Vergleich der Services 02.08.2017, 08:05 Uhr

Fulfillment: Die Angebote von Zalando und Amazon

Wie Amazon bietet seit einigen Wochen nun auch Zalando Fulfillment-Services an. Ein Blick auf die Unterschiede und Ähnlichkeiten der beiden Service-Angebote.
(Quelle: shutterstock.com/Alphaspirit )
Sechs Monate wurde getestet, dann war es so weit: Ende Juni hat Zalando seinen neuen Fulfillment-Service "Zalando Fulfillment Solutions" offiziell gestartet. Die rund 180 Teilnehmer des Partnerprogramms des Fashion-Versenders können Dienstleistungen wie Lagerung, Verpackung und den Versand von Ware, den Kundenservice oder die Retourenabwicklung kostenpflichtig nutzen. Als erste Kunden sind der Schuh-Shop Evita und der dänische ­Modehändler Bestseller mit an Bord. Bestseller vertreibt Marken wie Jack & Jones, Only und Vero Moda.
Der Vorstoß von Zalando ist Teil der im Frühjahr vergangenen Jahres verkündeten Plattformstrategie, wonach das Berliner Unternehmen zu einem "Betriebssystem für Mode" werden will. Momentan stehen den Zalando-Partnern zwei Modelle zur Verfügung: ein Basis- und ein Fast-Replenishment-Modell. Beim Basis-Modell kann der Händler frei entscheiden, welche Ware er in welchen Stückzahlen über Zalando lagern und verschicken lassen möchte. Das Fast-Replenishment-Modell ist ausschließlich für schnelldrehende Produkte gedacht, die sich in kurzer Zeit in großen Stückzahlen verkaufen lassen, beispielsweise Flipflops im Sommer. Über einen eigenen Algorithmus prognostiziert Zalando, welche Ware sich voraussichtlich wann in welcher ­Menge verkaufen lässt und gibt diese Information an den Händler weiter. Dieser kann so in kurzen Zeitintervallen die jeweils benö­tigte Menge an Ware nachliefern.

Der Zalando-Service ist auf spezielle Produkte begrenzt

Im Gegensatz zu Amazons Angebot "Versand durch Amazon"  ist der Zalando-Service auf Sortimente aus den Bereichen Mode, Schuhe, Accessoires und Sport begrenzt, denn nur Marken und Händler mit solchen Produkten können überhaupt Partner in Zalandos Partnerprogramm werden. Als Partner müssen sie zudem weitere Anforderungen erfüllen und ein 100-tägiges Rückgaberecht sowie einen kostenlosen Versand inklusive Retoure anbieten. Der neue Fulfillment-Service soll insbesondere kleinere Anbieter dabei unterstützen, diese Vorgaben einhalten zu können, damit auch sie  Zalando-Partner werden können.
Da der Fulfillment-Service von Zalando gerade erst gestartet ist, ist die Zahl der Kunden noch überschaubar. Infolgedessen muss Zalando Prozesse noch nicht so stark standardisieren und so straff organisieren wie Amazon. Ein Beispiel: Um reibungslose Abläufe auch für eine große Menge an Händlern sicherstellen zu können, vereinbart Amazon mit seinen Marktplatz-Partnern Vertragsstrafen für den Fall, dass die Ware nicht innerhalb des festgelegten Zeitfensters geliefert wird. Zalando bemüht sich nach eigenen Aussagen bei solchen Problemen, gemeinsam mit dem Partner eine Lösung zu finden.

Bei Amazon sind die Gebühren einheitlich festgelegt

Auch die Kosten für die einzelnen Fulfillment-Services sind bei Amazon einheitlich festgelegt, ein individueller ­Gestaltungsspielraum besteht nicht. Bei Zalando hingegen sind die meisten Gebühren Bestandteil des zwischen dem Händler und Zalando einzeln ausgehandelten Vertrags.
Eine Besonderheit gilt für die Versandkosten: Da Zalando bestrebt ist, eigene ­Artikel und Produkte von Partnern zusammen in einem Paket an den Kunden  zu schicken, teilt das Unternehmen sich die Versandkosten mit dem Partner.

Zalando will kein Logistik-Dienstleister werden

Unterschiede gibt es auch beim Kundenservice: Weil die Produkte der Partner sich nahtlos in das Zalando-Sortiment einfügen sollen, müssen sie vorgegebene Artikelinformationen liefern. Auf Basis dieser Angaben übernimmt der Zalando-Kundeservice die Bearbeitung von Anfragen zum Produkt. Der Amazon-Kundenservice beantwortet ausschließlich Fragen zum Versand.
Dafür kann Amazon mit seiner Größe und Vielfalt punkten: Der Versand ist für nahezu alle Produkte möglich, und zwar in fast jedes Land der Welt. Das ist aber – zumindest noch – nicht das Ziel der Berliner, betont Jan Bartels, Vice President ­Logistics bei Zalando: "Mit Zalando Fulfilllment Solutions haben wir nicht vor, Logistik-Dienstleister zu werden."



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