Digitalisierung der Finanzbranche 18.11.2019, 13:54 Uhr

Was Banken von FinTechs lernen können

Aufstrebende FinTechs bringen wieder Schwung in die angestaubte Finanzbranche. Etablierte Banken können von den innovativen und disruptiven Ansätzen der Start-ups viel lernen.
(Quelle: shutterstock.com/Rawpixel.com )
Von Christoph Schmiedinger, Executive Management Consultant bei borisgloger consulting
Banken und Sparkassen kämpfen derzeit mit Niedrig­zinspolitik, Wettbewerbsdruck, veralteten Mainframe-Architekturen und fehlendem Nutzerfokus. FinTechs schaffen es im Gegensatz dazu, ein modernes Kunden- und Nutzer­erlebnis zu erzielen, weil sie technologische Innovationen beherrschen und mit modernen Arbeitsmethoden einfach zu bedienende Lösungen entwickeln. Durch das Denken in Minimum Viable Products sind FinTechs zudem schneller am Markt. Pa­rallel dazu bauen sie modulare IT-Infrastrukturen, in denen ein Großteil der manuellen Arbeit digitalisiert und automatisiert werden kann. Zu guter Letzt ist die Anzahl der Mitarbeiter meist überschaubar, Entscheidungswege sind daher kurz, Teams relativ autonom und eigenverantwortlich.
Vor diesem Hintergrund können Banken von FinTechs vor allem auf drei Gebieten lernen:
Organisatorisch: Es ist sinnvoll, sich durch den Aufbau eines FinTechs inspirieren zu lassen und dessen Merkmale in die eigenen Strukturen einzuweben. Ziel sind unabhängige, möglichst end-to-end-fähige Teams, die gemeinsam an Produkten arbeiten. Die funktionale Zuordnung der Mitglieder sollte in den Hintergrund treten, um sich voll und ganz auf die Wertschöpfung zu konzentrieren. Idealerweise werden diese Teams möglichst lateral geführt, um einen hohen Grad an Selbstorganisation zu erreichen.
Technologisch: Future Banking bedeutet nicht, lediglich schöne Bedienoberflächen für Online-Banking zu bauen. Vorteile in Schnelligkeit und Flexibilität sind nur dauerhaft, wenn man Digital Banking im wahrsten Sinne des Wortes von vorne bis hinten neu denkt, auf die Zukunft ausrichtet und end-to-end betrachtet. Eine erfolgreiche Digitalisierungsinitiative nimmt aus technologischer Sicht daher die umfassende Weiterentwicklung und Modernisierung von drei Bereichen in den Fokus: Kernbanken- & Back­end-Systeme, Banking-Prozesse und Customer Experience.
Arbeitsweisen: Der Erfolg von FinTechs beruht auch auf einer gänzlich anderen Arbeitsweise. Ansätze wie Design Thinking oder Business Model Canvas können dazu beitragen, innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln und so neue Einnahmequellen zu etablieren. Für die Entwicklung der Produkte selbst kann Scrum zu einer schnelleren Time-to-Market beitragen und die Produkte zielgenauer auf die Kunden ausrichten, indem Nutzer-Feedback in den Entwicklungsprozess inte­griert wird. Kanban wiederum hilft, die bestehenden Prozesse zu analysieren, zu verbessern und Abhängigkeiten zu managen. Es lohnt sich also, langfristig moderne Produktentwicklungsmethoden auch im eigenen Unternehmen anzuwenden.
Entscheidend ist, FinTechs nicht als Konkurrenten wahrzunehmen, sondern mit ihnen zusammenzuarbeiten und sie als Sparringpartner zu nutzen.



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