Neue Konzepte 02.11.2017, 11:28 Uhr

Nachhaltige Logistik: Das Ende des Ablasshandels

Der Lieferverkehr und die dadurch erzeugten Abgase machen deutschen Innenstädten zu schaffen. Fahrverbote für Dieselfahrzeuge drohen. Paketdienste setzen deshalb auf neue Konzepte.
Fertigung in Eigenregie: Den elektrisch betriebenen Street Scooter Work baut die Post selbst, eine größere Variante entsteht in Kooperation mit Ford
(Quelle: Deutsche Post DHL)
Zustelldienste wie DHL, Hermes, DPD, UPS oder GLS stecken in einem ­Dilemma: Durch den boomenden Online-Handel wächst die Menge der Pakete, die täglich ausgeliefert werden muss. Im Jahr 2000 stellten Paketdienste nach einer Erhebung des Bundesverbands für Paket- und Expresslogistik in Deutschland 1,7 Milliarden Sendungen zu. Im Jahr 2016 waren es bereits 3.2 Milliarden Sendungen. Zusätzlich machen Angebote wie Same-Day-Delivery, Zustellung zum Wunschtermin oder gar One-Hour-Delivery die Touren komplizierter - vor allem in den Städten, die sowieso vor dem Verkehrskollaps stehen. Und gerade dort drohen jetzt auch noch Diesel-Fahrverbote.

Ausgleich ist moderner Ablasshandel

Bis dato erfolgte Klimaschutz bei den Paketdiensten in erster Linie über den Ausgleich von CO2-Emissionen. Wirbt ein Unternehmen mit "klimaneutralem Versand" muss das nicht zwangsläufig heißen, dass beim Transport kein Kohlenstoff­dioxid anfällt. Es kann auch bedeuten, dass der CO2-Ausstoß vor Ort durch ­Klimaschutzprojekte - meist anderswo auf der Welt - kompensiert wird. Bei dem Programm "GoGreen" von DHL etwa können Kunden für einen Aufpreis von netto zwei Cent pro Paket die transportbedingten CO2-Emissionen über Klimaschutzprojekte ausgleichen. DHL fördert zum Beispiel Wiederaufforstungsprojekte in Panama und Uganda oder Haushalt-Biogasanlagen in China. Mehr Bäume in Panama sorgen aber nicht für weniger Schadstoffe in München, Berlin oder Stuttgart - dort verpesten Stickoxide aus Diesel-Auspuffrohren die Luft. Kritiker ­bezeichnen das Konzept der CO2-Kompensation deshalb gern als modernen ­Ablasshandel. 

Kritiker bemängeln schlechte Ökobilanz

Angesichts der drohenden Diesel-Fahrverbote ist es mit einem Emissionsausgleich nicht mehr getan. Paketdienste müssen den Stickoxidausstoß ihrer Zustellfahrzeuge nachhaltig reduzieren, sonst dürfen sie irgendwann nicht mehr in die Innenstädte. Auch wenn Kritiker eine schlechte Ökobilanz bei der Herstellung der ­Akkus bemängeln, setzen Zustelldienste auf Elektrofahrzeuge, denn diese erzeugen vor Ort überhaupt keine Emissionen.
Die Deutsche Post DHL Group hat sich in Sachen Klimaschutz ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis zum Jahr 2050 will der Konzern alle logistikbezogenen Emissionen auf null reduzieren. Bereits heute betreibt das Unternehmen nach eigenen Angaben die größte ­Flotte an Elektrofahrzeugen in Deutschland. ­Dazu gehören rund 10.500 E-Bikes und ­E-Trikes sowie zurzeit circa 3.000 Street Scooter. Die von dem Logistikkonzern in Eigenregie entwickelten Elektroliefer­wagen namens Street Scooter werden im Rahmen des Projekts "CO2-freie Zustellung" von Bundesumweltministerium ­finanziell gefördert. Zudem verkauft der Logistikkonzern sie mittlerweile auch an Drittunternehmen.




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