Paketzustellung 11.05.2018, 08:02 Uhr

Packstation und Paketbox: Das Gegenmittel für das Logistik-Chaos?

Kommt der Paketbote, ist oft niemand zu Hause. Ein Gegenmittel: Packstationen und Paketkasten-Anlagen, denn sie stehen jederzeit zu Diensten und entlasten die Zusteller. Doch nicht jedes System ist offen für alle.
(Quelle: shutterstock.com/Palto)
Wer berufstätig ist und viel online ­bestellt, hat die Wahl zwischen Pest und Cholera: Er kann sich die Ware nach Hause schicken lassen und darauf hoffen, dass ein hilfsbereiter Nachbar sie annimmt. Hat er aber Pech, ist bei den Nachbarn auch niemand zu Hause und die Sendung landet in einer Postfiliale, die um 9.00 Uhr öffnet und um 17.30 Uhr wieder schließt. Auch Paket-Shops, oft kleine Schreibwarenläden, haben in der Regel nur tagsüber geöffnet. Oder der Kunde lässt sich seine Bestellung an den Arbeitsplatz liefern. Nicht jeder Arbeitgeber sieht es jedoch gern, wenn sich am Empfang die privaten Pakete der Mitarbeiter stapeln.
Paketkästen oder Packstationen dagegen sind rund um die Uhr verfügbar. Das ist nicht nur für die Empfänger von Vorteil. Auch die Paketdienste sparen Zeit und Kosten, wenn der Zusteller nicht vergeblich klingeln muss. Neben öffentlich ­zugänglichen Paketautomaten wie den Packstationen von DHL und den Locker von Amazon gibt es auch Anlagen für Mehrfamilienhäuser und Unternehmen sowie Paketkästen für Privathaushalte.

DHL stockt Kapazitäten der Packstationen auf

Rund 3.400 Packstationen hat DHL ­inzwischen in den Städten und Gemeinden der Republik aufgestellt. "Allein im Großraum Berlin haben wir in den letzten anderthalb Jahren über 150 neue Packstationen aufgebaut und die Fächerkapazität mit heute circa 40.000 Fächern nahezu verdoppelt", sagt Ramin Benz, Vice President Consumers bei DHL Paket. Doch es reicht immer noch nicht. Im Vorfeld des letzten Weihnachtsgeschäfts hatten die Packsta­tionen in Berlin mit Kapazitätsproblemen zu kämpfen und DHL riet den Kunden, auf Paket-Shops auszuweichen oder ihre Sendungen noch am Einlegetag abzuholen.
Deshalb plant DHL, das Automatennetzwerk weiter auszubauen. Wegen der Platznot in den Städten sollen in Zukunft auch kompaktere Anlagen eingesetzt werden. Benz: "Schon jetzt planen wir mit weiteren Packstationen in deutschen Ballungsräumen und Gebieten mit hoher Kundennachfrage." Mehrere Hundert neue Packstationen sollen bis Ende 2018 hinzukommen. Was die Standorte der gelben Anlagen betrifft, kooperiert der ­Paketdienst mit Tankstellen, Discountern und Supermärkten wie Rewe.

Amazon Locker noch nicht weit verbreitet

Amazon verfolgt eine ähnliche Strategie mit seinem Paketkasten Amazon Locker. Die Automaten haben keine Nummern wie bei DHL, sondern tragen Namen wie etwa "Jana" oder "Betty". Sie stehen zum Beispiel auf Aldi-Parkplätzen oder bei Shell-Tankstellen. Die im September 2017 offiziell eingeführten Automaten sind auch in ausgewählten Geschäften des ­Telefon-Anbieters O2 oder in Berliner Spätkauf-Läden zu finden.
Im Vergleich zu den DHL-Packstationen ist Amazons Netz noch recht grobmaschig: Ungefähr 180 Amazon Locker befinden sich an Standorten in Berlin, München, Augsburg, Hamburg sowie in Städten in Nordrhein-Westfalen. Ob der E-Commerce-Riese sein Locker-Netz ebenfalls ausbauen will? "Ankündigungen zu einer Ausweitung des Locker-Netzes in Deutschland hat Amazon nicht gemacht", so die Deutschlandzentrale auf Nachfrage.

Abholung binnen 3 bis 9 Tagen

Damit sich ein Online-Kunde seine Bestellung an eine DHL-Packstation liefern lassen kann, muss er bei DHL Paket regis­triert sein. Ist die Packstation allerdings voll oder das Fach für das Paket zu klein, kann es passieren, dass die Sendung doch in ­einer Postfiliale landet. Pakete und Retouren können auch ohne Registrierung verschickt werden. DHL arbeitet zudem an der Optimierung der Packstationen. So sollen beispielsweise bis Ende des Jahres per Smartphone gekaufte Paketmarken an der Packstation ausgedruckt werden können. 
Wer bei Amazon bestellt, kann im Checkout einen Locker als Lieferanschrift auswählen. Um das Fach zu öffnen, bekommt er von Amazon einen Abholcode per E-Mail zugeschickt. Retouren nehmen die grauen Paketautomaten von Amazon nicht entgegen. Drei Tage haben Amazon-Kunden Zeit, ihre Sendungen abzuholen. Bei DHL sind es neun Tage und das soll laut DHL-Mann Ramin Benz auch so bleiben - trotz der begrenzten Kapazitäten.

Anlagen für Mitarbeiter und Mieter

Neben den öffentlich zugänglichen Anlagen unterhält DHL auch sogenannte "­Inhouse-Packstationen" für Mitarbeiter in Großunternehmen wie zum Beispiel BASF, Siemens oder Volkswagen. So muss sich die Poststelle nicht um die Privat­pakete der Angestellten kümmern.
Auch Kooperationen mit Wohnbaugesellschaften werden für den Paketdienst immer wichtiger. Im Sommer 2016 starteten die Wohnbaugesellschaft Vonovia und DHL ein Pilotprojekt mit 50 Paketkästen in einer Wohnanlage in Berlin. Nach der erfolgreichen Pilotphase hat Vonovia damit begonnen, weitere Gebäude mit den Paketkastenanlagen auszustatten. "Derzeit stehen mehrere Hundert Anlagen für unsere Mieter in Berlin zur Verfügung - und es werden sukzessive mehr", so Jana ­Kaminski, Sprecherin von Vonovia. Die Mieter seien sehr zufrieden mit den Anlagen. Aktuell hat nur DHL Zugang zu den ­Anlagen. "Perspektivisch würden wir es selbstverständlich begrüßen, für die zunehmende Zahl von Zustelldienstleistern eine parallele Lösung anbieten zu können", sagt Kaminski.



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