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Münchner Webwoche
02.11.2016, 10:30 Uhr

Initiator Prof. Wolf Groß: "Start-ups haben es in München nicht leicht"

Nicht ganz so bekannt und so groß wie die dmexco oder die Rockstars, aber nicht minder spannend: Die Münchner Webwoche startet am 3. November. Initiator Prof. Wolf Groß erklärt, warum es München Start-ups oft schwierig macht und wo die Digitalisierung hängt.
Prof. Wolf Groß, Isarnetz, Initiator der Münchner Webwoche
(Quelle: Münchner Webwoche)
Bits & Pretzels, StartupCon und Co: Neben den etablierten Digital-Veranstaltungen wie der dmexco, den Online Marketing Rockstars oder der d3con gibt es inzwischen zahlreiche kleinere Events, die vielleicht nicht jeder auf dem Schirm hat. Eins davon ist auch die Münchner Webwoche. Sie findet vom 3. November bis 11. November als dezentrale Veranstaltung in ganz München statt. Wir haben im Vorfeld mit dem Initiator Prof. Wolf Groß vom Isarnetz gesprochen.
Wenn es um Deutschlands Digitalität geht, wird oft Berlin genannt - als klassische "Start-up-Hauptstadt". Welche Rolle spielt da München, wie digital ist München?
Prof. Wolf Groß: Nach dem aktuellen Ranking der "European Start-up Initiative" steht München innerhalb Deutschlands auf dem zweiten Platz und europaweit auf Platz acht. Damit liegen wir vor Kopenhagen, Wien, Zürich, Paris und Hamburg. Neben dem "Access to Talent", der Vielzahl hochqualifizierter Hochschulabsolventen, Fachkräften und Angestellten, und dem "Access Capital" ist es vor allem - so stellt es Studie heraus - das digitale Ökosystem, das München einen der vorderen Plätze innerhalb der europäischen digitalen Hotspots beschert.
Welche Player in München prägen dieses digitale Ökosystem am meisten?
Groß:
LMU, TU und die anderen Hochschulen, Firmen wie Google, Microsoft, BMW, LinkedIn und Siemens sind in München ansässig, ebenso wie tausende von IT-Firmen, Entwicklern, Agenturen, Medienproduktionen und spezialisierten Dienstleistern. MunichStartup und BayStartUP machen eine hervorragende Arbeit, genauso wie die Startup Initiativen der Hochschulen und auch Unternehmer TUM. Wir haben tolle Co-Working Spaces und eine große "Maker-Szene" und damit insgesamt einen guten digitalen Nährboden.
Gibt es auch Nachteile in München?
Groß:
Ein Nachteil Münchens gegenüber Berlin - so stellt es auch die Studie heraus - ist die hohe "Burn Rate" durch die hohen Lebenshaltungskosten, Büromieten und Ähnliches. So haben es Start-ups nicht leicht und benötigen gerade auch in der Anfangsphase viel Geld und tun sich so schwerer den Break Even Point zu erreichen.
Deswegen ist in München nicht alles Gold was glänzt. Ein freies WLAN in der Stadt kommt kaum voran. Eine offene, bürgernahe digitale Stadtverwaltung scheint noch immer in weiter Ferne genauso wie eine breitflächige Ausbildung in Medienkompetenz. Das neue Kreativquartier in der Dachauerstraße ist eine supertolle Sache, kann aber bei dem riesigen Bedarf an kostengünstigen Räumen für Kreative, Medienschaffende und Start-ups nur ein Anfang sein. Hinzu kommt in München und Bayern manchmal auch eine gewisse Sättigung. Das Ausruhen auf vergangenen Erfolgen, eine "Mia san Mia"-Bräsigkeit kann den Standort auch in Gefahr bringen. Dies gilt insbesondere, wenn sich mancher in Stadt und Land den Ausmaßen des digitalen Wandels immer noch nicht bewusst ist oder dies lediglich als reines IT Thema einstuft.
In München hat sich die Bits & Pretzels inzwischen etabliert. Sehen Sie die Veranstaltung als Konkurrenz respektive welches andere Event ist für Sie der größte Wettbewerber?
Groß: Das Bits & Pretzels-Team macht einen super Job und hat es in kurzer Zeit geschafft, eine weit über Deutschland hinausgehende Bekanntheit zu erreichen. Die Veranstaltung leistet einen super Beitrag für das digitale Ökosystem Münchens.
Als Isarnetz und Münchner Webwoche sehen wir uns aber nicht in Konkurrenz zu bestehenden Initiativen oder Netzwerken. Im Gegenteil, wir bieten mit der dezentralen Münchner Webwoche eine Plattform für bestehende Organisationen, Netzwerke und eben auch Kongressveranstaltungen.
Wir kooperieren auch mit Bits & Pretzels und bewerben uns gegenseitig. Wir haben für sie geworben und sie sind Netzwerkpartner der Münchner Webwoche. Neben den Pretzels gibt es mindestens ein duzend kleiner und großer kongressähnlicher Internet- und Digitalforen vom Vision Award über 48forward.com bis zum Zündfunk Netzkongress. Mir persönlich gefällt "Year oft he Monkey" oder jetzt "X" besonders, gerade auch weil es da auch einmal ein bisschen schräg und umso kreativer zugehen kann und nicht nur das typische Internet und Marketing abgespult wird.
An wen richtet sich nun die Webwoche?
Groß:
Im Prinzip richtet sich die Münchner Webwoche an alle Interessierten. Dieses Jahr haben wir erstmals auch eine Reihe Events, die auch Neulinge und Jugendliche ansprechen. Wie etwa den Berufsinformationstag "Irgendwas mit Internet" am 10. November oder auch die Pädi Preisverleihung. Nichtsdestotrotz stehen vor allem alle Beteiligten der Digital- und Kreativgesellschaft im Fokus, damit sind auch Blogger oder Marketers miteingeschlossen.
Warum stellen Sie sich so dezentral auf?
Groß:
Das Konzept der Webwoche als dezentraler Internet- und Digitalkongress ist es, allen Partnern der Webwoche die Möglichkeit zu geben, sich dran beteiligen zu können. Durch die Dezentralität kann jedes Unternehmen, jede Organisation ihr Event an seinem Platz ausrichten. Die Unternehmen und Organisationen können ihre Events auf diesem Weg ideal inszenieren. Wir kommen damit vielmehr in die Breite und vor allem mit mehr Nachhaltigkeit. So wichtig zentrale Kongresse sind, die Ergebnisse "verstrahlen" oft relativ schnell. Durch die eigene Umgebung können wir auch das typische Tagungs-bzw. Messefeeling mit hohen, teilweise astronomischen Eintrittspreisen vermeiden.
Was sind Ihre persönlichen Highlights in diesem Jahr?
Groß:
Dieses Jahr wird es über 60 spannende Veranstaltungen geben. Klar bin ich beim Abendempfang der Münchner Webwoche am 3. November. Auf die Keynote von Christiane Brandes-Visbeck über "Digital Leadership" bin ich ebenso gespannt wie auf die Gewinner der Isarnetz Awards. 200 Blogs aus München und Umgebung sind im Rennen. Beim großen Business Speed Dating vorher am Abend habe ich in den letzten Jahren tolle Leute kennengelernt.
Mit meinen Kindern werde ich zwischendurch über die Forscha schlendern, dort soll es in diesem Jahr etwa einen neuen "Mini-Maker-Space" geben. Ganz besonders freue ich mich auf das Isarcamp am 5.11. Das ist ein Barcamp, also eine offene Tagung mit Vorträgen, aber vor allem offenen Workshops, deren Inhalt und Ablauf von den Teilnehmern zu Beginn selbst entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet wird. Dieses Jahr stehen die Schlagwörter "Change" und "Digital" im Vordergrund.
Auch die "New Work Session" am 8.11 zur Arbeitswelt von Morgen finde ich wegen des Themas und der angekündigten Referenten absolut spannend.



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