Vor- und Nachteile 13.01.2018, 11:35 Uhr

Shipping Service Provider: Paketversand aus einer Hand

Shipping Service Provider binden viele Paketdienstleister über eine Plattform an den Shop an. Das macht flexibel und hat etliche Vorteile - Preistransparenz gehört jedoch nicht dazu.
(Quelle: shutterstock.com/Tetiana Yurchenko)
Für die letzte Meile zum Kunden ist ein Online-Händler auf Paketdienstleister angewiesen - und damit abhängig von ­ihrer Zuverlässigkeit und ihrem Auftreten gegenüber dem Kunden. Wenn es im Weihnachtsgeschäft oder etwa durch einen Streik richtig eng wird, sind Shop-Betreiber, die mit mehreren Paketdienstleistern zusammenarbeiten und schnell auf einen anderen Carrier ausweichen können, im Vorteil. 
Doch mit jedem einzelnen Paketdienstleister eigene Verträge auszuhandeln, ist mühsam und zeitaufwendig. Shipping Service Provider (SSP) schaffen hier Abhilfe. Sie stellen Händlern eine Plattform zur Verfügung, welche die flexible Nutzung unterschiedlicher Versandpartner ermöglicht. 

Flexibilität im Notfall

Julian Jost, Gründer und Geschäftsführer von Printmate, einem Hersteller personalisierter Versandboxen, nutzt den Shipping Service Provider Shipcloud. Er schätzt die Flexibilität im Notfall, denn nach seiner ­Erfahrung ist bei Shipcloud "Carrier ­Onboarding eine Sache von Minuten und der Carrier-Wechsel bei einem temporären Ausfall eines Carriers schnell gemacht". 
Doch nicht nur im Notfall ist es für ­Online-Händler praktisch, zwischen verschiedenen Alternativen auswählen zu können. Auch Kunden wissen es zu schätzen, wenn sie bei der Bestellung die Wahl haben zwischen DHL, Hermes, GLS oder einem anderen Paketdienst. In einer aktuellen Studie des Instituts Ibi Research an der Universität Regensburg hielten 62 Prozent der befragten Konsumenten die Auswahl des Versanddienstleisters für sehr wichtig oder eher wichtig.

Mittler zwischen Carrier und Händler

Shipping Service Provider wie Coureon, Shipcloud, Packlink Pro, Parcel One oder Sendcloud fungieren als Mittler zwischen Paketdienst und Händler. Anstatt mit ­jedem Dienstleister einzeln Verträge aushandeln zu müssen, haben Shop-Betreiber es nur noch mit einer Anlaufstelle zu tun. Interessant ist dieses Modell deshalb auch für Händler, die international verschicken oder besondere Services, wie Same Day Delivery, anbieten wollen. Über einen SSP lassen sich die einzelnen Paketdienste meist schnell und einfach buchen und die jeweiligen Versandetiketten ausdrucken.  Praktisch ist außerdem, dass nicht jeder Carrier separat ans Shop-System angebunden werden muss. Denn die Plattformen bieten normalerweise Schnittstellen zu den gängigen Shop-Systemen; bei den meisten können auch eBay und Amazon integriert werden.
Zudem können Händler von den Mengenrabatten profitieren, welche die Shipping Service Provider mit den jeweiligen Paketdiensten aushandeln. Bei Packlink Pro können Händler nach eigenen Angaben 50 Prozent bei nationalen und 70 Prozent bei internationalen Sendungen einsparen. Bei manchen Anbietern, wie zum Beispiel Sendcloud, können Händler auch ihre bestehenden eigenen Verträge mit ihren Versanddienstleistern einbinden.
Bei den zahlreichen Benefits, die Shipping Service Provider für Händler bieten, stellt sich die Frage, wovon die Vermittler eigentlich leben und was deren Services den Händler kosten. Nicht jedes angefragte Unternehmen wollte dazu Auskunft ­geben: Die deutsche Niederlassung des in London ansässigen Dienstleisters Metapack reagierte - auch nach mehreren Versuchen - überhaupt nicht auf unsere ­Anfragen. Der Berliner Anbieter Seven Senders wollte unsere Fragen nach seinem Geschäftsmodell zunächst beantworten, machte dann aber einen Rückzieher. 
Andere Anbieter zeigten sich auskunftsfreudiger. Demnach erhält Packlink Pro von seinen Versandpartnern eine Provision. Über deren Höhe wollte das Unternehmen allerdings keine Auskunft geben. 
Sendcloud berechnet Kunden, die ihre ­eigenen Verträge einbinden wollen, einen monatlichen Festbetrag, abhängig von der Zahl der Sendungen. Alternativ können Händler auch jede Sendung einzeln bezahlen. Der Versandpreis enthält dann einen Aufschlag für Sendcloud, wobei man auch hier keine Angaben über dessen Höhe ­machen wollte. Trotz des Aufschlags sei der Gesamtpreis aber "oft geringer als die allein ausgehandelten Versandkonditionen mit den jeweiligen Dienstleistern", so die Marketing Managerin Isabel Schuchert. 
Bei Parcel One und Coureon sind die ­Gebühren ebenfalls im Versandpreis enthalten - über die Höhe des Aufschlags hüllten sich aber auch diese Anbieter in Schweigen. Shipcloud wiederum generiert seine Einnahmen über eine "Abo- beziehungsweise transaktionsbasierte Software-Fee sowie diverse Zusatzdienstleistungen". Nur der erste Monat ist kostenlos. 



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