Die Paketlogistik-Trends des Jahres

Drohnen: Die rechtliche Lage wird einfacher

Flugdrohnen sind die wohl spektakulärste Innovation auf dem Gebiet der Warenauslieferung. Die Technik erlaubt inzwischen einen vollautomatischen Flug, GPS und automatische Kollisionsvermeidung machen es möglich. Doch das Gesetz ist noch nicht so weit: Nach derzeit geltendem deutschem Luftfahrtrecht ­bedürfen unbemannte Fluggeräte der Kontrolle durch einen Piloten, der - und das ist der Haken - sich in direkter Sichtweite zum Gerät befindet. Eine Drohne, die ohne menschliche Hilfe ins Ziel findet, ist im ­zivilen Einsatz verboten, eine Steuerung über eine Videokamera an Bord ebenso. 
Mit diesem Paketkopter unternimmt DHL Tesflüge zu einer Nordseeinsel
(Quelle: DHL)
 Doch hier zeichnet sich Entspannung ab in Form einer Verordnung, die das Verkehrsministerium Mitte Januar ins Bundeskabinett eingebracht hat. Sie erlaubt für kommerzielle Flüge Ausnahmen von der Sichtflugregel. Gleichzeitig legt sie aber auch Obergrenzen fest: Mehr als 25 Kilogramm darf eine Lieferdrohne nicht wiegen. Flüge in Höhen über 100 Meter sind verboten, ebenso über großen Menschenansammlungen, an Einsatzorten von Polizei und Rettungsdiensten und in der Nähe von Flughäfen. Die Personen, die eine Lieferdrohne fernsteuern, benötigen einen Befähigungsnachweis, sobald das Gerät ein Fluggewicht von über fünf ­Kilo erreicht. 
Unter solchen Bedingungen ­erscheint es gewagt, sich vorzustellen, dass Helikopter mit Elek­troantrieb in dicht besiedelten Ballungsgebieten die Rolle von Paketzustellern übernehmen. In abgelegenen Gegenden funktioniert das dagegen schon heute. So liefert das US-amerikanische Start-up Zipline im zen­tralafrikanischen Land Ruanda Blutspenden mit ferngesteuerten Drohnen aus. Die Kleinflugzeuge werden mit einem Katapult in den Himmel geschossen und ­anschließend per Tablet ferngesteuert. Am Zielort angekommen, wird die Ladung an einem kleinen Fallschirm abgeworfen, das Flugzeug kehrt zurück zur Basis. Das ist zwar nicht entscheidend billiger als der bisherige Transport per Lastwagen, doch es geht viel schneller.

Lieferung in die Nordsee und auf die Winklmoosalm 

Ähnliche Anwendungsszenarien lassen sich auch in Deutschland finden. DHL hat bereits Lieferungen an Inseln in der Nordsee und an eine Hütte in den Alpen per Helikopterdrohne abgewickelt. Betrachtet man die Alternative, nämlich den Einsatz eines ausgewachsenen, bemannten Hubschraubers, kann die neue Technik auch ­finanziell punkten. Und bei Testflügen zur Winklmoosalm bei Reit im Winkl ­erprobte der Paketdienstleister gleich ein Konzept, wie das Paket dann auch zum Kunden kommt: Die Drohne landet auf einer DHL-Packstation und legt ihr Paket dort ab. Der Empfänger holt es sich dann, sobald er Zeit hat. 
In Frankreich hat DPD Ende 2016 offiziell die erste Linienverbindung in Betrieb genommen, die per Drohne bedient wird. Der ferngesteuerte Quadcopter transportiert einmal wöchentlich Pakete zu einem abgelegenen Gewerbeareal im südfranzösischen Pourrières. Das Fluggerät legt ­dabei vollständig autonom eine Distanz von 15 Kilometern zurück. Bei einer ­maximalen Geschwindigkeit von 30 km/h kann die Drohne dabei Pakete bis zu drei Kilogramm transportieren.



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