Mit Webanalyse auf der sicheren Seite 08.02.2011, 10:55 Uhr

"In Deutschland grassiert eine diffuse Angst"

Deutsche Datenschützer drohen Webseitenbetreibern mit Bußgeldern und Verfahren, wenn diese Google Analytics einsetzen. internetworld.de sprach mit dem Webanalyse-Experten Timo Aden von Trakken über deutsche Ängste, Horrorszenarien und Alternativen zum Webtracking.
Mit Webanalyse auf der sicheren Seite
Timo Aden, Geschäftsführer von Trakken
Herr Aden, lässt sich Google Analytics überhaupt datenschutzkonform verwenden?
Timo Aden: Geht man vom EU-Recht aus, so ist die Verwendung von Google Analytics in seiner jetzigen Form meiner Ansicht nach legal. In Deutschland halten zwar einige Datenschützer IP-Adressen für personenbezogene Daten - dies ist aber durchaus umstritten. Mehrere Gerichte haben in Urteilen genau das Gegenteil festgestellt.
Damit wäre der Einsatz von Google Analytics nur noch mit verkürzten IP-Adressen möglich?
Aden: Ja, das gilt aber nicht nur für Googles Analyse-Tool, sondern für alle Anbieter. Selbst bei der Messung der IVW werden IP-Adressen vollständig übertragen. Die Technik dahinter ist ja immer dieselbe. Bei allen Trackinglösungen muss ein Code in die Website implementiert werden; es wird userseitig ein Cookie gesetzt und der Browser des Nutzers tauscht Daten mit dem jeweiligen Toolanbieter aus. So grundsätzlich, wie die Diskussion derzeit geführt wird, ist die Zukunft der Webanalyse in Deutschland generell bedroht.
Wie personenbezogen sind denn IP-Adressen?
Aden: Meiner Meinung nach lassen sich IP-Adressen nicht auf eine einzelne Person beziehen, höchstens auf einen einzelnen Rechner. Welche Person davor sitzt, kann keine Analyselösung feststellen. Und das ist auch gar nicht so spannend. Den Webanalysten interessieren ja nicht die einzelnen User, höchstens einzelne Nutzergruppen. Wichtig sind dagegen die Trends, die sich aus dem Nutzerverhalten ableiten lassen.
Laut E-Privacy-Richtlinie der EU müssen Seitenbetreiber ihren Nutzern künftig mehr Informationen über ihre Webanalyse und die gesetzten Cookies geben. Halten Sie  mehr Aufklärung für erforderlich?
Aden: Auf jeden Fall. Da ist viel gefährliches Halbwissen in der Welt - und das führt zu einer diffusen Angst vor allen möglichen Szenarien. Natürlich muss die Privatsphäre der Nutzer geschützt werden, aber man darf auch nicht über das Ziel hinausschießen. Google schreibt den Nutzern von Analytics in den Nutzungsbestimmungen vor, dass sie ihre Besucher über den Einsatz des Tools informieren müssen. Wer das nicht macht, setzt das Tool unerlaubt ein. Die User schon vor dem Aufruf der eigentlichen Webseite zu warnen, halte ich aber für übertrieben. Das kann kaum im Sinne des Users sein.
Sie fordern mehr Gelassenheit, ist der Datenschutz nur in Deutschland so ein heikles Thema?
Aden: In der Tat ist es ein rein deutsches Thema. In anderen Ländern geht man damit deutlich lockerer um. Selbst in Ländern wie der Schweiz, Frankreich oder auch in den skandinavischen Staaten, die nicht im Verdacht stehen, allzu laxe Gesetze zu haben, wird entspannter debattiert. Das Internet darf nicht als das Böse hingestellt werden.



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