Jochen Werne, Bankhaus August Lenz 06.10.2019, 10:18 Uhr

"Deutschland dürfte ein schwieriges Umfeld für Libra darstellen"

Der Höhenflug der Bitcoin-Aktien hat einen wahren Hype um Kryptowährungen ausgelöst. Sind Währungen wie Libra dabei auch eine spannende Option für den Handel? Antworten gibt Jochen Werne vom Bankhaus August Lenz.
Jochen Werne, Bankhaus August Lenz
(Quelle: Bankhaus August Lenz)
Der Höhenflug der Bitcoin-Aktien hat einen wahren Hype um Kryptowährungen ausgelöst und mit Facebooks "Libra" scheint das Thema auch in der breiten Öffentlichkeit angekommen zu sein. Doch Hand aufs Herz - sind Kryptowährungen wirklich eine spannende Option für den Handel?
Jochen Werne, Direktor Business Development, Marketing, Product Management, Treasury und Payment Services beim Bankhaus August Lenz, hat sich damit intensiv beschäftigt.
Kryptowährungen als Zahlungsmittel im Handel dürften sich für die meisten Händler aktuell als unverstellbare Variante darstellen. In welchem Zeitrahmen könnte sich das ändern?
Jochen Werne: Die Frage beinhaltet schon sehr gut die Antwort, nämlich dass Kryptowährungen als Zahlungsmittel für den Handel aktuell schwer vorstellbar sind. Implizit liegt die Vermutung nahe, dass dies hauptsächlich am technisch regulatorischen Umfeld liegt, doch darf man nie die wichtigste Komponente für den Handel außer Acht lassen und dies ist die Akzeptanz und Durchdringung beim Endkunden. Diese steht und fällt mit dem Vertrauen des Endkunden in die Zahlmethode.
 
In welchen Bereichen des Handels sehen Sie Kryptowährungen am ehesten?
Werne: Wie bei den meisten technologischen Innovationen, werden Use Cases dort auch von wirtschaftlichem Erfolg gekrönt, wo das neue Angebot auf eine affine Zielgruppe trifft. Dies wird in diesem Fall vermutlich ähnlich werden, nachdem die technisch regulatorischen Hürden überwunden sind. Es wäre jedoch reine Spekulation über mögliche Akzeptanzraten heute eine Aussage zu treffen.
Wie schätzen Sie Libra ein? Wie ist die Relevanz für den deutschen Markt?
Werne: Libra ist eine logische Fortsetzung der bereits existierenden Ansätze mit dem Fokus eine Kryptowährung als stabiles Zahlungsinstrument zu installieren und ihr den Charakter eines Spekulationsinstruments zu entziehen. Dieser Ansatz ist grundsätzlich sicherlich interessant, doch stößt bei Notenbanken und Staaten verständlicherweise auf heftigen Widerstand. Ihre hoheitliche Aufgabe der Schaffung einer Geldwertstabilität durch eine vertrauensschaffende unabhängige Notenbankpolitk beinhaltet natürlich auch Gefährdungspotential durch parallele Währungen und Einflüsse zu erkennen und zu regulieren.
Die Relevanz von Libra für den deutschen Markt wird sich erweisen, doch bleibt zu vermuten, dass - die Regulatorik einmal außen vor gelassen - der deutsche Markt aus kulturellen Gesichtspunkten ein schwieriges Umfeld für Libra darstellen dürfte. "German Angst" und die Liebe der Deutschen zu Bargeld sollen nur zwei Punkte darstellen, die zeigen, dass Deutschland, zwar nicht in der Forschung, doch sehr wohl in der Anwendung meist nicht als First-Mover-Markt gehandelt wird.
 
Facebook hat für Libra die Non-Profit Libra Association (Libra-Stiftung) mit Sitz in Genf in der Schweiz initiiert. Mit dabei sind Organisationen wie Mastercard, Visa, PayPal, Stripe, eBay, Facebook, Uber, Lyft, Spotify, Vodafone, Coinbase, Andreesen Horrowitz, etc. Was lesen Sie daraus?
Werne: Dass Allianzen bei globalen Projekten von großer Bedeutung sind. Dies ist jedoch auch keine Neuigkeit, wenn man sich daran erinnert, dass beispielsweise vor Jahren bereits namhafte Banken weltweit in einer globalen Allianz das Blochchain-Konsortium R3 mit Sitz in New York gegründet haben. Besonders interessant wird zu beobachten sein, wie sich die Libra Association Mitglieder verhalten werden, falls Sie einen Image-Schaden durch eines ihrer Mitglieder fürchten oder dieses in besondere Weise von Maßnahmen der amerikanischen Behörden betroffen wird.
Manche gehen davon aus, dass Libra vor allem in Entwicklungsländern, wo die Menschen zwar Smartphone sowie Internetzugang, aber kein Bankkonto besitzen, ein echter "Game Changer" sein könnte. Denn fast die Hälfte aller erwachsenen Menschen weltweit hat kein Konto. Sehen Sie das auch so?
Werne: Es ist immer zu befürworten, wenn Möglichkeiten gefunden werden den freien Austausch von Waren und Dienstleistungen zu fördern und der grundsätzliche Zugang zu Möglichkeiten des Zahlungsverkehrs, insbesondere wo dieser zuvor nicht gegeben war, stellt dies natürlich dar. Doch bleibt sicherlich auch abzuwarten, ob Libra diese Lösung darstellen kann.
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Quelle: Payment Summit

 
Auf dem diesjährigen Payment Summit am 6. und 7. November 2019 in Hamburg wird Jochen Werne Händlern noch mehr Insights zum Thema "Kryptowährungen als Chance für den Handel" geben.

Dunja Koelwel
Autor(in) Dunja Koelwel



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