Was sind Consent Management Provider und wer braucht sie?

Interview zum "Opt-in and Transparency Layer" von Axel Springer

Software-Entwicklung gehört nicht zum Kerngeschäft des Medienkonzerns Axel Springer. Dennoch hat der Verlag die Einwilligungs-Software "Opt-in and Transparency Layer", kurz "OIL", entwickelt. Moritz Holzgraefe, Chief Operating Officer Corporate Digital Platforms bei Axel Springer, erklärt im Interview die Gründe dafür:

Moritz Holzgraefe ist Chief Operating Officer Corporate Digital Platforms bei Axel Springer
Warum hat Axel Springer diese Consent-Management-Software entwickelt?

Moritz Holzgraefe: Eine Software selbst zu entwickeln, ist für ein traditionelles Medienhaus wie Axel Springer sicher ein ungewöhnlicher Schritt, aber für uns war Flexibilität entscheidend. Eine eigene Consent-Management-Lösung gibt uns die vollständige Kontrolle über das Produkt und den Opt-in-Layer.
Können Sie das konkretisieren?
Holzgraefe: Mit unserer eigenen Software können wir beispielsweise die Tonalität der Nutzeransprache, die grafische Gestaltung und die Platzierung im Browserfenster selbst bestimmen. In Tests haben wir herausgefunden, dass die richtige Ansprache der Nutzer wichtig ist, um möglichst viele Conversions für die Einwilligung zu erhalten. Zudem interpretieren wir den Gebrauch von Tracking-Technologien anders als beispielsweise Google, die von Publishern ein "hartes" Opt-in fordern. Wir gehen davon aus, dass in Deutschland derzeit noch kein "hartes" Opt-in nötig ist. Unsere Software ist deswegen sowohl für Opt-in- als auch in Opt-out-Szenarien anwendbar. Anders als bei Google geht die Software zudem nicht mit einer Obergrenze bei den Vendoren einher, die über dieses Tool eingebunden werden können. Und schließlich bauen wir mit unserer Lösung auf dem Transparency & Consent Framework des IAB Europe auf. Dieses Framework hat einige Vorteile, zum Beispiel, dass wir besser steuern können, was welcher Partner mit den Daten machen darf.
Warum haben sie nicht eine externe Consent-Management-Lösung gewählt?
Holzgraefe: Wir haben uns viele Lösungen von Consent-Management-Providern angesehen, aber keine hat unsere Anforderungen erfüllt. Insbesondere können wir über unsere holistische Lösung und ein Cookie Preference Center sowohl direkt verbaute Tracker kontrollieren als auch solche, die über Werbemittel auf die Seite gelangen.
Axel Springer ist Gesellschafter bei der Registrierungsplattform Verimi. Welche Rolle spielt die Einwilligungssoftware für die Registrierung und Nutzeridentifizierung von Verimi?
Holzgraefe: Verimi ist ein Login-System, bei dem sich Nutzer registrieren. Unsere Einwilligungssoftware hingegen ermöglicht den DSGVO-konformen Umgang mit unregistriertem Traffic, also mit unbekannten Nutzern. Es ist also ein komplementärer Ansatz zu Verimi.
Axel Springer bietet die Software kostenlos anderen Unternehmen an. Wenn andere diese Software nutzen, geben sie dann Daten ihrer Nutzer an Axel Springer weiter?
Holzgraefe: Nein, Axel Springer sammelt darüber keine Daten. Wir bieten die Software ganz bewusst als kostenlose Open-Source-Lösung an. Je mehr Unternehmen an dem Projekt teilnehmen, desto besser. So können wir gemeinsam mit der europäischen Verlags- und Werbebranche einheitliche Standards entwickeln, bei voller Transparenz für die Datenschutzbehörden.
Eignet sich diese Software auch für Online-Shops oder ist sie ausschließlich für Verlage gedacht?
Holzgraefe: Sie eignet sich für verschiedene Branchen, wir erhalten gerade viele Anfragen dazu.
Ist Axel Springer beim IAB Europe als Consent Management Provider registriert?
Holzgraefe: Ja, wir haben uns auf der Plattform Advertisingconsent.eu als Consent Management Provider angemeldet.



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