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16.01.2015, 12:15 Uhr

Paketboxen als anbieteroffene Standardlösung

Paketboxen sollen künftig ermöglichen Pakete in Empfang nehmen zu können, wenn keiner zuhause ist. Verschiedene Unternehmen und der Bundesverband der Kurier-Express-Post-Dienste arbeiten daran.
(Quelle: DHL )
Die sogenannte letzte Meile ist bei der Zustellung von Online-Bestellungen ein Problem. Zu häufig sind die Empfänger nicht zuhause, wenn der Paketbote klingelt. Deshalb entwickelt eine ganze Reihe von Logistik-Unternehmen Lösungen, sogenannte Paketboxen, für eine bequemere Zustellung oder bietet sie bereits an, zum Beispiel Onebox, Locumi Labs, Lockbox oder Paketbutler.
DHL ist mit dem Paketkasten Vorreiter. Dieser "Briefkasten für Pakete“ ist seit vergangenem Jahr bundesweit verfügbar. Doch der Paketkasten ist auf Pakete beschränkt, die über DHL versendet werden.
Andreas Schumann
Der Bundesverband der Kurier-Express-Post-Dienste e.V. (BdKEP) hat unter dem Dach der Open Postal Alliance eine Arbeitsgruppe zum Thema Paketboxen ins Leben gerufen. Ziel dieser Arbeitsgruppe ist es, die Rahmenbedingungen zu erarbeiten, unter denen anbieteroffene Paketboxlösungen funktionieren können. INTERNET WORLD Business hat bei Andreas Schumann, Vorsitzender des BdKEP, nachgefragt, wie weit die Entwicklung ist.
Welchen Ansatz für eine offene Paketboxlösung verfolgt der BdKEP?
Andreas Schumann: Wir treiben keine eigene Paketboxlösung voran, sondern wir präzisieren Rahmenbedingungen und Standards für Paketboxen, die allen Logistikdienstleistern zur Zustellung offen stehen. Folgende Bereiche stehen dabei im Fokus: Erstens, welche Zugangslösungen zur Zustellung von Paketsendungen in Paketboxen können von möglichst vielen Kurier-, Express-, Postdienstleistern (KEP) technisch umgesetzt werden? Zweitens, welche Informationsdatenströme müssen wie verwaltet werden.
Drittens, wie können paketbox-übergreifende Standards für Paketnummern eingeführt werden, damit Pakete zwischen Dienstleistern beim Übergang der Teilprozesse übergeben werden können. Dazu arbeiten wir eng mit GS1 Germany zusammen. Das Unternehmen betreibt das führende Produkt- (EAN) und Logistiknummernsystem (NVE) im Handel und bei Speditionen. Und viertens, welche Betreibermodelle für Paketboxlösungen sind denkbar.
Welche Modelle könnten das sein?
Schumann: Zum Beispiel, dass ein KEP-Dienstleister eigene Paketboxlösungen für andere KEP Unternehmen öffnet. Dass Dritt-Unternehmen Paketboxen betreiben. Oder dass ein Zusammenschluss von KEP-Unternehmen oder eine Genossenschaft die Empfängerverfügungen verwalten.
 
Wie weit ist die Umsetzung schon gediehen?
Schumann: Die Systematisierung der technischen Möglichkeiten zum Zugang für Zusteller ist abgeschlossen. Im ersten Quartal 2015 fragen wir die technischen Möglichkeiten der Zustellunternehmen ab. Gegen Ende des ersten Quartals 2015 ist bekannt, welche Zustellunternehmen welche technischen Infrastrukturen unterstützen. Hersteller von Paketboxen können dann die Zugangslösungen einbauen, die die meisten Zustellunternehmen bedienen können. Die Arbeitsgruppe IT und Standardisierung nimmt im Februar die Arbeit auf, erste Ergebnisse sollten im zweiten Quartal 2015 vorliegen.
 
Wer nimmt an der Paketbox-Initiative der Open Postal Alliance teil?
Schumann: Verschiedene Verbände wie der Bundesverband Deutscher Postdienstleister oder der Bundesverband Paket- und Expresslogistik, Unternehmen wie Locumi Labs oder Erwin Renz Metallwarenfabrik und die Bundesnetzagentur.
Ist die vom BdKEP konzipierte Lösung für alle Versanddienstleister offen?
Schumann: Ja. Damit das sichergestellt ist, ist der Händlerbund Teil der Arbeitsgruppe.
Sind Hermes, DPD, GLS und UPS Teil Ihrer Initiative?
Schumann: Nein, diese Unternehmen sind zwar eingeladen, lehnen jedoch die Teilnahme und den Informationsaustausch über diese Multistakeholder-Gruppe ab. Die Deutsche Post nimmt an der Initiative teil. Sie bringt sich dahingehend ein, wie anbieteroffene Systeme gestaltet werden sollten, so dass sie selbst in solche Systeme zustellen kann. Das Engagement ist unabhängig von der bestehenden exklusiven Lösung einer Paketbox, die nicht Gegenstand der Betrachtung ist.
Wie sehen Sie die Entwicklung in den kommenden Jahren?
Schumann: Es werden sich verschiedene Arten von Paketboxen etablieren: Eine Paketbox ist fest einem Haushalt zugeordnet. Oder eine Paketbox wird von mehreren definierten Haushalten genutzt. Die dritte Variante: Mehrere Paketboxen werden zu Paketstationen kombiniert. Eine Paketbox wird im Zusammenhang mit der Zustellung einem bestimmten Empfänger zugeordnet. Beim nächsten Zustellvorgang kann die gleiche Paketbox einem anderen Empfänger zugeordnet werden.
Wann werden sich Paketboxen in Deutschland in der Fläche durchsetzen?
Schumann: Paketboxen in einer der benannten Ausprägungen werden sich in den nächsten fünf Jahren flächendeckend durchsetzen. Paketstationen sind schon heute etabliert, jedoch nicht anbieterübergreifend.
Die Paketbox ist nur eine Lösung für eine effiziente, künftige B2C-Logistik. Drohnen, Paket-Pipelines oder fahrende 3-D-Drucker könnten weitere Zukunftsvorstellungen für die Logistik sein.



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