CSU fordert Breitband-Ausbau 24.07.2013, 11:41 Uhr

Bayern 3.0

Bayerns CSU setzt für die Zukunft aufs Internet. Die Verfügbarkeit des schnellen Internet soll durch den Ausbau von Breitband und WLAN-Punkten im Bundesland beschleunigt, ein Internet-Kompetenzzentrum aufgebaut und die Aus- und Weiterbildung verstärkt werden. Doch Gemeinden klagen über  komplizierte Förderprogramme, Investoren wiederum befürchten die Abwanderung von Gründern nach Berlin.
CSU fordert Breitband-Ausbau
Horst Seehofer bläst zur Online-Offensive. Nach "Laptop und Lederhose" wird nun im Wahlprogramm der CSU "Bayern 3.0" ausgerufen: "Die Chancen des digitalen Zeitalters sind für Bayern sind immens", so Bayerns Ministerpräsident auf dem "Digitalisierungskongress – Bayern", der Politiker mit Vertretern der Internetwirtschaft zusammenbrachte. "Die Digitalisierung wird sehr viel Dynamik, Wachstum, Arbeitsplätze auslösen." Geplant wird neben dem Ausbau von Breitbandtechnologie die Einrichtung eines Internetkompetenzzentrums in München, mehr Programme zur Aus- und Weiterbildung an Schulen und Universitäten sowie die Förderung von Start-ups und Internet-Unternehmer.
Mit 100 Millionen Euro investiert Bayern bereits heute schon mehr in den Ausbau schneller Glasfasernetze als andere Bundesländer. Während des Kongresses versprach Manuel Cunero, Geschäftsführer des Netzbetreibers Kabel Deutschland, in 50 bayerischen Städten 300 öffentliche WLAN-Hotspots einrichten zu wollen. Unternehmenskunden sollen hier ab nächsten Oktober unbegrenzt kostenlos surfen können, alle anderen wenigstens 30 Minuten am Tag. Näher betrachtet liegen die Hotspots jedoch bevorzugt in größeren Städten und in den touristischen Regionen des Landes, die heute schon gut mit Breitband ausgestattet sind. Der Ausbau von Glasfasernetzen, der schnelles Internet in die Fläche und in abgelegene Gemeinden brächte, stockt indes. "Das Förderprogramm ist so kompliziert", klagte Jürgen Busse, Geschäftsführer des Gemeindetages.  "Die Kommunen können im laufenden Jahr höchstens die Hälfte der Zuschüsse abrufen."
Mehr Gründer gesucht
"Bayern als Leitregion des digitalen Aufbruchs zu etablieren, wird nur in Partnerschaft mit den Wissenschaften und der Wirtschaft funktionieren", sagt Seehofer. "Es heißt ja immer, Gründer gingen nach Berlin, aber mit 370.000 Angestellten im Bereich Informationstechnologie und Kommunikation sowie Medien ist Bayern in Deutschland die Nummer eins." Ein Kompetenzzentrum für digitale Fragen soll in München entstehen, Wissenschaftler, Unternehmer und soziale Gruppen an einen Tisch bringen und dafür sorgen, dass die Gründerkultur wieder erstarkt. Sie soll auch durch den Aufbau von Gründerzentren gefördert werden.
Das ist notwendig: Mehr als die Hälfte der Investitionen, so die Beobachtungen von  privaten Investoren und Business Angels aus München, fließen inzwischen in Start-ups mit Sitz in Berlin. Das Kapital unterstützt nicht mehr nur kreative Mediengeschäfte oder Dienstleistungen. In Berlin entstünden inzwischen ebenfalls innovative Web-Technologien, die bisher eher in München oder Karlsruhe gesucht wurden. "Wer hier gründet, muss wegen der hohen Kosten ein Geschäftsmodell zwei bis dreimal häufiger durchdenken als in Berlin", nennt Olaf Jacobi, Partner von Target Partners einen Grund. Mieten und auch Personalkosten liegen in München und Umgebung deutlich höher als in der Hauptstadt, zudem ist Berlin Anziehungspunkt für junge Fachkräfte. "Eigentlich bietet Bayern eine gute Infrastruktur für Gründer, aber die Szene ist viel zu wenig vernetzt", ergänzte Stefan Tirtey von Doughty Hanson & Co einen weiteren Standortnachteil.



Das könnte Sie auch interessieren