Die Paketlogistik-Trends des Jahres

Die DHL-Packstation bekommt Konkurrenz

Abhilfe versprechen Packstationen, wie sie die DHL in Deutschland bereits seit über 15 Jahren betreibt. Doch rund 2.750 Stationen in Deutschland sind bei Weitem nicht genug, um bei der Entschärfung der letzten Meile eine entscheidende Rolle zu spielen. Tankstellen gibt es beispielsweise wesentlich mehr: rund 14.500. An einigen von ihnen stehen seit 2016 die ersten Amazon Lockers, Schließfächer nach dem Vorbild der DHL-Packstationen. Amazon ­kooperiert hier mit dem Mineralölanbieter Shell. Als Teststädte hat der Online-Versender Berlin und München auserkoren.
Für Kunden, die gar kein Auto haben, sind Tankstellen als Standorte nicht unbedingt vorteilhaft. Deshalb testen verschiedene Anbieter Boxen, die der Empfänger vor seine Tür stellt und die nur der Paketbote öffnen kann. Seit November 2016 rollt die Deutsche Telekom ihren "Paketbutler" bundesweit aus. Mit der gesicherten Klappbox sollen Pakete auch dann ­zugestellt oder abgeholt werden können, wenn niemand zu Hause ist. Sie eignet sich für Pakete bis zu einer Größe von 30 x 50 x 70 cm und einem Gewicht von maximal 31,5 Kilogramm. Auch andere Kurierdienste arbeiten an vergleichbaren Systemen. 

Ärger mit dem Vermieter droht

Obwohl die Kisten oder Säcke an der Haustür auf den ersten Blick ihre Vorteile haben, erscheint eine schnelle Marktdurchdringung zweifelhaft. Denn nicht ­jede Hausgemeinschaft toleriert es, wenn im Treppenhaus voluminöse Objekte den Weg versperren. Außerdem kann das ­Sicherungsseil, mit dem die Box an der Tür befestigt wird, die Tür der Wohnung ­beschädigen, was Ärger mit dem Vermieter provoziert.

Drohnen aus dem Laster

Doch auch bei der direkten Zustellung an den Kunden gibt es noch eine Menge ­Optimierungspotenzial. So präsentierte Mercedes-Benz zur IAA 2016 ein Konzept ­namens "Vision Van", in dem alles vereint ist, was Zukunftsforscher derzeit für möglich halten. Ein autonom fahrender Lieferwagen, der im Logistikstützpunkt ein Rack aufnimmt, in dem fertig gepackte Liefermodule lagern. Diese Fracht, so der Plan, soll das futuristische Fahrzeug über normale Autostraßen ins Zielgebiet bringen. Die Lieferung bis an die einzelne ­Adresse übernehmen dann zwei Drohnen, die vom Dach des Wagens starten können, außerdem dient das "Mutterschiff" als ­Basis für selbstfahrende Roboter, die die Lieferung bis zur Haustür übernehmen und anschließend in den Bauch des Van zurückkehren. 
Dieser Mercedes-Lieferwagen schickt über eine Rampe Starship-Roboter auf die Fahrt, die der Fahrer zuvor im Wagen vollgepackt hat
(Quelle: Mercedes-Benz)
 Deutlich näher an der Praxis ­erscheint das Konzept "Vans and Robots", das die Stuttgarter ein halbes Jahr später auf der CES in Las Vegas zeigten. Es basiert auf einem handelsüblichen Liefer­wagen vom Typ Sprinter, der mit einem Regalsystem und einer Rampe ausgestattet ist. Im Wagen bestückt der Fahrer Lieferroboter des estnischen Start-ups Starship, die anschließend über die ausklappbare Rampe auf den Bürgersteig rollen und ihre ­Ladung zum Empfänger bringen. Dieses Konzept ist mehr als eine Spielerei, der ­Autokonzern ist inzwischen auch als ­Investor bei Starship eingestiegen. Die sechsrädrigen Gesellen aus Tallinn stehen im Moment bei der deutschen Logistikbranche ganz hoch im Kurs, sowohl DHL als auch Hermes testen Starship-Roboter derzeit auf ihre Praxistauglichkeit. Die ­Roboter können mit ihrer Umwelt kommunizieren und werden von einer Zen­trale ferngesteuert. Allerdings: Wenn der Kunde die Ware nicht annimmt, weil er ­gerade nicht zu Hause ist, kommt ein Starship ­genauso wenig weiter wie ein Paketbote aus Fleisch und Blut.



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