Next-Generation-ERPs: Grundstein für den digitalen Handel

Ohne Automatisierung ist Online-Handel unrentabel

Der Marktplatzexperte, E-Commerce-­Berater und Händler Michael Atug hat sich für die ERP-Lösung von Plentymarkets entschieden. Mit seinem Online Shop Mymaw.de verkauft er Werkzeuge etc. im Web und nutzt dabei auch Online-Marktplätze wie Amazon oder eBay.
Sein Hauptziel: Sämtliche relevanten E-Commerce-Prozesse weitgehend zu automatisieren. "Automatisierung sorgt dafür, dass ich überhaupt noch Geld verdiene", sagt er. Wenn beispielsweise ein Kunde über eBay bei Mymaw-Werkzeuge einen Hammer bestellt, wandert der Auftrag ins ERP-System - mit dem Status unbezahlt. Hat der Kunde seine Rechnung beglichen, werden alle Aufträge eines Tages automatisch gesammelt als Pickliste exportiert. Gleichzeitig werden ohne weiteres Zutun Versandetiketten und Rechnungen ­gedruckt. Anschließend versendet das System - ebenfalls vollautomatisch - eine E-Mail mit der Bestellbestätigung an die Kunden. Bezahlt der Kunde ­beispielsweise einen Kauf auf Rechnung nicht, wird - ­natürlich automatisch - eine Mahnung ­erstellt. Und muss eine Gutschrift angelegt werden, erfolgt dies auch mit wenigen Mausklicks. Auch die Ausspielung der Produkte auf die verschiedenen Marktplätze organisiert Atug über sein ERP-System - und profitiert dabei auch davon, dass alle Produktinformationen auch mehrsprachig angelegt und auf Knopfdruck an die unterschiedlichen Länderportale ausgespielt werden können.
Marktplatzexperte Michael Atug würde ohne Automatisierung mit E-Commerce kein Geld verdienen.
Quelle: Michael Atug
Welche ERP-Lösung für das eigene ­Unternehmen die beste ist, muss jeder ­Interessent für sich selbst herausfinden, indem er die Anforderungen genau definiert. "Wer letzten Endes nur einen Connector für Marktplätze braucht, wird sich ärgern, wenn er die eierlegende Wollmilchsau gekauft hat", sagt Berater Martin Himmel. Entsprechend wichtig ist es, ein Briefing zu erstellen, das sämtliche Komplexitätstreiber beinhaltet, Prozesse sauber darstellt und genau illustriert, was in welchen Systemen wann passiert. "Ich ­habe schon erlebt, dass Unternehmen das auf ein DIN-A4-Blatt gekritzelt haben", sagt Himmel. "Das reicht natürlich nicht. Da ist ein Scheitern des Projekts fast vorprogrammiert." Genauso unsinnig sei es, sich für eine Lösung zu entscheiden, nur weil ein IT-Leiter von extern bei einem ­anderen Unternehmen damit schon gute Erfahrungen gemacht habe.

Jede Lösung hat Stärken und Schwächen

Zudem muss berücksichtigt werden, dass auch Anbieter mit vergleichbarem Leistungsportfolio ihre individuellen Stärken und Schwächen haben. Während der bekennende Plentymarkets-Influencer Atug beispielsweise die Multichannel-Features seiner Software für die besten im Markt hält, schwärmen JTL-Liebhaber im ­Gegenzug von den Logistik-Features ihrer Lösung. Tech-Investor Frank Thelen wiederum hat der Ansatz von Xentral überzeugt.
Wer den Tech-Investor Frank Thelen live erleben möchte: Thelen spricht auf der TrendArena der INTERNET WORLD EXPO.
Quelle: Frank Thelen
Als er von dem Unternehmen durch seine Beteiligungen an den Höhle-der-­Löwen-Start-ups erfuhr, die teilweise auf die Xentral-Lösung setzen, machte er dem Unternehmen sehr schnell ein Beteiligungsangebot. "Mich hat bei Xentral der große Funktionsumfang begeistert. Viele Lösungen sind nur Nischenlösungen, ­haben dieses eine kleine Problem, das sie lösen. Xentral ist das gesamte Gehirn hinter einem Unternehmen. Das hat mich ­sofort begeistert", erklärt er.

Die Datenstrukturen müssen gut überlegt sein

Vor der Anschaffung einer neuen ERP-­Lösung sollten sich Unternehmen jedoch im Klaren sein: Wer sich einmal für ein bestimmtes Produkt entscheidet, wechselt in der Regel nicht mehr so schnell. Denn ein Umstieg ist nicht einfach. "Die Gefahr, dass da etwas schiefgeht, ist groß", sagt Händler Michael Atug. "Dann gehen plötzlich keine Pakete mehr raus oder man verliert alle Rankings bei seinen wichtigsten Marktplätzen."
Vor der Implementierung selbst sollten sich die Händler ausreichend Zeit nehmen, um zu überlegen, welche Ziele man mit dem neuen System überhaupt erreichen will, rät Berater Himmel. Und Händler Atug plädiert aus eigener Erfahrung dafür, schon vorab die für sich passenden Datenstrukturen zu entwickeln. "Wer das nicht mit Köpfchen macht, wird später frickeln und sich mit Schnittstellen und Workarounds behelfen müssen", sagt er. Auch sollte man sich frühzeitig klarmachen, wie man mit dem System mitwachsen will. Das betrifft auch die Kosten. "Händler, die mit 100 oder 1.000 Transaktionen pro Monat anfangen und dann auf 100.000 Transaktionen wachsen, werden sich ärgern, wenn sie beispielsweise 15 Cent pro Auftrag vereinbart haben und dann monatlich 15.000 Euro an den ERP-Anbieter überweisen", so Atug.
Auch bei der Auswahl der passenden ERP-Lösung gilt also: "Drum prüfe, wer sich ewig bindet ..."



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