsprachigen Raum, die die Verbraucherzentrale Brandenburg ermittelte, verkauften weniger als die Hälfte frische ­Lebensmittel. In der deutschen E-Food-Landschaft ist frische Ware also längst noch nicht die Regel - möglicherweise scheuen Online-Supermärkte die Herausforderungen, die der Versand frischer und kühlpflichtiger Ware mit sich bringt.

Frische Lebensmittel sind sensible Produkte

Denn frische Lebensmittel sind sensible Produkte: Schnell kann es passieren, dass die Tomate matschig wird, das Ei zerbricht oder der Pfirsich eine unschöne Delle bekommt. Besondere Vorsicht ist geboten beim Versand kühlpflichtiger Waren wie Fleisch, Geflügel, Fisch oder Milchprodukte. Werden solche Lebensmittel nicht durchgängig gekühlt, können sich Keime sprunghaft vermehren.
Versender, die die Kühlkette nicht einhalten, riskieren verdorbene Ware und im schlimmsten Fall eine Lebensmittelvergiftung beim Kunden. Die Verpackung spielt im Online-Lebensmittelhandel also eine wichtige Rolle. Sie muss zerbrechliche und empfindliche Ware ausreichend vor Stößen schützen, ungiftig beim Kontakt mit Lebensmitteln sein und kühlpflich­tige Lebensmittel auch gut kühl halten.
Bei der Wahl der geeigneten Verpackung kommt es in erster Linie auf die Hygiene an. "Alles andere ist nachgeschaltet", sagt Simon Mendel, Vertriebsleiter beim Meeresfrüchte-Versender Crustanova. Wenn Online-Shops frische Lebensmittel verkaufen, haben sie sich oft, wie Crustanova, auf bestimmte Nischen spezialisiert: Sie versenden Fisch, Meeresfrüchte, Steaks oder auch Rohfleisch für Hunde und Katzen.
Bedenken, ob die Ware den eigenen Qualitätsansprüchen genügt, halten zahlreiche Verbraucher davon ab, frische Lebensmittel im Internet zu bestellen. Nach einer Studie des Branchenverbands Bitkom aus dem Jahr 2016 hatten 42 Prozent der befragten Verbraucher noch nie Lebensmittel online gekauft, weil sie Zweifel an der Qualität oder Frische der Lebensmittel hatten. Diese Zweifel sind nicht unberechtigt, wie eine Studie der Verbraucherzentrale Brandenburg zeigt.

Die Hälfte der Lebensmittel ist deutlich zu warm

Anfang September 2016 ließen die Verbraucherschützer in 32 Online-Shops, die frische Lebensmittel anboten, Testkäufe durchführen. Bestellt wurden neben Obst und Gemüse auch Produkte aus den kühlpflichtigen Produktgruppen Frischfleisch, Brühwurst, Frischfisch, Räucherfisch, Frisch-, Weich- und Schnittkäse, Joghurt, Sahne und Frischmilch. Die Temperatur wurde unmittelbar nach der Lieferung gemessen. Das Ergebnis: Von den 134 gelieferten Produkten lag bei mehr als jedem zweiten die Temperatur zum Teil erheblich über dem Normwert. Von fünf frischen Fischen überschritten sogar vier die erlaubte Maximaltemperatur von plus ein Grad. Von den 16 getesteten Weichkäsen waren elf zu warm. Der höchste gemessene Wert lag bei plus 23,3 Grad. Ein Test der Stiftung Warentest im September 2018 ergab ähnliche Ergebnisse.
Drei Viertel der von den Brandenburger Verbraucherschützern getesteten Online-Händler lieferten ihre Produkte in einem Pappkarton, sechs Händler verwendeten Styroporboxen und zwei lediglich Tüten. Zusätzlich setzten zehn Händler Styropor für das Innere der Verpackung ein. 25 Lieferungen waren mit Kühlakkus bestückt, davon waren zwei Kühlelemente defekt und liefen aus, was laut Studie ­jedoch keinen Einfluss auf die Qualität der Lebensmittel hatte.



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