Software-Vermietung 22.04.2018, 10:30 Uhr

So macht Pippa Jean seine IT-Lösung zu Geld

Nach dem Tupperware-Prinzip vertreibt Pippa Jean Schmuck und Lifestyle-Produkte. Jetzt macht das Unternehmen auch seine Software zu Geld und vermietet sie an Dritte.
(Quelle: Pippa Jean )
Wer ein spezielles Geschäftsmodell hat, braucht dafür in aller Regel auch eine spezielle IT-Lösung. Oft genug ist auf dem Markt aber keine geeignete Software zu finden, daher entwickeln viele Unternehmen ihre Plattform notgedrungen und oft mit großem finanziellem Aufwand selbst. Wenn das Geschäft dann läuft, und vielleicht die nächsten Wachstumsschritte finanziert werden müssen, liegt der Ge­danke nahe, die Software zu monetarisieren. Der Online-Händler About You hat im Herbst vergangenen Jahres diesen Weg eingeschlagen.
Als erstes Produkt stellen die Hamburger ihre "Backend"-Lösung über die Cloud für Drittunternehmen bereit. Nun folgt Pippa Jean diesem Beispiel: ­Unter der Bezeichnung "O3S" bietet das Frankfurter Unternehmen Dritten seine IT-Lösung als Software as a Service an.

IT für Tupperparty im Netz

Pippa Jean verkauft seit 2011 Schmuck, Parfüm und Accessoires über ein Netz von Vertriebspartnern, sogenannten Stylecoaches - meist Frauen, die nach dem Tupperware-Prinzip selbstständig zu Hause und über soziale Netzwerke die Produkte präsentieren und verkaufen. Jede Stylecoach hat zudem ihre eigene Shop-Seite innerhalb des Pippa-Jean-Auftritts. Ein weiteres Vertriebselement sind Facebook-Livestream-Partys.
Die "O3S"-Lösung von Pippa Jean ist auf den Direktvertrieb zugeschnitten. Sie deckt diverse Bereiche ab: Funktionalitäten zur ­Akquise von Vertriebspartnern, Tools zur individuellen Gestaltung der Partner-Shops sowie für E-Learning. Daneben stellt die Lösung Sales-Features zum Organisieren von Online- und Offline-Events bereit, zum Beispiel um Gastgeber zu gewinnen, Gäste einzuladen oder Facebook-Partys zu organisieren. Zudem sind Customer-Rela­tionship-Management-Funktionen, ein ­Bonusprogramm, ein Abrechnungssystem für die Verkaufsprovisionen sowie Analyse- und Reporting-Tools verfügbar.
Basis der Lösung ist die Open-Source-Software Magento 1. Die Migration auf Magento 2 soll bis Anfang 2019 abgeschlossen sein. Das System ist modular aufgebaut und kann über Schnittstellen mit Drittsystemen verbunden werden. Die Kosten starten bei 10.000 Euro im Monat, dazu kommt eine umsatzabhängige Nutzungsgebühr von 2,5 Prozent. Sie sinkt, wenn der Umsatz steigt. Wer die Software nutzt, kann sie weiterentwickeln, ist aber verpflichtet, diese Weiterentwicklungen Dritten zur Verfügung zu stellen. Dafür werden bis zu 25 Prozent der Nutzungsgebühr rückvergütet.

Zielgruppe sind Direktvertriebsunternehmen

Als Zielgruppe hat Gerald Heydenreich, Geschäftsführer von Pippa Jean, in erster Linie Direktvertriebsunternehmen im Blick sowie Markenhersteller, die ein solches Vertriebskonzept planen. Nach Angaben des Bundesverbands Direktvertrieb Deutschland gibt es rund 600 Direktvertriebsfirmen auf dem deutschen Markt. 
Eigentlich hatte Heydenreich von ­Anfang an geplant, mit der Software Einnahmen zu erzielen. Ursprünglich war ­genau dies der Geschäftszweck seines Unternehmens. "Aber 2011 war der Markt für eine solche Software-Lösung noch nicht reif", so Heydenreich. Daher entschied er sich, selbst in den Direktvertrieb einzusteigen - Pippa Jean ist das Ergebnis. In die Software hat das Unternehmen bislang einen hohen einstelligen Millionen-Euro-Betrag investiert.
Jetzt, sieben Jahre später, ist für Heydenreich der Zeitpunkt gekommen, die Lösung auf den Markt zu bringen. Ein erster ­Kunde ist der belgische Wäscheproduzent Van de Velde. Es ist wahrscheinlich, dass weitere Online-Händler dem Beispiel von About You und Pippa Jean folgen werden.



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