Suchmaschinen-Regulierung 27.09.2012, 10:21 Uhr

Miriam Meckel will Bundes-Netzminister

In einem aktuellen Paper hat die Universität St. Gallen Bedrohungen für die Informationsvielfalt im digitalen Zeitalter zusammengefasst. Miriam Meckel, Direktorin am St. Gallener Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement, fordert darin eine stärkere Regulierung von Suchmaschinen.
Miriam Meckel fühlt sich durch Suchmaschinen manipuliert
Die Arbeit mit dem Titel "Vielfalt im digitalen Medienensemble" wurde im Auftrag der Initiative für einen wettbewerbsfähigen Onlinemarkt (ICOMP) angefertigt.
Miriam Meckel kritisiert darin vor allem die mangelnde Vielfalt von Suchmaschinen wie Google, Yahoo und Co., die den Nutzer in einem, wie sie es nennt, "algorithmischen Trichter" gefangen halten: Die Nutzer fühlten sich im Netz zwar in einem freien Informationsumfeld, Suchmaschinen seien allerdings keineswegs frei. Vielmehr beruhten sie auf durchdachten Geschäftsmodellen und konfrontierten den Nutzer dadurch mit einer Sicht auf die Welt, die durch ihre Suchalgorithmen geformt sei. Zusätzlich gäben die Nutzer auch noch persönliche Daten preis, die die Suchmaschinen wiederum nutzten, um uns personalisierte Suchergebnisse zur Verfügung zu stellen. Durch die Anpassung der Suchergebnisse an die vermeintlichen Vorlieben der Anwender bestehe die Gefahr, dass neue und unbekannte Dinge kaum noch auftauchen - Ergebnisse, die nicht zum Nutzerprofil passen, würden hingegen einfach ausgeblendet.
Darum plädiert Meckel in ihrem Paper für mehr Aufklärung: Man müsse den Nutzern die Abläufe einer Suchanfrage besser erklären. Außerdem sei eine Zustimmung des Nutzers bei persönlichen Datenerhebungen unbedingt erforderlich. Darüber hinaus fordert die Forscherin eine Koordinationsstelle für digitale Medienpolitik. Die Medienwissenschaftlerin Miriam Meckel setzt sich für die Einrichtung eines Netzministers im Bundeskanzleramt ein, um im Internet den Zugang zur Informationsvielfalt abzusichern. Offene Plattformen und Schnittstellen müssten ebenso garantiert werden wie eine Wahlfreiheit an Zugangspunkten zum Netz. Ferner müssten Voreinstellungen populärer Suchmaschinen einfacher kontrollierbarer sein. „Traditionelle föderale Regulierungsansätze, die nach Mediengattungen differenzieren, gehen an der Medienwirklichkeit der Gegenwart vorbei“, so Meckel. Meckel kennt die Medienpolitik in den Bundesländern aus erster Hand: Vom März 2001 bis Oktober 2002 war sie in Nordrhein-Westfalen Staatssekretärin für Medien und Regierungssprecherin.
Die vollständige Studie steht hier kostenlos als PDF zum Download bereit.



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