Warnung der Bundespolizei 22.03.2019, 10:46 Uhr

Gefahr durch fehlende Abwehr gegen Drohnen an Flughäfen

Rund 140.000 Passagiere waren im vergangenen Jahr betroffen, als wegen Drohnen am Flughafen Gatwick zeitweise nichts mehr flog. Die Bundespolizei hält es für notwendig, dass die Flughäfen auf solche Fälle vorbereitet sind. "Wegducken ist nicht", sagt Präsident Romann.
(Quelle: shutterstock.com/Alexandre Rotenberg )
Die Bundespolizei sieht Sicherheitslücken wegen einer fehlenden Abwehr gegen Drohnen an den großen Flughäfen. Bundespolizeipräsident Dieter Romann warnte davor, dass in Deutschland ein ähnlicher Fall wie 2018 in Gatwick bei London möglich ist. "Uns allen dürfte klar sein, dass eine solche Situation auf einem deutschen Flughafen jederzeit eintreten kann", sagte er bei einer Sicherheitstagung in Potsdam. Es gebe derzeit keine tauglichen Abwehrsysteme für Flughäfen, die in städtischen Gebieten Drohnen sicher erkennen, identifizieren oder im Zaum halten könnten.
Der Bundespolizeipräsident sieht beim Erkennen von Drohnen auch die Flughafenbetreiber und die Deutsche Flugsicherung gefragt. Er vertraue darauf, dass die Betreiber dafür sorgten, dass niemand unerkannt solche Gegenstände in den Sicherheitsbereich bringen könne, sagte Romann. Das seien seine persönlichen Überlegungen. Er gehe auch davon aus, dass die Deutsche Flugsicherung Möglichkeiten entwickle, Drohnen im Luftraum zu erkennen. Die Bundespolizei leiste ebenfalls ihren Beitrag - nämlich wenn es um eine Gefahr gehe. Es dürfe nur keine Debatte über Zuständigkeiten geben. "Wegducken ist nicht", sagte Romann.

Vorfall in Gatwick bei London

Der Flughafen in Gatwick bei London war kurz vor Weihnachten mehrere Tage durch Drohnen lahmgelegt worden. Dort waren rund 140.000 Passagiere von gestrichenen oder umgeleiteten Flügen betroffen. "Die technischen Fortentwicklungen zur kommerziellen Nutzung von Drohnen bis hin zu autonomen Lufttaxitransporten wird kaum aufzuhalten sein - und das will auch niemand", sagte Romann. "Aber dem missbräuchlichen Einsatz, sei es als fliegender Sprengsatz oder nur als störendes Spielzeug, muss entschieden entgegengetreten werden."
Der Behördenpräsident wies auch Vorwürfe bezüglich zu langwieriger und technisch veralteter Kontrollen an den großen Flughäfen zurück. Romann verwies auf neue Kontrollspuren, die in Hamburg und Frankfurt im Einsatz sind. "In Spitzenzeiten bis zu 500 Fluggäste werden wir mit den neuen Kontrollstellen jede Stunde kontrollieren können", sagte er. Nach einem Chaos-Sommer für viele Fluggäste hatten sich Politik und Wirtschaft im vergangenen Jahr auf Schritte gegen Verspätungen und Ausfälle geeinigt. Dazu zählten auch neue Kontrolllinien.

400 Kontrollstellen mit besserer Software

An den 14 Flughäfen, für die die Bundespolizei zuständig ist, wurden nach Angaben von Romann in den vergangenen zwei Jahren fast alle 400 Kontrollstellen mit besserer Software zur Erkennung kleinster Mengen von Sprengstoff ausgestattet. Zudem seien rund 200 Sicherheits-Scanner für die Personenkontrolle installiert worden. "Das sind absolute Spitzenwerte auch im internationalen Vergleich", sagte Romann. "Die Bundespolizei wird auch künftig massiv in neue Technologien und Verfahren für Sicherheitskontrollen investieren."
Das Bundesinnenministerium sieht die Sicherheitslage unverändert. "Terroristische Gruppierungen und auch Einzeltäter zeigen weiterhin ein hohes Maß an Entschlossenheit, den zivilen Luftverkehr anzugreifen", sagte die Abteilungsleiterin Bundespolizei im Bundesinnenministerium, Dagmar Busch. "Eine Abschwächung oder gar ein Ende der Bedrohung sind nicht absehbar. Es gibt keinen Grund zur Entwarnung - im Gegenteil."



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