Die E-Privacy-Richlinie und die Auswirkungen auf das Affiliate Marketing

Wie geht es nun konkret weiter?

Nachdem nun also der verschärfte Entwurf vom EU-Parlament bestätigt wurde, geht die Gesetztesvorlage zur Abstimmung in den Europäischen Rat. Dort stimmen dann die Mitgliedsländer der EU darüber ab. Nachdem sich die verschiedenen Parteien in Deutschland bekanntlich noch in den Koalitionsgesprächen befinden, gibt es derzeit noch keine einheitliche Position der Bundesregierung dazu.
Man kann also nur hoffen, dass das Thema Digitalisierung und die entsprechenden Folgen dieser E-Privacy-Richtlinie den Politikern bewusst werden und diese mit anderen EU-Mitgliedsstatten die Gesetzesvorlage in dieser Form nicht bestätigen.

Was passiert im Worst Case?

In den Gesprächen mit den Affiliate-Netzwerken und anderen Technologie-Anbietern hört man immer wieder, dass diese einen Plan B und C für den Fall der Fälle in der Hinterhand haben. Allerdings basieren diese Aussagen noch aus Zeiten, als manche vielleicht noch davon ausgegangen sind, dass diese Situation ja gar nicht eintreffen wird.
Dennoch gibt es natürlich technische Möglichkeiten, wie man Affiliates und Website-Betreibern auch zukünftig Monetarisierungsmöglichkeiten anbieten kann. In meinem Artikel über die Fusion von affilinet und Awin habe ich zum Beispiel bereits über das Projekt Verimi geschrieben. Dabei gründeten Unternehmen wie Axel Springer, die Deutsche Bank, Allianz, Telekom, Lufthansa, Bundesdruckerei und Daimlerbereits eine Multi-Log-In-Funktion, bei dem mit einem sogenannten Generalschlüssel (Single Sign-On) für sämtliche Online-Angebote, die von Verimi vermarktet werden, die User künftig mit einem einzigen zentralen Log-in möglichst viele Dienste nutzen können. Auch die RTL-Gruppe, ProSiebenSat.1 und United Internet mit dem Partner Zalando haben ebenfalls eine ähnliche Log-in-Allianz gegründet.
Damit könnte man also zukünftig mit einem Log-In automatisch mehreren Plattformen ein Werbeeinverständnis erteilen und damit eine Alternative zum Cookie-Tracking anbieten, ähnlich wie es die US-Internet-Riesen Amazon, Facebook und Google ja aktuell mit ihrem ID-Tracking ja ebenfalls bereits anbieten.
Die Frage ist natürlich, ob es gelingt die Internetnutzer flächenübergreifend davon zu überzeugen, diese Log-In-Systeme zu nutzen, beziehungsweise auch in den Browsern die Default-Einstellungen so zu ändern, dass Tracking wieder möglich ist.

Massive Protest-Mobilisierung

Nichtsdestotrotz muss sich die Branche bewusst sein, dass für den Fall, dass auch der Europäische Rat die E-Privacy-Richtlinie bestätigt, sich dennoch vieles verändern wird. Gerade für kleine Netzwerke, Technologie-Anbieter und Affiliates könnte sich der Änderungsaufwand und vor allem der Aufwand die rechtlichen Änderungen stets zu überprüfen, wirtschaftlich nicht mehr lohnen, so dass die Reichweite zurückgehen könnte.
Natürlich ist das alles ein Worst-Case-Szenario. Dennoch muss man sich mehr denn je akut damit auseinandersetzen, um nicht innerhalb kürzester Zeit böse Überraschungen zu erleben. Es braucht daher gerade in den nächsten Monaten bis zur Abstimmung weiterhin eine massive Protest-Mobilisierung wie sie etwa der BVDW und der IAB mit verschiedenen Aufklärungskampagnen bereits betreibt. Aber auch jeder Website-Betreiber und Affiliate für sich ist dafür zuständig Aufklärungsarbeit in eigener Sache zu betreiben und auf die möglichen Auswirkungen für die User hinzuweisen.
Auch wenn alle EU-Länder über die Zukunft entscheiden werden, ist es doch unsere Pflicht als Industrie, Arbeitgeber und auch Website-Betreiber in den kommenden Wochen und Monaten den Entscheidern und Politikern in Berlin die fatalen Konsequenzen dieses Vorgehens aufzuzeigen.
Es kann nicht das Ziel sein, die Internetnutzer in ihrer eigenen Verantwortung und Nutzerorientierung einzuschränken und zu Bevormunden. Es sollte weiterhin die Souveränität der Nutzer und der Branche gewährleistet werden, aber natürlich mit einem effektiven und nachhaltigem Datenschutz.



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