Verkauf ins Ausland 24.07.2019, 08:08 Uhr

Cross-Border-Logistik: Hürden nehmen für den grenzenlosen Versand

Längere Lieferzeiten, höhere Versand- und Retourenkosten: Wenn Online-Händler auch ins Ausland verkaufen, brauchen sie eine durchdachte Strategie für die Logistik. Denn die lokale Konkurrenz hat Kosten- und Geschwindigkeitsvorteile.
(Quelle: shutterstock.com/Hello RF Zcool )
Von 268 Millionen europäischen Online-Käufern haben 200 Millionen schon einmal Waren im Ausland bestellt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des skandinavischen Versanddienstleisters Postnord. Doch um im internationalen Versandgeschäft erfolgreich zu sein, ist es nicht damit getan, Website und Kundenservice in der Landessprache anzubieten und länderspezifische Zahlarten zur Verfügung zu stellen.
Auch beim Versand sollten Online-Händler die lokalen Vorlieben ihrer Kunden berücksichtigen. Skandinavier und Franzosen etwa lassen sich ihre Sendungen gern an einen Paket-Shop liefern. In anderen europäischen Ländern ist diese Option hingegen weniger beliebt, zeigt die Studie von Postnord.Beim sogenannten Cross-Border-Versand (Versand über Grenzen, ins Ausland) müssen Online-Händler mit den Versandkosten mithalten, die lokale Händler ihren Kunden bieten.

Showstopper: Hohe Versandkosten

25 Prozent der Online-Besteller lassen sich durch hohe Versandkosten von einer Bestellung im Ausland ­abschrecken, so eine 2018 durchgeführte Online-Umfrage von PayPal unter 34.000 Verbrauchern in 31 Ländern ("PayPal Cross-Border Consumer Research 2018").Die meisten Händler, die aus Deutschland versenden und mit einem kleinen Volumen starten, bezahlen ungefähr fünf bis sechs Euro mehr für den Versand als ihre Wettbewerber vor Ort, berichtet Henning Heesen, Chief Product Developer vom Logistikdienstleister Salesupply. Um bei Kunden im Ausland trotz längerer Lieferzeiten im Vergleich mit lokalen Wett­bewerbern zu punkten, sollten Online-Händler ihre Versandkosten subventionieren. Sie sollten "weniger verlangen als die lokale Konkurrenz oder sogar einen Gratisversand anbieten", empfiehlt Heesen.
Wird das internationale Sendungsaufkommen höher, kann sich der Versand über Shipping Service Provider lohnen. Unternehmen wie Shipcloud, Sendcloud oder Parcel One fungieren als Mittler zwischen Paketdienst und Händler und bündeln die Sendungen ihrer Kunden. Durch Mengenrabatte wird auch der Versand ins Ausland günstiger. Außerdem können Online-Händler vom Know-how der Shipping Service Provider profitieren, was lokale Paketdienste und Lieferpräferenzen betrifft, erzählt Alexander Durz, Head of Account Management und Logistikexperte bei Pixi von Descartes Systems: "Die wissen zum Beispiel auch, mit welchem Dienstleister man in Portugal am besten zustellt." Shipping Service Provider können auch den Retourenversand übernehmen.

Herausforderung Lieferzeiten

Neben den Kosten sind die Lieferzeiten eine Herausforderung beim grenzüberschreitenden Versand. Denn die Ansprüche der Verbraucher steigen. "Next Day Delivery", die Lieferung am nächsten Tag, gehört vielerorts inzwischen zum Standard. Der Studie von Paypal zufolge befürchten 24 Prozent der Befragten längere Lieferzeiten, wenn sie Waren aus dem Ausland bestellen. Ebenfalls 24 Prozent haben sogar Bedenken, dass sie die Ware überhaupt erhalten.
Händler, die ihre Ware von Deutschland aus verschicken, sind gegenüber lokalen Anbietern bei den Lieferzeiten im Nachteil. Heesen erzählt, dass etwa in den Niederlanden viele Händler ihren Kunden als Cut-off-Zeit 23.29 Uhr bieten können. Bis zu diesem Zeitpunkt muss eine Bestellung im Online Shop eingegangen sein, damit sie am nächsten Tag zugestellt wird. "Auch Same Day Delivery wird immer mehr nachgefragt - während ausländische Händler drei, vier oder fünf Tage Lieferzeit haben", weiß Heesen.
Erschwerend kommt für Heesen hinzu, dass deutsche Online-Händler ihre Lieferzeiten im Shop immer "superehrlich" angeben. Für 22 Prozent der von Paypal befragten Online-Shopper sind Retouren eine Hürde bei grenzüberschreitenden Bestellungen. Was Retouren betrifft, "hat jedes Land seine Eigenheiten", so Alexander Durz von Pixi. Auch wenn Online-Händler ein vorfrankiertes Retourenlabel mitschicken, hat Durz die Erfahrung gemacht, dass es trotzdem oft zu Rückfragen kommt - und dann sollten sie unbedingt einen Kundenservice in Landessprache anbieten. Viele Händler bieten kostenlose Retouren an, doch kostet eine Rücksendung aus dem Ausland circa zehn Euro und dauert drei bis vier Tage. "Da ruft der Kunde oft schon im Callcenter an und fragt nach, wo seine Erstattung bleibt", sagt Heesen.

Ein Lager im Zielland spart Zeit und Kosten

Unter bestimmten Voraussetzungen lohnt es sich, die Waren im Zielmarkt einzulagern, um Versandkosten und Zeit zu sparen. Heesen zufolge ist das für die Händler sinnvoll, deren Anzahl an Lagerhaltungseinheiten (Stock Keeping Units, SKU) sich in Grenzen hält oder die ihre 100 bis 250 meistverkauften Produkte genau kennen: "Für einen kleinen Händler mit 10.000 verschiedenen Produkten lohnt sich ein lokales Lager nicht." Händler können ihr grenzüberschreitendes Fulfillment - inklusive lokalem Warehouse - auch an einen Dienstleister auslagen. Das ist für die Unternehmen interessant, die kein zusätzliches Personal auf bauen wollen.
Neben Lieferzeiten und Versandkosten sollten Händler länderspezifische Verbraucherrechte oder Verpackungsvorschriften im Auge behalten. Beim Versand außerhalb der EU sollte auch der Aufwand für die Verzollung mit einkalkuliert werden.
Ein weiterer Aspekt, der Alexander Durz zufolge gern vernachlässigt wird, aber erhebliche Folgen haben kann, sind Sanktionslisten. Das sind Verzeichnisse von Waren oder Personen, für die wirtschaftliche Einschränkungen gelten: "Was auf den ersten Blick wie eine einfache Fashion-Lieferung aussieht, kann bei näherer Betrachtung problematisch werden, wenn sich die Kleidung als Tarnanzüge oder die Schuhe als Militärstiefel entpuppen, die an Personen, Vereine oder Organisationen geschickt werden sollen, die auf einer Sanktionsliste stehen."



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