Voice Commerce: O.K. Google, kauf Milch!

Convenience-Produkte eignen sich für sprachgesteuerten Einkauf

Bei Convenience-Produkten, die über einen minimalen Dialog ausgewählt werden, funktioniert der Vertrieb über Sprachsteuerung momentan noch am ­besten, schätzt Markus Schindler, Head of Sales und Marketing bei Hurra.com, einer Agentur für Suchmaschinenmarketing. "Bei generischen Suchbegriffen wie 'Abendkleid‘ oder 'Hose‘ fehlt nicht nur dem Nutzer noch ein Bild im Kopf, sondern dem Anbieter eine Menge Daten, um aus der Fülle der Angebote kundenspezifisch vorauszuwählen", schränkt er ein.
Eine große Hürde ist, dass die Sprach­assistenten heute noch relativ wenig können. Kein Sprachassistent versteht immer, was der Nutzer gerade von ihm wissen möchte. Angela Bischoff, Vice President für Projektgeschäft und Produktentwicklung im E-Commerce bei Arvato Systems, meint, dass Sprachassistenten zwar Suchwörter erkennen und dazu entsprechende Suchergebnisse liefern können, sie können jedoch nicht den Kontext interpretieren und die Absicht hinter der Suche erkennen. "Das wird vermutlich eine größere Hürde darstellen als das rein akustische, phonetische Verstehen", erklärt sie.
Noch kann Samsungs Bixby kein Deutsch
Quelle: Samsung
Nichtsdestotrotz denken Suchmaschinen- und Digital-Commerce-Experten darüber nach, welche Auswirkungen die Sprachsteuerung auf die Shops von morgen haben werden. Mathias Sieg von UDG United Digital Group empfiehlt, die Produkttexte so zu strukturieren, dass das ­Alleinstellungsmerkmal und die wichtigsten Informationen ganz am Anfang stehen. Diese sollten so formuliert sein, dass sie als Antworten auf Fragen dienen können und eine Länge haben, die sich auch gesprochen gut verstehen lässt.
Schindler von Hurra.com geht davon aus, dass die Sprachsuche neue Anforderungen an Produkttexte, Keyword-Kampagnen und die interne Suchlogik stellen wird: "Die Inhalte müssen in gewisser Weise Antworten auf die antizipierten Fragen der Nutzer bieten. Hier sind die meisten Online Shops noch dabei zu lernen." Die Möglichkeit, Sucheingaben mit ­Autovervollständigung zu unterstützen, entfällt bei der Suche per Sprachsteuerung. Das bedeutet, dass die Verschlagwortung der Produkte detaillierter werden muss.

Erste Experimente mit der Sprachsteuerung

Erste Händler experimentieren mit der Interaktion per Sprache. So hat der Auktionssender 1-2-3.tv gerade eine Alexa Skill für Amazon-Echo-Geräte veröffentlicht. Kundinnen des Auktionssenders können diese Alexa Skill mit ihrem Konto verknüpfen und darüber ein Gebot abgeben oder kaufen.
Im Online Shop Rewe.de hilft beispielsweise die Assistentin Caro bei der Rezeptsuche. Erreicht wird Caro über den Google Assistant, die Sprachsteuerung von Google. nach einer Aufforderung wie "Hey Google, frag Rewe nach einem Blumenkohl-Rezept" begleitet Caro die Nutzer von der Rezeptsuche bis zur Zubereitung.
Das erste Feedback der User war Rewe zufolge positiv. So kochten in den ersten Wochen nach dem Launch bereits rund 5.000 Nutzer mit Caro und tauschten mit ihr mehr als 17.000 Nachrichten aus.
Die nächsten Schritte sind laut Christoph Eltze, Vorsitzender der Geschäftsführung der Rewe Digital GmbH, die Optimierung der Nutzerführung sowie die Verbindung von Online und Offline. Angedacht ist zum Beispiel die Suche nach Informationen zum nächstgelegenen Rewe-Markt. Da scheint es naheliegend, irgendwann auch die Zutaten per Sprach­eingabe zu ­bestellen.
Auch wenn es heute noch ungewohnt und seltsam erscheint, Sprachbefehle an Geräte in unserer Umgebung laut auszusprechen, wird es in einigen Jahren wahrscheinlich so selbstverständlich sein, wie ein Gerät über die Berührung und Bewegungen auf dem Bildschirm zu bedienen. Auch das war vor elf Jahren, vor dem Siegeszug des iPhone, schwer vorstellbar.



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