Vorwurf: Rosinenpickerei 10.02.2015, 11:00 Uhr

Netzagentur kritisiert Telekom scharf

Im Interview mit dem Handelsblatt wirft Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, großen Anbietern wie der Telekom vor, einen sehr selektiven Breitbandausbau in ländlichen Gebieten zu betreiben.
Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur
(Quelle: Bundesnetzagentur 2014 )
Scharfe Breitseite von der Bundesnetzagentur: Präsident Jochen Homann hat in einem Interview mit dem Handelsblatt ungewohnt scharfe Worte an die großen Netzbetreiber wie die Deutsche Telekom gerichtet. Er wirft den Unternehmen einen äußerst selektiven Ausbau ihrer Breitbandnetze in ländlichen Regionen vor. So würden die Netzbetreiber zunächst die Erschließung einer Gemeinde ablehnen, wenn jedoch ein anderer, oftmals kleinerer Anbieter seine Pläne bekannt gibt, dort ein Netz zu installieren, dann würden auch Telekom und Co. plötzlich dort aktiv werden.
„Es ist verwunderlich, wenn Unternehmen einerseits die hohen Kosten des Breitbandausbaus im ländlichen Raum beklagen, andererseits aber offenbar genug Geld dafür vorhanden ist, punktuell gerade dort einen parallelen Breitbandausbau zu finanzieren“, so Homann im Handelsblatt.
Dieses "Rosinenpicken" würde erschwert, wenn Unternehmen, die bei der Verteilung von Fördermitteln kein Interesse an einem bestimmten Ausbaugebiet zeigen, "für eine gewisse Zeit an diese Aussage gebunden wären“, fordert der Präsident der Regulierungsbehörde. Gleichzeitig sieht er dabei aber nicht seine Behörde in der Pflicht, vielmehr seien "in erster Linie die Beihilfe gewährenden Stellen und Fördermittelgeber gefragt".
Um den Breitbandausbau auch in bisher unzureichend versorgten Regionen zu beschleunigen, planen Bund und Länder bereits seit langem die Neuzuteilung von Frequenzblöcken an die Mobilfunknetzbetreiber. Mit der im Januar 2015 erfolgten Zustimmung des Beirats der Bundesnetzagentur zur Vergabe eines Frequenzpakets von insgesamt 270 Megahertz ist nun eine weitere Hürde genommen.



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