Internationalisierung 03.09.2018, 08:09 Uhr

Übersetzungshilfe für den Online Shop

Je automatisierter der Übersetzungsprozess für Shop-Inhalte ist, desto einfacher für den Händler. Für die Automatisierung benötigen die Dienstleister Technik-Wissen.
(Quelle: shutterstock.com/Cybrain )
Für viele Online-Händler gehört die Entscheidung, ihre Waren auch im Ausland anzubieten, zur Wachstumsstrategie. Die Übersetzung in die jeweilige Landessprache ist ein wichtiger Schritt, um den Shop für Kunden in anderen Ländern attraktiv zu machen. Dafür ziehen Shops in der Regel einen Übersetzungsdienstleister heran. Doch das Angebot an Übersetzungsagenturen ist groß, denn inzwischen haben sich viele Dienstleister auf E-Commerce spezialisiert. Wie den passenden finden?

Die Max Grauert GmbH betreibt beispielsweise die Webseite Shopuebersetzungen.de und bietet darüber Sprachpakete für diverse Shop-Software-Lösungen wie Shopware oder Gambio an. Mit diesen Sprachpaketen wird das Frontend des Shops übersetzt, nicht jedoch die Produktdetailseiten. Deren Übersetzung muss der Händler eigens beauftragen, entweder bei Dialogticket.com, dem Fachübersetzungsdienst von Max Grauert, oder bei einem anderen Dienstleister.
Wenn sich Händler auf die Suche nach einem Übersetzungsdienstleister machen, lautet die typische erste Frage: "Was kostet das?" Üblich ist, nach der Anzahl der übersetzten Wörter abzurechnen. Der Wortpreis kann je nach Sprachen-Kombination variieren. "Natürlich kommt immer als Erstes die Frage nach den Kosten, dicht gefolgt von der Frage, ob wir auch wirklich mit echten Muttersprachlern zusammenarbeiten", berichtet Peter Seltsam, Geschäftsführer von Eurotext, einem Dienstleister für Fachübersetzungen. Zudem wollen die potenziellen Kunden wissen, wie lange Übersetzungen dauern und wie schnell das Unternehmen liefern kann. Wenn diese Dinge geklärt sind, werden die Fragen schnell spezifisch, sagt Seltsam und zählt auf: "Können unsere Linguisten die Warengruppen und Textsorten der Kunden bearbeiten? Verfügen wir über das erforderliche Know-how für die Keyword- und die Fachterminologie in der Zielsprache? Wie gestalten sich die technischen Möglichkeiten und Workflows?"

Typische Fragen

Ähnlichen Fragen begegnet Cecilia Bandolin, Key Account Manager bei 24Translate, einem Hamburger Unternehmen, das sich auf die Übersetzung von Webseiten und Online-Shops spezialisiert hat. Typische Fragen seien: "Wie kann man die Daten reibungslos und ohne 'Copy und Paste‘ in die Übersetzung geben und zurückimportieren? Wie sieht der Übersetzungsablauf aus und wie viele Leute sind am Übersetzungsprozess beteiligt?"

Damit die Dienstleister einen potenziellen Kunden einordnen können, klären sie ihrerseits Rahmenbedingungen ab: In wie viele Sprachen soll der Shop übersetzt werden? Mit welchem Shop-System arbeitet das Unternehmen? Gibt es bereits bestehende Übersetzungen? Wie häufig werden neue Texte erstellt, die übersetzt werden sollen? Victoria Weidemann, Chief Marketing Officer bei Textmaster, Anbieter von Übersetzungslösungen in der Cloud, erklärt, dass auch eine Analyse der zu übersetzenden Texte geboten sei, denn jeder Text, ob für Marketing oder eine Produktbeschreibung, habe so seine Besonderheiten.

Datenaustausch über Schnittstellen

Wenn Händler regelmäßig Texte zum Übersetzen geben, ist das Ziel, den Ablauf zu automatisieren. Daniel Kramer, Global E-Commerce-Manager bei Paulmann Licht, unterstreicht, dass es aus Händlersicht wichtig ist, so wenig ­manuellen Aufwand wie möglich bei der Übersetzung zu haben, und empfiehlt, bei der Auswahl darauf zu achten, ob der Dienstleister bereits Erfahrung mit dem Shop-System oder dem Product Information Management System (PIM) hat, das der Retailer nutzt.

Die von INTERNET WORLD BUSINESS befragten Übersetzungsdienstleister Eurotext, Languagewire, 24Translate und Textmaster bieten alle den Datenaustausch über eine Schnittstelle mit dem Shop- oder dem Content-Management-System an. Textmaster kann ­beispielsweise mit Plugins zu Magento, Akeneo, Salesforce Commerce Cloud, Wordpress und anderen ­aufwarten. Languagewire kann standardmäßig XML-Formate verarbeiten und übersetzen. "Über Client-Libraries können zudem diverse Plattformen angebunden werden. Shop-Content kann dann direkt aus dem Shop zur Übersetzung an Languagewire gesendet und später per Klick direkt an Ort und Stelle wieder importiert werden", erläutert Henning Hinz, Managing Director bei Languagewire. Ebenso wie Daniel Kramer von Paulmann Licht empfiehlt er, einen Dienstleister mit hoher Technologiekompetenz zu wählen. "Das reduziert den manuellen Aufwand und die Kosten erheblich", so Hinz.

Für die Kostensenkung ist auch ein "Translation Memory" hilfreich. Diese Datenbank speichert bereits übersetzte Fachbegriffe, Wörter oder Satzteile, sodass dafür keine doppelten Kosten anfallen. Als weitere spezifische Dienstleistungen für den Online-Handel nennen die Unternehmen "suchmaschinenoptimierte Übersetzungen". "Übersetzung und SEO sind unabhängig voneinander nicht denkbar", betont Peter Seltsam von Eurotext.

Tipps für Online-Händler von Übersetzungsexperten

Wir haben nachgefragt, welche Tipps Übersetzungsdienstleister Online-Händlern geben können. Hier sind die Antworten:

Victoria Weidemann, Chief Marketing Officer bei Textmaster:
"Die Internationalisierung des Online-Angebots bedeutet eine längerfristige Zusammenarbeit, deshalb sollte man die Agentur sorgfältig auswählen. Online-Händler sollten darauf achten, dass die Übersetzungsagentur auf den E-Commerce spezialisiert ist. Das bedeutet insbesondere, für spezifische Workflows, Saisonalitäten und Textsorten die richtige Lösung zu bieten."

 Cecilia Bandolin, Key Account Manager bei 24Translate:
"Online-Händler sollten sich im Voraus Gedanken machen, welche Informationen dem Übersetzer zur Verfügung gestellt werden sollen. Je mehr Referenzmaterialien der Übersetzer zur Verfügung hat, desto korrekter kann er übersetzen. In wie viele Sprachen soll (regelmäßig) übersetzt werden? Wie häufig werden Produktbeschreibungen und Ähnliches aktualisiert?"

 Peter Seltsam, Gründer und CEO bei Eurotext:
"Online-Händler sollten ihren Fokus auf die Übersetzungsprozesse legen und nicht auf den Wortpreis. Denn: Je besser die Prozesse, desto besser sind die Daten für unsere Übersetzungsdatenbanken, aus denen sich die Übersetzer bedienen. Darüber hinaus sollten Interessenten möglichst Stilproben einfordern. Nur so kann man das Qualitätsmanagement sicherstellen.“

Henning Hinz, Geschäftsführer bei Languagewire:
"In erster Linie müssen Online-Händler überlegen, wie viel Übersetzungsbedarf besteht. Geht es eher um eine initiale ­Lokalisierung und später eher um statischen Content, dann sind Schnittstellenthemen nicht so relevant. Gibt es laufend Aktualisierungen der Shop-Artikel, dann sind Anbindungen an Übersetzungsplattformen wichtig, um Content lokalisieren zu können."



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